Weilheim und Umgebung

Alpakas genießen den Ausblick

Tierhaltung Die Weilheimer Familie Maier geht mit ihrer kleinen Alpaka-Herde regelmäßig auf der Limburg spazieren. Die weiche Wolle der gemütlichen Tiere wird zu Bettdecken und Kissen verarbeitet. Von Markus Brändli

Wenn Spaziergänger und Wanderer derzeit kamelartige Tiere mit langen Hälsen auf der Limburg sichten, erleben sie weder eine Fata Morgana noch haben sie zu viel vom Limburg-Wein gekostet. Es handelt sich lediglich um die Alpakas der Familie Maier aus Weilheim. Es ist ein durchaus exotischer Anblick, wenn Mutter Sabine und die Töchter Ramona und Nadine nicht nur mit den beiden Familienhunden, sondern auch mit ihren Alpakas auf der Limburg spazieren gehen. „Sie haben aber große Hunde dabei“, meint augenzwinkernd der eine oder andere Passant beim Anblick der kleinen Karawane, die gemütlich vorüberzieht.

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Eben diese Ruhe und Gelassenheit, die großen Augen und die Lernbereitschaft der Tiere zogen vor einigen Jahren Ramona Maier magisch an. „Wir waren schon immer eine tierverrückte Familie“, erzählt sie. „Lämmer oder Hundewelpen aufziehen, ist bei uns normal.“

Nachdem sie im Internet über Alpakas gestolpert waren, folgte der Besuch bei einem größeren Züchter - einschließlich erstem „Fellkontakt“. Nach weiterer Recherche und einem Einführungsseminar war auch Mutter Sabine vom Projekt Alpaka überzeugt. Bei einer anschließenden Trekkingtour wurde auch noch Schwester Nadine vom Alpaka-Virus befallen.

Nach einem Jahr Vorbereitung kam im Mai 2016 dann der große Augenblick: Die ersten Tiere bezogen ihr neues Zuhause. Da Alpakas sehr soziale Herdentiere sind, kommt nur Gruppenhaltung infrage. Momentan bevölkern fünf Tiere die Weide, zwei Stuten, zwei Wallache und ein Junghengst - um ungeplanten Nachwuchs zu verhindern durch einen Zaun getrennt. „Die Alpakas sind ein unglaublicher Mehrwert in unserem Leben“, stellt Sabine Maier fest. „Man kann wunderbar abschalten, wenn man den Tieren auf der Weide beim Grasen oder Spielen zusieht.“ Und dieses Erlebnis teilen Maiers gerne mit anderen: sei es beim gemeinsamen Spaziergang oder wenn eine Kindergartengruppe zu Besuch kommt. „Die Kinder merken schnell, dass die Tiere sehr nahe kommen, sobald man eine gewisse Ruhe ausstrahlt und keine hektischen Bewegungen macht“, erzählt Nadine. Schließlich sind die Andenbewohner unheimlich neugierig und lieben es beispielsweise auch, auf Hügeln zu stehen und die Umgebung genau zu betrachten. Bestechungsversuche mit Futter sind bei Alpakas übrigens ziemlich aussichtslos - ihr Vertrauen zu gewinnen, dauert etwas länger als bei manch anderen Tieren. Dafür ist das Erfolgserlebnis für beide Seiten auch größer.

Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Gräsern und Heu, dennoch ist es notwendig, zweimal am Tag nach den Tieren zu schauen und sich mit ihnen zu beschäftigen. „So ist es beispielsweise notwendig, bestimmte Mineralien und Spurenelemente extra zu füttern, da diese in unseren Böden nicht ausreichend vorhanden sind“, erklärt Nadine, während sie für jedes Tier einen Eimer mit dem Zusatzfutter vorbereitet.

Unerwartet schwierig gestaltete sich anfangs die Suche nach kompetenten Informationen, Fachleuten und Tierärzten, da die Kamelart in Deutschland eben noch nicht so lange auf den Weiden steht wie beispielsweise Pferde. Da hilft nur reger Austausch mit anderen Alpaka-Haltern und Eigeninitiative.

Auch wenn für die Familie Maier die Tiere viel mehr als nur Rasenmäher und Wolllieferant sind, wird die Wolle selbstverständlich genutzt und zu Bettdecken und Kissen verarbeitet. Im Vergleich zu Schafwolle isoliert die Alpakafaser deutlich besser und ist weicher - manche sagen „richtig flauschig“. Verschiedene Betriebe übernehmen die Verarbeitung der Faser zu dem gewünschten Produkt. Das Schöne ist, dass man die verarbeitete Wolle von seinem eigenen Tier zurückerhält.

Wenn im Frühjahr die Schur ansteht, ist Teamwork gefragt. Die Tiere müssen möglichst stressfrei eingefangen und gehalten werden. Beim „Friseurtermin“ müssen deshalb alle mithelfen, wobei Ramona selbst die Schermaschine schwingt und den Alpakas ihre Sommerfrisur verpasst. „An mir ist wohl eine Bäuerin verloren gegangen. Bei Schafen und Ziegen durfte ich auch schon Geburtshilfe leisten“, meint sie augenzwinkernd. Dagegen ist das Scheren doch eher „gemütlich“ - auch wenn der körperliche Einsatz hierbei nicht zu verachten ist.