Weilheim und Umgebung

Architektur gibt Statement ab

Einweihung Der Kirchheimer Firma Ortlieb hat nicht nur die Teckstadt, sondern auch den Landkreis Esslingen verlassen. In Zell ist die neue Produktionsstätte. Von Iris Häfner

Der Hausherr legt Wert auf Kunst und Ästhetik, was für jeden Besucher augenfällig ist. Aber auch die Ausblicke aus dem Gebäude s
Der Hausherr legt Wert auf Kunst und Ästhetik, was für jeden Besucher augenfällig ist. Aber auch die Ausblicke aus dem Gebäude sind sehenswert.Foto: Markus Brändli

Ausnahmsweise wird in der nigelnagelneuen Produktionshalle nicht gearbeitet, Feiern ist angesagt und zwar mit vielen Gästen. Die kommen sowohl aus der nächsten Umgebung als auch von ziemlich weit her: beispielsweise aus Russland, den USA oder China. Dass an diesem Tag in Zell unterm Aichelberg irgendwie etwas anders ist, wird schnell deutlich, denn überall im Gewerbepark Wängen stehen Ordner, um Autos in die richtigen Bahnen zu lenken. Das Ziel: der neue Standort der einstigen Kirchheimer Firma Ortlieb. Die hat der Teckstadt den Rücken gekehrt und kurz nach der Grenze im Landkreis Göppingen ihr neues Domizil aufgeschlagen.

Dr. Dieter Simpfendörfer, Geschäftsführer der Ortlieb Präzisionssysteme GmbH & Co. KG, blickt stolz auf die 106-jährige Firmengeschichte. „Durchschnittlich existieren Firmen heutzutage acht bis zehn Jahre“, erklärt er. Doch mit zwei Firmen kann selbst sein Betrieb nicht mithalten: Weihenstephan ist 977 Jahre alt, Weltenburg immerhin nur zehn Jahre jünger. „Beides sind Brauereien“, präzisiert Dieter Simpfendörfer und überlässt es den Gästen, daraus irgendwelche Schlüsse zu ziehen. Seine Firma ist deshalb noch lange nicht im Methusalem-Alter, im Gegenteil, dank des Ortswechsels sieht er sie vital. Zwar mit Runzeln und Falten - aber deshalb habe es ja das Facelifting mit dem neuen Firmengebäude gegeben. „Es ist vielleicht die wichtigste Zäsur in der Firmengeschichte“, sagt er.

Über das Aussehen des Gebäudes hat er sich viele Gedanken gemacht. Es gab einen Architektenwettbewerb, denn er wollte eine Produktionsstätte, die zur Landschaft passt und in dem sich die Mitarbeiter wohl fühlen - eben „mehr als bloß eine Funktionsschachtel“. Das Gebäude soll nicht nur die Nutzungserwartung erfüllen, sondern auch eine identitätsstiftende Wirkung haben. Alle Beschäftigten, egal ob in der Verwaltung oder in der Produktion, haben freien Blick auf die im Moment schneebedeckte Limburg und den Aichelberg.

Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker eröffnet in ihrer Funktion als Stiftungsratsvorsitzende der Wilhelm-Narr-Stiftung den Reigen der Grußworte - die Firmen Ortlieb und Narr sind zwischenzeitlich eine Einheit. Mit Bedauern nimmt das Stadtoberhaupt den Wegzug zur Kenntnis. „Das ist der Wettbewerb, Zell machte das wirtschaftlich bessere Angebot“, sagt sie. Mit der Architektur des Gebäudes habe die Firma ein Ausrufezeichen gesetzt, Kunstwerke sorgen für die Akzente, und moderne Umweltstandards setzen eine weitere Marke. Seit 1992 gibt es die Wilhelm-Narr-Stiftung, die sich berufliche Bildung und Weiterbildung zum Ziel gesetzt hat. „Das war eine Zeit, in der noch nicht viele stiften gegangen sind“, erklärt Angelika Matt-Heidecker und lenkt den Blick auf den gesellschaftlichen Nutzen. Im Durchschnitt können jährlich 90 000 Euro an Stipendiaten vergeben werden. Einen kleinen Seitenhieb in Richtung Nachbarkreis kann sie sich dann doch nicht verkneifen. „Bis 1938 gehörte Zell zum Oberamt Kirchheim, erst danach kam die Gemeinde nach Göppingen - mehr möchte ich dazu nicht sagen“, erklärt sie und freut sich darüber, dass die Ausschüttung somit weiterhin im alten Oberamt Kirchheim erfolgt.

Über das „Zukunftsland Baden-Württemberg“ referiert Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg.

Info Ortlieb hat rund 80 Mitarbeiter und produziert Werkzeug- und Werkstückspannung sowie Antriebssysteme.

Eröffnungsfeier bei Fa. Ortlieb
Foto: Markus Brändli
Dr. Dieter Simpfendörfer.
Dr. Dieter Simpfendörfer. Foto: Markus Brändli
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