Weilheim und Umgebung

„Aufpolierte Lieblingslieder“ begeistern das Publikum

Musik Die Urschwäbin Claudia Pohel sang humoristische Mundart-Stücke in der Weilheimer Bibliothek.

Losgelöst und mit sich im Reinen.Foto: Sabine Ackermann
Losgelöst und mit sich im Reinen.Foto: Sabine Ackermann

Weilheim. Claudia Pohel macht im kommenden Jahr Bekanntschaft mit der magischen Zahl 30: 2019 feiert die Urschwäbin mit Wurzeln in Wiesensteig ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum, und dennoch scheint es so, als habe sie als Teenager mit dem Singen angefangen. Rappelvoll ist es in der jüngst als „Ausgezeichnete Bibliothek“ zertifizierten Stadtbücherei Weilheim. Man kennt sich, man mag sich und man genießt gemeinsam die schöne Wohnzimmeratmosphäre in dem 453 Jahre alten Gebäude.

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„Woisch no, der Duft der abgemähten Felder“, erinnert sie in ihrem melancholischen Rückblick „Bald isch Dezember“ an vergangene Septembertage, in denen das Licht golden und die Luft noch warm war. „Man muss halt gucka, des lernt man uff dr Alb“, verrät die Liedpoetin in ihrer unverwechselbaren Art. Mitgebracht hat sie „aufpolierte Lieblingslieder“ sowie „neu Geschriebenes“ - ein Mischprogramm aus Jazz-Folk-Schwäbisch. „Mir spielet des, je nachdem wie mir gucket“, scherzt sie und bindet wie selbstverständlich ihr Gegenüber mit ein.

Fragile Zerbrechlichkeit

Doch die Zuschauer verraten keineswegs, wonach ihnen der Sinn steht. Es beschränkt sich darauf, jeden Ton „seiner“ Claudia zu genießen. Konzentriert folgen sie den ruhigen Stücken oder lassen ihrer Freude bei Humorigem freien Lauf. „Falling leaves“, Julie London habe sie einst mit ihrer samtweichen Jazzstimme geimpft und aus den fallenden Blättern hat die experimentierfreudige Liedermacherin ihr ureigenes Ding gemacht.

Wie losgelöst schließt sie besonders bei den tiefgründigen Stücken die Augen. „Was wird nur aus uns werden, wenn wir so arglos bleiben, ein Heer von Hammelherden und die - die lässt sich treiben“, ein Text, der leider dem heutigen Zeitgeist entspricht. Laut, leise, hoch, tief, kraftvoll-tragend, um dann wieder samtweich in ihre fragile Zerbrechlichkeit zu sinken. Wie ein schillernder Kolibri flattert die Künstlerin von einem Genre zum anderen - kitzelt mit spontan erzählten Alltagssituationen die Lachnerven oder verzaubert mit ihrer Stimme im besten Französisch, Englisch oder Schwäbisch. Im stetigen Wechselspiel von Brille, Gitarre und Harfe - hält sie auch mit ihren „Forderungen“ nicht hinterm Berg. „Bitte jetzt koine Fotos machen, des sieht so a‘gstrengt aus“, flachst sie und hievt das über 30 Kilo schwere Zupfinstrument mit entsprechender Mimik auf die „Kapuzinerbühne“.

Manche ihrer Strophen habe sie erst heute Morgen geschrieben, „muss i no ablesa“, verrät die 54-Jährige und spricht angesichts dieser grausamen Geräuschbelästigung vielen aus der Seele. „Alle föhnet se de Wald, wenn vom Baum a Blättle fallt. Des isch koiner mit Verstand, der den Laubbläser erfand“, erwähnt sie in ihrem „sehr langen Lied“ noch weitere Störenfriede. Ein kurzweiliger Abend mit, wie sie sagt, „Sammelsurien aus vielen Jahren - von denen man kein Stück missen wollte. Sabine Ackermann