Lenninger Tal

Zurück auf null?

Dass der für September angekündigte Bauantrag für die Asylbewerberunterkunft in Oberlenningen auf sich warten ließ, machte schon länger stutzig. Vor Wochen sickerte durch, die Verhandlungen zwischen Landkreis und Investor würden stocken. Die jetzige Meldung über das Scheitern überrascht deshalb nicht allzu sehr. Zurück auf null, ist man versucht zu sagen. Doch das stimmt nicht ganz. Denn seit offenkundig wurde, dass an der Adolf-Scheufelen-Straße ein Flüchtlingsheim entstehen könnte, ist eine Menge Porzellan zerdeppert worden. Mit offenen Briefen, die im Ort verteilt wurden, haben die Anwohner Grenzen überschritten. Auch Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht betrachtete die Eskalation der Aussagen in den Schreiben mit Sorge. Verständlich, dass er künftig von Infoveranstaltungen absehen will, wenn Projekte noch nicht in trockenen Tüchern sind.

Was die Asylbewerberunterbringung angeht, steht die Gemeinde zwar nicht mit leeren Händen da. Doch vor der stetig steigenden Zahl von Flüchtlingen kann Lenningen genauso wenig wie andere Kommunen die Augen verschließen. Eine von allen propagierte dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen wird aber nur gelingen, wenn jeder, der freien Wohnraum hat, ihn zu einem fairen Preis anbietet.

ANKE KIRSAMMER

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