Weilheim und Umgebung

App bringt Schlaglöcher ans Licht

Infrastruktur Die Stadt Weilheim erfasst den Zustand ihrer Straßen nun digital. Die Ergebnisse fließen in eine Prioritätenliste für Sanierungen ein. Darin spielen aber auch die Leitungen eine Rolle. Von Bianca Lütz-Holoch.

Grün ist gut, rot  ist schlecht: die Weilheimer Straßen im Überblick. Grafik: Vialytics Gmbh/open Street Maps

Schlaglöcher, Risse und Wellen: Schlechte Straßen sorgen bei vielen Autofahrern für Ärger. Wenig Verständnis haben sie auch, wenn die eine Straße saniert wird - die Hoppelpiste vor der eigenen Haustür aber nicht. Die Stadt Weilheim hat nun eine neue Prioritätenliste für die Straßensanierungen in den kommenden zehn Jahren vorgelegt. Eingeflossen sind dabei zum ersten Mal die Ergebnisse der digitalen Schadenserfassung durch die App „Vialytics“. Sie ist in Weilheim seit dem Frühjahr im Einsatz. Bundesweit nutzen derzeit rund 50 Kommunen und Landkreise die App des gleichnamigen Stuttgarter Start-up-Unternehmens.

„Das System erleichtert die Bewertung unserer Straßen nicht nur, sondern verhilft auch zu mehr Objektivität“, sagt Jens Hofmann, Leiter des Weilheimer Stadtbauamts. Eine regelmäßige Erfassung und Kartierung sämtlicher Straßen in Weilheim und Hepsisau hat es bislang nicht gegeben. „Man hätte alle zu Fuß begehen und Schäden notieren müssen.“ Angesichts des rund 65 Kilometer langen Straßennetzes sei das kaum zu stemmen. Ins Visier rückten in der Vergangenheit deshalb oft Straßen, die von Bürgern oder Verwaltung als schlecht wahrgenommen wurden.

Mit der App ist das nun anders. Sie funktioniert so: Von Vialytics erhält die Stadt ein spezielles Handy und installiert es an der Windschutzscheibe eines städtischen Fahrzeugs. In Weilheims Fall ist es das Dienstfahrzeug des Stadtbauamts. Bei Fahrten kann die App aktiviert werden. Dann filmt und erfasst die Handykamera die Fahrbahn und übermittelt den jeweiligen GPS-Standort. „Überall in Weilheim kommen wir natürlich nicht rum. Wir mussten einige Straßen separat ansteuern“, berichtet Jens Hofmann. Anschließend werden die Daten an das Unternehmen übermittelt. Zwei Mal pro Jahr erstellt es Auswertungen. Die Stadt erhält dann digitale Karten, die gemäß der Ampelfarben eine Übersicht über gute und schlechte Straßen bieten und detaillierte Einblicke in einzelne Abschnitte ermöglichen. Ideal ist es, wenn alles grün ist.

Dank des halbjährlichen Turnus gibt es regelmäßig aktualisierte Karten. „Sie zeigen auch, wenn sich der Zustand einer Straße rapide verschlechtert“, so Hofmann. Darauf kann die Stadt dann in ihrer Prioritätenliste reagieren.

Ganz wichtig allerdings: Welche Straße zuerst saniert wird, hängt nicht allein davon ab, ob sie Schlaglöcher und Risse hat. „Wir betrachten Straßenbelag, Wasserleitungen und Abwasserkanäle zusammen“, sagt Jens Hofmann. Neu ist deshalb auch eine Auswertung sämtlicher Rohrbrüche seit 2007. So kann es sein, dass eine Straße, deren Belag noch recht gut ist, in der es aber viele Rohrbrüche gab, Vorrang vor einer schlechten Straße mit guten Leitungen hat. Manchmal wird die Fahrbahn auch aus anderen Gründen aufgerissen, etwa weil Gas- oder Stromleitungen verlegt werden. Dann wird sie gleich mit saniert.

Weilheim hat einen Dreijahresvertrag mit Vialytics. In der Zeit erhält sie dafür als eine der Gewinnerinnen des Wettbewerbs „Digitale Zukunftskommune“ Fördermittel vom Land. „Wir sind sehr zufrieden mit der App“, sagt Jens Hofmann. Das System würde die Stadt auch nach Ablauf des Projektzeitraums gerne weiter nutzen - sofern das die Kosten zulassen.

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