Weilheim und Umgebung

Auf dem Wunschzettel stehen Angebote für Jung und Alt

Gemeindeentwicklung Holzmadener Bürger fordern ein tragfähiges Betreuungskonzept für Kinder und eine Geschwindigkeitskontrolle auf der Durchfahrtsstraße. Von Anke Kirsammer

Im Laden von Marianne Schempp in Holzmaden gibt es Lebensmittel und Backwaren. Wichtig ist den Bewohnern der Urweltgemeinde, das
Im Laden von Marianne Schempp in Holzmaden gibt es Lebensmittel und Backwaren. Wichtig ist den Bewohnern der Urweltgemeinde, dass sie weiterhin im Ort einkaufen können. Foto: Jean-Luc Jacques

Mehr Einwohner als anderswo haben sich in Holzmaden im Rahmen der Gemeindeentwicklung eingebracht. „Es waren jeweils rund 20 Bürger. Das ist respektabel“, sagte Bertram Roth von der LBBW Immobilien Kommunalentwicklung (KE) bei der Vorstellung der Ergebnisse. Kindergarten und Schule, Ortsmitte/Begegnungsmöglichkeiten sowie Seniorenwohnen/Miteinander leben, so lauteten die Themen. Weil sich beim Auftakt herauskristallisiert hatte, dass der Komplex Verkehr vielen Holzmadenern unter den Nägeln brennt, richtete die KE dazu eine gesonderte Arbeitsgruppe ein. Ähnlich wie im Gemeinderat, so wurde auch unter den Einwohnern das von der Planungsgruppe Kölz erstellte Parkierungskonzept kontrovers diskutiert. Skeptisch betrachten die Bürger die Idee, über ausgewiesene Parkplätze eine Verkehrsberuhigung auf der Durchfahrtsstraße zu bekommen. Sie monieren, dass das Konzept Gefahrenquellen nicht berücksichtigt und eine Lösung für die Ortsmitte fehlt. Tempo 30 in der Ortsdurchfahrt ja oder nein? Auch dazu gehen die Meinungen auseinander. Einmütig gefordert wird dagegen, die Geschwindigkeit zu kontrollieren.

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Einen großen Handlungsbedarf sehen auch die Teilnehmer der Arbeitsgruppe Kindergarten und Schule: Sie stufen zwar die Qualität in der Betreuung dank des engagierten Personals als außerordentlich hoch ein. Bemängelt wird aber, dass sich die Kindergärten räumlich und personell „am Anschlag“ befinden, die wachsende Nachfrage nach flexiblen Betreuungszeiten kein Gehör findet und ein tragfähiges Betreuungskonzepts fehlt. Der Umbau der Hausmeisterwohnung zu einer Krippe und die Einrichtung eines Naturkindergartens - inzwischen beschlossene Projekte - brächten kurzfristig Entlastung, könnten aber ein Konzept nicht ersetzen.

Das Zentrum stärken, die Grundversorgung dauerhaft sichern und Orte des gesellschaftlichen Zusammenlebens ergänzen - so lauten drei große Ziele der Arbeitsgruppe „Ortsmitte“ beziehungsweise „Begegnungsmöglichkeiten“. Die Teilnehmer loben den offen gestalteten Rathausplatz. Demgegenüber beanstanden sie die Aufenthaltsqualität am MaP-Platz. Wichtig sind ihnen der Erhalt und die Aufwertung des dörflichen Ortsbildes. Handlungsbedarf besteht gemäß der Arbeitsgruppe bei Treffpunkten und wegen der hohen Verkehrsbelastung. Zu den Wünschen zählt ein Mehrgenerationenhaus. Für unumgänglich halten die Bürger das Instrument einer Städtebauförderung.

Die Arbeit der Vereine rückt die Gruppe Seniorenwohnen/Miteinander leben in den Blick. Gewünscht wird eine engere Zusammenarbeit sowie die Wertschätzung durch die Gemeinde. Betreute Wohnungen, generationsübergreifende Freizeitangebote, die Gründung einer Seniorenwerkstatt und ein Einkaufsdienst stehen ebenso auf dem Wunschzettel.

Gemeinderat Dieter Fischer (FWV) interessierte sich dafür, ob diejenigen, die sich in den Arbeitsgruppen eingebracht hatten, einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung darstellen. „Planungswerkstätten sind nie repräsentativ“, erklärte Bertram Roth dazu. „Wir wollten qualitätvolle Diskussionen. Die hatten wir in allen Arbeitsgruppen.“

Der Prozess der Gemeindeentwicklung

Auf 100 Seiten hatte die Holzmadener Verwaltung der KE Anfang des Jahres benannt, welche Bereiche beackert werden können. Acht Themenblöcke wurden festgezurrt.

In einer Klausurtagung im Mai befasste sich der Gemeinderat damit, formulierte Ziele und Maßnahmen und benannte die Schwerpunkte, die mit den Bürgern diskutiert werden sollten.

Die gut besuchte Bürgerversammlung im Juli machte deutlich, dass das Thema Verkehr viele Holzmadener umtreibt.

In Arbeitsgruppen im Juli und im Oktober befassten sich die Bürger mit den Themen Kindergarten und Schule, Ortsmitte/Begegnungsmöglichkeiten, Seniorenwohnen/Miteinander leben und Verkehr.

Aufgabe der KE ist nun, zu sehen, ob es Übereinstimmungen gibt zwischen dem, was der Gemeinderat will und was die Vorstellungen der Bürger sind. Im Februar/März 2018 soll der Entwurf für ein Gemeindeentwicklungskonzept vorliegen. Der Gemeinderat wird sich mit den Vorschlägen und Anregungen auseinandersetzen und beschließen, welche Inhalte in das „Gemeindeentwicklungskonzept Holzmaden 2030“ übernommen werden.ank