Lenninger Tal

Zukunft des Wielandsteins in der Schwebe

Der Lenninger Gemeinderat stellt die Felssicherung infrage – Prüfungen zu Natur- und Artenschutz kosten 27 000 Euro

Dass das Kletter-Eldorado Wielandstein gesichert wird, stand im vergangenen Sommer fest. Nun ist das Projekt mit dicken Fragezeichen versehen.

Seit dem Felssturz ist der Wielandstein nur noch ein Torso. Das Sichern des Oberlenninger Wahrzeichens würde viel Geld verschlin
Seit dem Felssturz ist der Wielandstein nur noch ein Torso. Das Sichern des Oberlenninger Wahrzeichens würde viel Geld verschlingen.Foto: Carsten Riedl

Lenningen. Draußen herrschten tropische Temperaturen, drinnen trieben den Lenninger Gemeinderäten die von Bürgermeister Michael Schlecht vorgelegten Zahlen den Schweiß auf die Stirn. Das Angebot zur Erstellung naturschutzfachlicher Unterlagen für die Sanierung des Wielandsteins beläuft sich auf fast 27 000 Euro – ein Betrag, der dem Gros des Gremiums als entschieden zu hoch erschien.

Anzeige

Dass der einstige Kletterfelsen mehrfach unter Schutz steht, war den Räten klar. Doch könnte die Phalanx der Sicherer zur Stolperfalle werden. Der Wielandstein gehört zum Natura 2 000-Gebiet „Lenninger Tal und Teckberg“, und er ist Teil eines Vogelschutz- und eines Naturschutzgebiets. Vor einer Sanierung braucht es naturschutzfachliche Gutachten und Prüfungen. Dazu gehört eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung, eine Fledermauskartierung, eine Fauna-Flora-Habitat-Verträglichkeitsprüfung sowie ein landschaftspflegerischer Begleitplan.

Im vergangenen Sommer hatte der Gemeinderat noch dafür votiert, nach dem gewaltigen Felssturz das Oberlenninger Wahrzeichen zu sichern. Lange Nägel sollten den Felsen zusammenhalten, Bäume auf den Stock gesetzt und Geröll abgetragen werden. Entschieden hatte man sich für die naturverträglichste und günstigste von drei Varianten. Die Baukosten wurden mit rund 40 000 Euro veranschlagt, die Honorarkosten mit 17 500 Euro. Angesichts der 27 000 Euro, die nun nach einem Vor-Ort-Termin für das Erstellen der naturschutzfachlichen Unterlagen angesetzt werden müssen, reichen die 60 000 Euro, die im Haushalt eingestellt sind, bei Weitem nicht aus.

„Der Wielandstein ist was Besonderes. Da schwätzt jeder mit. Ihn gesperrt zu lassen, ist für die Verwaltung aber keine Option“, erklärte Rathauschef Schlecht. Gemeinderat Karl Boßler eröffnete die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der geplanten Sicherung: „Ich tue mich langsam schwer damit“, sagte er. „Dann machen wir halt ein Schild dran, dass der Fels gesperrt ist.“ In die gleiche Kerbe hieb Dieter Epple. Zudem stieß er sich wie seine Ratskollegen an den hohen Kosten: „Das entwickelt sich zu einer großen Lösung.“ Kurt Hiller erinnerte daran, dass der Albtrauf vor Millionen Jahren noch am Flughafen war. Fast provokativ fragte er: „Wollen wir uns mit der Natur anlegen?“ Volker Hofmann befürchtete, dass die Stellungnahmen der verschiedenen Fachbehörden „einen Rattenschwanz“ nach sich ziehen.

Die Überlegungen der Räte teilte Michael Schlecht nicht. Er könne zwar nicht garantieren, dass die Sanierung am Ende nicht sechsstellig werde, es handle sich beim Wielandstein aber um das Wahrzeichen Oberlenningens. „Wenn wir eine Absperrung machen, kommt da keiner mehr hin. Die Frage ist, ob man das durchhält?“, gab Schlecht zu bedenken. Er verteidigte die Haltung der Naturschutzbehörden. In diesem Bereich habe man eben Vorgaben. Georg Zwingmann positionierte sich ebenfalls klar: „Ich will, dass man den Wielandstein erhält und wieder begehbar macht.“ Es sei schön, dass es im Lenninger Tal schützenswerte Gebiete gebe. Eine Sicherung, um nicht mehr an den Felsen heranzukommen, koste auch Geld. Falk Kazmaier sprach sich dennoch für diese Lösung aus. Mit dem Hinweis auf Felsstürze in den Alpen – „da müsste eigentlich jeder Berg eingezäunt sein“ – bat er darum, zu prüfen, ob es möglich ist, dass jeder auf eigenes Risiko an den Wielandstein kommt. Die interessanten Kletterrouten seien ohnehin weg.

Einen Beschluss fällte das Gremium nicht. Die Verwaltung wurde beauftragt, zu prüfen, was für eine reine Verkehrssicherung gemacht werden müsste und mit welchen Kosten sie verbunden wäre. Liegen die Ergebnisse vor, befasst sich der Gemeinderat erneut mit dem Thema.