Lenninger Tal

Wo sind all die jungen Brandhelfer hin?

Ehrenamt Die Freiwillige Feuerwehr Lenningen hat Nachwuchssorgen. Jetzt will man verstärkt an Schulen gehen.

Bürgermeister Michael Schlecht (links) und Michael Eberle (rechts) ehrten Franz Weis für 70 Jahre Mitgliedschaft.Foto: Haußmann
Bürgermeister Michael Schlecht (links) und Michael Eberle (rechts) ehrten Franz Weis für 70 Jahre Mitgliedschaft.Foto: Haußmann

Lenningen. Trotz einer engagierter Jugendarbeit plagen auch die Freiwillige Feuerwehr Lenningen Nachwuchssorgen. Das zeigte die Jahreshauptversammlung in der Schopflocher Gemeindehalle. Aktuell zählt die Jugendfeuerwehr (JFW) in Lenningen 14, in Schopfloch neun, in Gutenberg ein und in Brucken null Mitglieder, wie Kommandant Michael Eberle aufzählte. „Die Einsatzabteilung Brucken ist überaltert und ein nicht unerheblicher Teil der 14 Aktiven wird in absehbarer Zeit ausscheiden“, sagt er. Bürgermeister Michael Schlecht merkte an, dass idealerweise jeder Abgang durch einen Zugang ersetzt werden sollte. Ob das gelingt, ist angesichts der genannten JFW-Zahlen allerdings fraglich.

Die Feuerwehrkameraden bleiben aber optimistisch. Sie wollen am Oberlenninger Schulzentrum Jugendlichen Einsatzfahrzeuge präsentieren, um Interesse zu wecken und mit Schülern direkt ins Gespräch zu kommen. „Eine entsprechende Anfrage haben wir bereits gestellt“, erzählte Michael Eberle. Roland Schultheiß regte an, eine Kinderfeuerwehr ins Leben zu rufen. „Erfahrungen zeigen, dass es sich auszahlt, den Nachwuchs früh für ein Engagement zu begeistern“, betonte der stellvertretende Kreisbrandmeister. Er räumte ein, dass eine Kinderwehr nur mit pädagogisch geschulten Betreuern betrieben werden darf. „Leider mangelt es uns derzeit an Leuten mit so einem Fachwissen“, sagte Michael Eberle.

Mit Hingabe und Enthusiasmus bewältigten die Kameraden der Abteilungen Lenningen, Brucken, Gutenberg und Schopfloch im vergangenen Jahr sieben Brände, 26 technische Hilfeleistungen und 26 Fehlalarme. Summa Summarum rückten die Floriansjünger damit zu 61 Einsätzen aus, die mit 1432 Stunden und 47 Minuten zu Buche schlugen. Im Durchschnitt verbrachte jede Rettungskraft damit 12 Stunden und 40 Minuten im Einsatz. 2017 hatten die Abteilungen Lenningen, Gutenberg, Schopfloch und Brucken noch etwa 1822 Stunden für Bewältigung von 74 Einsätze aufgewendet. Die Zahl der Fehlalarme in der Gemeinschaftsunterkunft Höllochstraße hat abgenommen. 2016 waren es noch rund sechzig gewesen, 2018 nur noch 16. „Das hat auch etwas mit der abnehmenden Bewohnerzahl zu tun“, resümierte Michael Eberle, der gleichzeitig darauf hinwies, dass die Feuerwehr in der Vergangenheit, vom Straßenbauamt des Landratsamtes Esslingen nicht immer über Steigensperrungen informiert worden war. „Das ist bei Alarmierungen ein Problem, weil wir gegebenenfalls alternative Routen zum Einsatzort wählen müssen“, erklärte der Feuerwehrchef. „Jetzt sollen solche Infos von der Behörde, über die Polizei zur Leitstelle fließen.“ Eberle monierte aber, dass sie Gerölle und Steine, die auf der Fahrbahn liegen, außerhalb der Schichtzeiten des Straßenbauamtes, in der Nacht weiterhin wegräumen müssen.

Michael Schlecht berichtete, dass das Landratsamt in Gesprächen deutlich gemacht hat, dass für eine solche Bereitschaft und die Fahrzeuge jährlich Kosten von rund 300 000 Euro anfallen. Eine Summe, die die Kreisverwaltung dem Schultes zufolge „verständlicherweise“ nicht in den Haushalt einstellen will. „Und wir stellen keine Anträge, weil wir zunächst für einen Testlauf plädieren und finden, dass es Aufgabe des Landes ist, das gesetzlich zu regeln“, bilanzierte Schlecht.

Der Rathauschef wies einmal mehr auf den sehr guten Ausbildungsstand hin, der den Mannschaften aller Abteilungen im Ernstfall eine hohe Schlagkraft verleiht. Von Januar bis Dezember 2018 besuchten 18 der 122 aktiven Feuerwehrleute zahlreiche Lehrgänge. Darunter beispielsweise Atemschutz-, Maschinisten-, Grund- und Sprechfunklehrgänge. Einige bildeten sich zum Gruppenführer, Feuerwehrkommandanten und Ausbilder für den Übungsdienst fort. Die Lenninger Wehr zählt damit 71 Maschinisten, 88 Atemschutzgeräteträger, 24 Gruppen- und 14 Zugführer.

Auch Ehrungen standen auf dem Programm. Neun Kameraden wurden für 15, 25, 40 und 60 Jahre Zugehörigkeit geehrt. Franz Weis von der Abteilung Lenningen wurde für 70 Jahre Mitgliedschaft ausgezeichnet. „Eine wirklich seltene Ehrung“, bemerkte Michael Schlecht.Daniela Haußmann

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