Lenninger Tal

Zahnräder auf dem Buchdeckel

Kunst Der 15-jährige Niels Hoffelner aus Lenningen verwandelt Notizbücher in Kunstwerke. Drei davon sind auf der Frankfurter Buchmesse zu sehen. Von Bianca Lütz-Holoch

Niels Hoffelner mit seinen drei Werken, die bei der Buchmesse ausgestellt werden. Foto: Rainer Hoffelner
Niels Hoffelner mit seinen drei Werken, die bei der Buchmesse ausgestellt werden. Foto: Rainer Hoffelner

Angefangen hat alles mit der Gehirnschmalzfliege, dem Hülz und dem Engu. Solche und andere Fantasiewesen erfindet Niels Hoffelner und zeichnet sie in Notizbücher. „Die schwarzen Einbände fand ich aber langweilig“, erzählt der 15-Jährige aus Lenningen. Also begann er, auch die Buchdeckel zu gestalten: erst mit Farbe, dann mit Leinwand und schließlich mit Metall und Holz. Immer aufwendiger und durchdachter wurden die Kreationen. Schließlich versah er die Bücher mit dachschindelartigen Plättchen, mit Fahrradketten und Zahnrädern, die ineinandergreifen. Und auf einmal waren die Hüllen selbst zu kleinen Kunstwerken geworden.

Das fand auch Ingrid Wiche. Als die Lenninger Buchkünstlerin und Kunstunternehmerin die Werke des 15-Jährigen sah, war sie restlos begeistert: „Ich habe mich entschlossen, drei Bücher von ihm mit zur Buchmesse zu nehmen und in der Glasvitrine an meinem Stand auszustellen“, erzählt sie. Vom 19. bis zum 23. Oktober sind Niels Hoffelners Notizbücher nun in Frankfurt zu sehen, Seite an Seite mit Ingrid Wiches Künstlerbüchern.

Etwas Überwindung hat den jungen Lenninger die Entscheidung gekostet: „Ich habe schon überlegt, ob ich das machen soll, denn es sind ja meine ersten Bücher“, räumt Niels Hoffelner ein. Dass er sie je wieder zu sehen bekommt, steht nicht fest. Denn auf der Buchmesse stehen seine Erstlingswerke auch zum Verkauf. „Für einen solch jungen Menschen ist es ein riesen Schritt, sich von drei künstlerischen Geburten zu trennen“, zollt Ingrid Wiche der Entscheidung Respekt.

Der Ursprung jeden Werks des 15-Jährigen liegt in Dingen, die andere wegschmeißen. „Ich suche Metall, Holz und Kabel aus Altcontainern heraus“, erzählt Niels Hoffelner, der die 9. Klasse der Kirchheimer Waldorfschule besucht. „Die Materialien kann man in jede Form bringen.“ Dabei hilft die gute Ausstattung im Haus. Niels‘ Vater ist der Künstler Rainer Hoffelner. Mit dessen Handwerkszeug darf er arbeiten. „Das Metall bearbeite ich mit der Flex, das Holz mit der Laubsäge“, erzählt Niels Hoffelner. Auch Farben, Lacke, Säuren und Leim kommen zum Einsatz.

Übrigens: Nicht nur die Optik zählt für den Schüler, je nach Motiv legt er auch auf Funktion Wert. So lassen sich etwa die Zahnräder auf dem Buchdeckel bewegen, ebenso wie das Windrad, das er auf einem seiner neuesten Werke installiert. In der Mache hat der Jugendliche gerade auch noch einen ganz außergewöhnlichen Einband: „Da verarbeite ich einen in Kunstharz gegossenen, toten Putzerfisch aus meinem Aquarium“, verrät er.

Außergewöhnliche Buchdeckel sind nicht das Einzige, was Niels Hoffelner aus Recycling-Materialien schafft. Mit Vorliebe stellt er Messer aus altem Eisen her, und auch eine Römerrüstung in Lebensgröße hat er aus Schrott gebaut.

„Das ist mein Hobby“, sagt Niels Hoffelner – ein Hobby, das später einmal mehr werden könnte: „Beruflich möchte ich auf jeden Fall etwas Handwerkliches machen“, verrät der 15-Jährige. Jetzt darf er aber erst einmal Messeduft schnuppern: „Mit meinem Vater fahre ich für einen Tag nach Frankfurt“, freut er sich.

Kunst aus Lenningen auf der Buchmesse

Frankfurter Messe Die Bücher von Niels Hoffelner stellt Ingrid Wiche an ihrem Stand auf der Frankfurter Buchmesse in Halle 4.1 M 38 aus. In Glasvitrinen zeigt die Lenningerin dort Jahr für Jahr ihre Werke.

Atelier und Agentur Ingrid Wiche betreibt in Lenningen die Kunstagentur Treib-Art und schafft unter der Überschrift „Poesie am Rande“ selbst Kunst mit Texten, Poesie, Büchern und Papier.bil

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