Weilheim und Umgebung

Asylbewerber haben Aufschub erreicht

Papiere Die zwei Auszubildenden im Weilheimer Seniorenheim Kalixtenberg hoffen auf Beschäftigung.

Wollen gerne weiter arbeiten: Endalk und Lamin.Foto: Markus Brändli
Wollen gerne weiter arbeiten: Endalk und Lamin.Foto: Markus Brändli

Weilheim. Darauf können die Ehrenamtlichen stolz sein: Ihr Engagement hat Früchte getragen. „Aufgrund dessen, dass für Endalk vom Regierungspräsidium Karlsruhe keine weiteren Möglichkeiten einer Passbeschaffung aufgezeigt werden können, wird ihm die Beschäftigung unter der Bedingung, dass er bei künftigen Passbeschaffungsbemühungen ausreichend mitwirkt, erlaubt werden“, teilte eben jene Behörde mit.

Über diese Nachricht des Regierungspräsidiums (RP) hat sich nicht nur Endalk gefreut. Uscha Raichle hat sich intensiv um die Belange des Asylbewerbers gekümmert, der im Haus Kalixtenberg in Weilheim eine Ausbildung zur Altenpfleger begonnen hat und in der ständigen Sorge lebt, abgeschoben zu werden (wir berichteten). Für seine Interessen eingestanden sind auch Marianne Gmelin vom AK Asyl in Kirchheim sowie die Landtagsabgeordneten Andreas Schwarz (Grüne) und Andreas Kenner (SPD). „Endalk hat eine vorläufige Arbeitserlaubnis erhalten, durch ein Schreiben an Innenminister Strobl mit der Bitte um Überprüfung, auch dank der Unterstützung der Abgeordneten“, sagt Uscha Raichle.

Fristverlängerung bis Mai

Das RP Karlsruhe gewährte auch Lamin, Kollege von Endalk, eine Fristverlängerung seiner Ausbildung bis Anfang Mai, um ihm nochmals Zeit zu geben, einen Identitätsnachweis vorzulegen. „Danach erhält er keine Fristverlängerung mehr“, ist sich Uscha Raichle der Brisanz der Entscheidung bewusst, denn zusätzlich gibt es den Vermerk, dass er jederzeit abgeschoben werden kann.

„Der Nachweis der Identität wird nicht möglich sein“, sagt sie. Der Vater von Lamin hat den Bürgermeister in Busumbala in Gambia aufgesucht und um eine Geburtsurkunde gebeten. Die Antwort: Er könne dies nicht tun, da sein Stempel bei der Polizei wäre. Deshalb müsse er zur Polizei, wenn er einen Nachweis für seinen Sohn möchte. „Um sich nicht zu gefährden, hat der Vater dies nicht getan, weil dort immer noch die Anhänger des alten Präsidenten Jammeh Dienst tun und der Vater von Lamin in der Opposition war und verfolgt wurde“, zeigt Uscha Raichle das Problem auf.

Auf ihr Drängen hat Lamin dann einem Freund geschrieben und um Unterstützung gebeten, weil die baden-württembergische Landesbehörde behauptet, es sei ein Leichtes, sich über Verwandte oder Freunde eine Geburtsurkunde beschaffen zu können. „Sogar die Großmutter von Lamin wird aufgeführt, dass sie sich um eine Geburtsurkunde für Lamin bemühen könnte“, so Uscha Raichle. Der Freund ging daraufhin zuerst zum Gesundheitsminister, der ihm mitteilte, er brauche ein Formular mit dem Stempel des Bürgermeisters, was der Freund auch tat. Dieser sei jedoch sehr ärgerlich geworden, als wieder jemand nach einer Geburtsurkunde für Lamin fragte. „Er drohte dem Freund, er würde die Polizei rufen, wenn er nicht gleich das Gelände beziehungsweise den Ort verlassen würde“, erzählt Uscha Raichle. Zudem habe der Freund erfahren: „Lamins case is even reopend by the police“ - Lamins Fall ist sogar von der Polizei wieder aufgenommen worden.

Ferner hat der Bürgermeister laut seiner Aussage die Stempel bei der Polizei, kann also nicht eigenmächtig reagieren. Von Gewaltenteilung kann daher nicht die Rede sein. „Unter diesen Umständen hatte der Freund natürlich nicht den Mut, jetzt auch noch zur Polizei zu gehen“, berichtet Uscha Raichle über die erfolglose Ausweis-Beschaffung.  Iris Häfner

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