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Jubiläum Für die Zukunft gerüstet: Die Süßener Kunstgießerei Strassacker, ein Familienunternehmen in vierter Generation, feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Von Joa Schmid

Der Brunnen „großer Abwasch“ vom Künstler Timm Ulrichs vor dem Haus Kassel am Kurpark von Bad Nenndorf stammt ebenfalls aus dem
Der Brunnen „großer Abwasch“ vom Künstler Timm Ulrichs vor dem Haus Kassel am Kurpark von Bad Nenndorf stammt - ebenso wie die anderen Abbildungen - aus dem Hause der Kunstgießerei Strassacker. Fotos: pr

Über mangelnde Schlagzeilen braucht sich die Süßener Kunstgießerei Strassacker, die dieses Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert, nicht zu beklagen. Nicht nur weil der bekannteste Fernsehpreis ohne das Bambi aus Süßen undenkbar wäre, auch die größte Pferdeskulptur der Welt in Miami und der gigantische Bronzefuß von Uwe Seeler vor dem Hamburger Volksparkstadion sind Gegenstand weltweiter Berichte.

Als eine der führenden Manufakturen im Bereich Kunstguss beschäftigt Strassacker 350 Mitarbeiter und agiert international mit einer Niederlassung in Frank­reich und Repräsentanten in der Schweiz, Österreich, Benelux, USA und Saudi Arabien. „Wir haben Anfragen für weitere Projektes dieser Art, dürfen aber darüber nichts sagen“, berichtet Edith Strassacker, seit 18 Jahren Geschäftsführerin des Familienbetriebs in vierter Generation. Das Süßener Unternehmen hat mehrere Standbeine. „Wir bedienen aktuell drei Geschäftsfelder“, sagt die Firmenchefin. „Das ist die Kunst für Bildhauer und Architekten, bei der wir deren Dienstleister sind.“ Zudem habe man die Kunsteditionen. Doch das macht nur 30 Prozent des Umsatzes aus. „Mehr als 70 Prozent machen wir mit sakraler Kunst“, erklärt Edith Strassacker. Dabei arbeitet die Firma eng mit Steinmetzen in ganz Deutschland, Europa und den USA zusammen. Weit über das Tagesgeschäft hinaus setzt man sich mit dem gesellschaftlichen Wandel der Bestattungskultur auseinander. Darauf ist die Firmenchefin besonders stolz. Forschungsprojekte mit der Universität Passau und dem Zukunftsinstitut Matthias Horx über die Bedeutung des Ortes für die Trauerbewältigung bringen neue Erkenntnisse zutage. „Sie können entscheidende Impulse für die zukünftige Entwicklung der Friedhöfe setzen.“ Davon ist man im Hause Strassacker überzeugt.

Nicht weniger wichtig ist die Kunst. Im Bereich der „Manufaktur“ ist die Kunstgießerei spezialisiert auf kunsthandwerkliche Individualfertigung von Skulpturen, ästhetischen Objekten und Architekturelementen. „Künstler aus aller Welt finden hier nahezu ideale Arbeitsbedingungen“, sagt die Urenkelin des Firmengründers. Die Gießerei mit ihren unterschiedlichen Gussverfahren sowie die Ateliers und Werkstätten machen es möglich. Jahrtausendealtes Kunsthandwerk und klassische Bildhauerei treffen am Stammsitz in Süßen auf moderne Technik der Metallbearbeitung. Modelle für den Bronzeguss werden mittlerweile im 3D-Druck hergestellt. Der künstlerischen Freiheit sind kaum Grenzen gesetzt.

Süßen Fa. Strassacker Galerie Galerie-Shop

Das dritte Geschäftsfeld, die „Edition Strassacker“, liefert Kunstliebhabern und -sammlern limitierte Skulpturen für Heim und Garten in allen Stilrichtungen und Genres. Für Edith Strassacker, die sich der Familientradition und -philosophie verpflichtet fühlt, ist die Weiterentwicklung der Firma noch nicht abgeschlossen: „Wir sind dankbar, unser 100-jähriges Bestehen in diesem Jahr feiern zu können.“

4.1.1

Nach der Umstrukturierung sehe man sich für die Zukunft gut gerüstet. Sie war notwendig, weil das Unternehmen im Jahr 2016 in eine tiefe Krise geschlittert ist. Der Auftrag für die Bronzefenster und -tore für die Al-Haram-Moschee in Mekka habe die Firma über Jahre so stark in Anspruch genommen, dass man die eigentlich schon länger fällige Umstrukturierung des Unternehmens zu lange hinausgeschoben habe, erinnert sich die Chefin. „Die einzige Möglichkeit, die Firma zu retten, bestand darin, die Zahl der Mitarbeiter zu verringern.“ Ein Drittel der Belegschaft wurde abgebaut, rund 120 Arbeitsplätze fielen weg. „Wir waren zu lohnintensiv“, betont die Geschäftsführerin. Viele der Strassacker-Produkte entstünden in Handarbeit, gleichzeitig bezahle man den Metalltarif wie Daimler, Porsche und andere namhafte Firmen, begründet die Chefin den Schritt.

Inzwischen ist die Krise überstanden, und Edith Strassacker kann wieder zuversichtlich in die Zukunft sehen. Dafür sprechen auch die zahlreichen Jubiläumsfeierlichkeiten. Mit der Belegschaft wurde der 100. Geburtstag bereits gefeiert. Für die Kunden der „Sakralen Kunst“ wurden Infotage veranstaltet, an denen die Produktion sowie Zukunftsprojekte der Firma, Neuheiten und auch die Historie präsentiert wurden. Im Frühjahr 2020 sollen dann die Künstler, Liebhaber der Kunst und auch die Öffentlichkeit auf ihre Kosten kommen.

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