Weilheim und Umgebung

Am Bissinger See siegt Perfektionismus

Seefest Mit einem cleveren Konzept hat der „Hausclub“ eine Kultveranstaltung geschaffen. Der Überschuss aus dem Fest fließt in Gemeindeprojekte. Von Günter Kahlert

Die Cover-Band „Good News“ heizt am Bissinger See vor allem der älteren Klientel ein. Foto: Günter Kahlert
Die Cover-Band „Good News“ heizt am Bissinger See vor allem der älteren Klientel ein. Foto: Günter Kahlert

Die Zahl ist für eine lokale Musikveranstaltung wirklich erstaunlich. Knapp 2 500 Besucher verzeichnete das fünfte Bissinger Seefest an zwei Abenden. Zum Vergleich: Das entspricht fast der Besucherzahl des Kirchheimer Rollschuhplatz-Open-Airs. Und das ohne ein Zugpferd wie die „Spider Murphy Gang“. Natürlich fragt sich mancher: Wie? Bissingen? Seefest? Aber die Veranstaltung des örtlichen „Hausclubs“ hat sich zu einem echten „Kult-Event“ entwickelt, das weit über die Ortsgrenzen der Gemeinde hinaus Besucher anzieht.

Anzeige

Der Erfolg freut nicht nur die Macher vom Hausclub. „Wenn‘s bei uns gut läuft, dann freut sich auch der Bürgermeister“, meint Veranstaltungswart Uli Pangerl schmunzelnd. „Das Seefest ist schon ein Highlight in Bissingen“, schwärmt Bürgermeister Marcel Musolf, „das Ambiente, die wunderbare Kulisse am Rand der Alb, der Blick auf den See, das ist einmalig.“

Überschüsse für Projekte

Dass der erklärte Seefest-Fan selbst unter den Besuchern war, ist eigentlich logisch. Aber es gibt noch ganz andere, naheliegende Gründe für seine Begeisterung: Aus den Überschüssen spendet der „Hausclub“ seit jeher ansehnliche Beträge für Gemeindeprojekte - und bei dieser Besucherzahl bleibt schon was hängen. „Der Hausclub war immer sozial engagiert und sehr großzügig“, lobt der Gemeindechef die Veranstalter. Spielplätze und Kindergärten waren schon an der Reihe, dieses Mal soll es ein Zuschuss zur komplett neuen Gemeindechronik für die 1250-Jahr-Feier 2019 sein. Stattliche 100 000 Euro veranschlagt Marcel Musolf für das Projekt: „Ein Drittel davon haben wir als Spenden eingeplant“, erzählt er. Da kommt ihm ein Batzen vom Seefest natürlich recht.

Zum Festgelände wird die Liegewiese des Bissinger Sees alle zwei Jahre. Es ist immer ein Kraftakt, bei dem die Mannschaft an die Grenzen ihrer Kapazität gelangt. Ohne den Schulterschluss mit der Bissinger Freiwilligen Feuerwehr wäre die Veranstaltung ohnehin nicht möglich. „Bis zu 80 Leute sind für Aufbau, Veranstaltung und Abbau im Einsatz“, erzählt „Hausclub“-Kassenwart und Ex-Vorstand Markus Gölz. Alles ehrenamtlich, versteht sich. Die Feuerwehr übernimmt auch den „Security-Check“ beim Einlass. Ein Blick in die Rucksäcke und Taschen ist beim Einlass obligatorisch, das Ganze sehr freundlich, unaufgeregt. „Sollten wir gezwungen werden, professionelle Security einzusetzen, dann wäre das Seefest tot“, stellt Markus Gölz klar. Schwarz gekleidete Muskelmänner auf dem Gelände würden nicht nur die Besucher irritieren, „die Atmosphäre des Seefestes wäre komplett dahin“, ist er sich sicher.

Diese Atmosphäre ist zweifellos ein, wenn nicht das Erfolgsgeheimnis dieses sehr speziellen Fests. Es ist eine ungewöhnliche Mischung aus Hocketse und Konzert mit Bierbänken und -tischen im hinteren Teil der Liegewiese, mit Party-Zelt, Party-Schirmen und Stehtischen, mit Food-Truck und Getränkeständen und der „Stimmungs-Zone“ vor der Bühne, die direkt am See steht. „Wir sind halt Perfektionisten“, beschreibt Uli Pangerl das Konzept.„Die Besucher sollen sich einfach nur wohl fühlen.“

Alles muss stimmen, selbst bei den Toiletten-Kapazitäten. Dazu gehört aus Sicht des „Hausclubs“ auch die Illumination des Bissinger Sees. „Das müssen wir nicht machen, wir wollen es aber“, so Uli Pangerl. Dass die Feuerwehr im See auch noch einen Sprinkler installiert hat, auf dessen Wasserwand farbige Lichtspiele projiziert werden, ist quasi das „Sahnehäubchen“.

Heute jung, morgen alt

Auch die „zielgruppengerechte“ Aufteilung des Seefestes in einen Tag für die Jüngeren und einen Tag für Ältere hat sich wieder bewährt. Dieses Jahr brachte DJ Philhouse mit Dance-House, Charts und Electro die fetten Beats für die Jungen, und die angesagte Cover-Rock-Band „Good News“ bediente mit fetzigen Classics die ältere Klientel. Beide Tage volles Haus - es funktioniert. Die entspannte, heitere Atmosphäre am Bissinger See hatte noch einen weiteren Effekt. Gemeindechef Marcel Musolf sagt: „Wir hatten eine nahezu Null-Beschwerde-Lage.“ Nette Wortschöpfung, heißt einfach nur: keine besonderen Vorkommnisse, keine empörten Bissinger Bürger. Auch das freut einen Bürgermeister.

Schon neue Events im Visier

Und der „Hausclub“? Der muss erst mal richtig durchschnaufen nach dem Kult-Event. Dann stehen die nächsten Aktivitäten schon an: ein Kinderferienprogramm und natürlich die Bissinger Kelter-Hocketse am 2. und 3. September. Die Planungen für das Seefest 2019 haben ja noch ein bisschen Zeit.