Weilheim und Umgebung

Alpakas spazieren über die Schwäbische Alb

Die Liebe für das Ungewöhnliche: Klaus und Doris Holder aus Neidlingen sind Besitzer zweier glücklicher Alpakas

Von den Anden in Südamerika auf die Alb in Schwaben: Die Alpaka-Wallache Willi und Flip entsprechen nicht ganz dem gewöhnlichen Haustier, doch das schreckte die Familie Holder nicht ab. Die beiden Alpakas ziehen nun schon seit sieben Jahren über die Weiden an den steilen Hängen bei Neidlingen.

In Neidlingen weiden zwei glückliche Alpakas bei Doris Holder
In Neidlingen weiden zwei glückliche Alpakas bei Doris Holder

Neidlingen. Alpakas? Die spucken doch. – Das ist wohl der erste Gedanke, der einem zu diesem Tier einfällt. „Flip und Willi haben uns noch nie angespuckt“, sagt Doris Holder, „sie spucken nur sich gegenseitig an und das auch nur, wenn sie streiten.“ Wer seinen Unmut nicht durch Laute äußern kann, macht dies eben durch seine Spucke. Doch eklig sind die Alpaka-Wallache deswegen noch lange nicht. Ihr treuer Blick, das flauschige Fell zwischen den Ohren und die großen Glupschaugen machen sie einfach liebenswert.

„Ich wollte schon immer ein Alpaka haben“, sagt Karl Holder. „Diese Tiere sind so faszinierend und zudem noch von ruhiger Natur.“ Der positive Nebeneffekt: Sie dienen auch als Rasenmäher. „Sie müssen wissen“, ergänzt seine Frau Doris, „unsere Wiese hinter dem Haus ist sehr steil, und mit dem Rasenmäher kann man dort kaum das Gras mähen.“ Zu seinem 60. Geburtstag erfüllten seine Frau und die drei Töchter ihm dann seinen Wunsch. So fanden die zwei Huacaya-Alpakas ihren Weg auf die Neidlinger Wiese der Holders.

Von Anfang an war sich die Familie einig: Diese Tiere sind einfach spitze und auch noch so pflegeleicht. Sie fressen nicht nur das Gras an schwer erreichbaren Stellen, sie strahlen auch eine ungewohnte Ruhe aus. „Alpakas werden auch als Therapietiere eingesetzt“, sagt Doris Holder, „bei Menschen mit Behinderung sind sie sehr einfühlsam und beruhigend.“ Von dem ausgeglichenen Gemüt der Tiere können sich die Holders auch selbst immer wieder aufs Neue überzeugen. Besonders oft sitzen die beiden im Winter auf einer Bank im Gehege von Willi und Flip. Selbst wenn es ein wenig Geduld braucht, wollen auch die beiden Alpakas eine Schmuseeinheit bei der klirrenden Kälte. Aus den normalerweise scheuen Tieren werden dann plötzlich kleine Schmusetiger – oder besser gesagt Schmusealpakas.

Und wer glaubt, Alpakas würden überall kleine Häufchen hinsetzen und der Stall würde unangenehm riechen, denjenigen überzeugen die Alpakas vom Gegenteil. „Das sind die reinlichsten Tiere, die wir jemals hatten“, sagt Doris Holder. Ihre Enkelin Jana ergänzt: „Sie haben nur zwei oder drei Haufen in ihrem Gehege, und dort machen sie ihr Geschäft, nirgendwo anders.“

Pflegeleicht erweisen sich Willi und Flip auch, was ihr Futter angeht. Doris und Klaus Holder füttern ihre Alpakas mit Heu und Gras. Doch die zwei südamerikanischen Paarhufer haben ihre eigenen Vorlieben entwickelt. Was für viele Menschen Austern und Kaviar sind, sind für die Alpakas Rosenblätter, Fliederblätter und Johannisbeeren. „Unseren Johannisbeerstrauch mussten wir schon in Sicherheit bringen“, sagt Doris Holder mit einem Lächeln. Mit einem Zaun aus Draht ist der Strauch jetzt vor den Zungen der Leckermäuler sicher.

Drei sind einer zu viel, sagt ein bekanntes Sprichwort. Klaus Holder sieht das aber anders: „Ich möchte auf jeden Fall noch ein drittes Alpaka, am besten ein Weibchen.“ Und da Flip und Willi kastriert sind, wird es dann auch keinen unerwünschten Nachwuchs geben. „Alpakas werden bis zu 20 Jahre alt“, sagt Enkelin Jana. Die beiden sind erst sieben Jahre alt und werden dann noch genug Zeit haben, mit ihrem Alpakacharme die neue Dame im Gehege zu erobern.

Ein besonderes Haustier, erfordert einen besonderen Tierarzt. In Hemmingen wurden die Holders fündig. Einmal im Jahr werden Willi und Flip dort geschoren, und zum Schluss gibt es dann Alpaka-Maniküre. Auch eine Wurmkur gegen unerwünschtes Ungeziefer darf jeden dritten Monat nicht fehlen. „Die Alpakas haben ein so schönes Fell“, sagt Doris Holder über ihre Schützlinge, „wir überlegen uns, ob wir die Wolle unserer Alpakas nicht zu Socken, Decken oder Kissenüberzügen verarbeiten lassen sollen.“

Die Wiese mit den zwei Alpakas ist für die Holders der schönste Platz auf Erden. „Wir müssen gar nicht so oft in den Urlaub fahren. Wir können auch hier entspannen“, sagt Klaus Holder. Im Sommer legt sich das Ehepaar auf seine Wiese am Hang, mit Blick auf das Neidlinger Tal ist dann Entspannen angesagt. Ehe man sich versieht, stehen auch Flip und Willi neben den Holders und genießen den Ausblick auf die Schwäbische Alb.

In Neidlingen weiden zwei glückliche Alpakas bei Doris Holder
In Neidlingen weiden zwei glückliche Alpakas bei Doris Holder
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