Weilheim und Umgebung

Arbeiten in und mit der Natur

Nebenerwerbslandwirte aus der Region haben sich qualifiziert

25 Fachkräfte für Nebenerwerbslandwirtschaft aus den Landkreisen Esslingen und Göppingen erhielten nun in Bissingen in feierlichem Rahmen ihre Abschlusszeugnisse.

Gruppenbild mit Dame: eine Nebenerwerbslandwirtin und 24 frisch gebackene Nebenerwerbslandwirte bei ihrer AbschlussfeierFoto: Co
Gruppenbild mit Dame: eine Nebenerwerbslandwirtin und 24 frisch gebackene Nebenerwerbslandwirte bei ihrer AbschlussfeierFoto: Cornelia Wahl

Bissingen. In einer liebevoll mit Blumen und Strohballen geschmückten und beheizten Scheune des Aussiedlerhofes Nägele fanden sich die 25 Absolventen – 24 Männer und eine Frau – ein, um aus den Händen von Schulleiter Dr. Reinhold Klaiber die Abschlusszeugnisse und vom Abteilungspräsidenten des Regierungspräsidiums in Stuttgart und Amtsleiter des Landwirtschaftsamtes, Dr. Kurt Mezger, in einer familiären Atmosphäre ihre Urkunden entgegenzunehmen.

Dabei machte es der Schulleiter spannend. Erst nach einem gemeinsamen Abendessen verkündete er: „Alle haben bestanden“, was bei den angehenden Nebenerwerbslandwirten sichtbar für Erleichterung sorgte. Und er fügte hinzu: „Dass Ihnen viel abverlangt wurde, war den Lehrern klar.“ Als qualifizierte Nebenerwerbslandwirte oder -landwirtin wollen die Absolventen nebenberuflich einen landwirtschaftlichen Betrieb betreiben oder in den elterlichen Hof einsteigen. Die frisch gebackenen Fachkräfte können nun tatkräftig ihr Wissen anwenden oder einen Ausbildungsabschluss zum Landwirt machen. „Machen Sie was draus. Gehen Sie mit Ihrem Wissen verantwortungsvoll um“, mahnte Abteilungspräsident Dr. Mezger.

Zwei Winter und einen Sommer lang opferten sie ihre Freizeit und qualifizierten sich am Landwirtschaftsamt in Nürtingen in 600 Stunden neben ihrem nichtlandwirtschaftlichen Hauptberuf zur „Fachkraft Nebenerwerbslandwirtschaft“. Zweimal die Woche paukten die Absolventen abends nach ihrem Berufsalltag Theorie in Sachen pflanzliche und tierische Erzeugung sowie in Unternehmensführung. Dazu kamen fachpraktische Tage. Auch fanden Lehrgänge zum Thema Landtechnik statt. Die Schüler bekamen ein „vielseitiges Wissen zum wirtschaftlichen und erfolgreichen Führen eines Betriebes, über Produktionstechniken, den Pflanzenbau, die Betriebswirtschaft und die Agrarwissenschaft mit auf den Weg“, erzählte Schulleiter Dr. Klaiber. Ebenso erlangten sie Kenntnisse in Recht und Tierhaltung. Der Landwirt müsse ein Multitalent sein, der den steigenden Anforderungen der Gesellschaft in den Bereichen Umweltschutz, Nachhaltigkeit und artgerechter Tierhaltung gerecht werde, führte er weiter aus.

Der Abteilungsleiter im Regierungspräsidium Stuttgart, Dr. Kurt Mezger, hob die Wichtigkeit des landwirtschaftlichen Berufes hervor und wies auf die strukturellen Veränderungen in der Landwirtschaft hin: „Kein Sektor in der Wirtschaft hat seit Mitte der 1960er-Jahre seine Produktivität derart stark gesteigert wie die Landwirtschaft. Sie sind für mich Botschafter der Landwirtschaft in der Bevölkerung. Sie können Ihr Fachwissen hineintragen und darüber informieren.“

Ziel der Landwirtschaft sei es, die Bevölkerung zu versorgen und dies zu angemessenen Preisen. Doch: „Was ist angemessen?“, fragte er in die Runde. Die Fachkräfte bekämen ihre Zeugnisse in einer Zeit, die für ihren Berufsstand nicht gerade einfach sei. Die Preise für Getreide, Fleisch und Milch seien sehr niedrig, sodass die Entstehungskosten kaum mehr zu erwirtschaften seien. Wichtig seien deshalb auch die kontinuierliche Weiterbildung und der Austausch unter Kollegen. „Einer der schönsten Berufe ist der des Landwirts. Man arbeitet in und mit der Natur“, fügte Dr. Klaiber hinzu. Der Schulleiter bedankte sich außerdem bei den Lehrkräften für ihren Einsatz, bevor die Abschlussfeier gemütlich ausklang.

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