Weilheim und Umgebung

Bahn frei für die Ganztagsschule

Anmeldezahlen sichern Start des neuen Angebots in Ohmden – Schulleitung beklagt Platzmangel

32 Anmeldungen sind ins Haus geflattert. Damit ist die letzte Hürde auf dem Weg zur Ganztags-Grundschule in Ohmden genommen. Überwältigt ist Schulleiterin Gabriele Seitz vom Engagement der Vereine für das Projekt. Auf der anderen Seite fühlt sie sich vom Gemeinderat allein gelassen – mit einer Baustelle und Raumproblemen.

Seit einem Jahr Baustelle: Die Lernwerkstatt in der Ohmdener Schule kann nur eingeschränkt genutzt werden. Ändern wird sich das
Seit einem Jahr Baustelle: Die Lernwerkstatt in der Ohmdener Schule kann nur eingeschränkt genutzt werden. Ändern wird sich das voraussichtlich erst im kommenden Jahr. Foto: Carsten Riedl

Ohmden. Die Bahn ist frei für den Start der Ganztagsschule in Ohmden: „Es haben sich 32 Kinder verbindlich angemeldet – mehr als erwartet“, freut sich Schulleiterin Gabriele Seitz. Positiv bewertet sie auch, dass mit 28 Kindern der Großteil über Mittag in der Schule bleibt. „Jetzt müssen wir mit guter pädagogischer Arbeit und gutem Bildungs- und Freizeitprogramm überzeugen“, so Seitz. „Die hohen Anmeldezahlen zeigen, dass es Bedarf gibt“, sagt Ohmdens Bürgermeister Martin Funk. Darüber hinaus habe auch das gute Konzept Eltern und Kinder überzeugt. Offiziell vom Land genehmigt worden war das Vorhaben Ende Februar – allerdings unter der Voraussetzung, dass mindestens 25 Kinder am Ganztag teilnehmen.

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Die Vorfreude ist jedoch nicht ungetrübt: „Wir haben schon im Normalbetrieb ein absolutes Platzproblem“, gibt Gabriele Seitz zu bedenken. Das sei nun umso drängender, weil mit der Ganztagsschule mehr Platz benötigt wird – für neue Angebote, Gruppenarbeit, aber auch Teambesprechungen. Dazu kommt die Baustelle in der Lernwerkstatt. „Seit einem Jahr fehlt unser größter Raum und das Kernstück unserer Schule“, sagt die Schulleiterin. Nachdem ein Statiker Absackungen und Wölbungen in der Wand festgestellt hatte, waren innen und außen Stützen an dem alten Gebäude angebracht worden – die bis heute stehen.

„Es ist fest eingeplant, die Schule zu sanieren“, betont Bürgermeister Martin Funk. Bei voraussichtlichen Kosten von 600 000 Euro sei das finanzschwache Ohmden jedoch auf Zuschüsse des Landes angewiesen. „Der Antrag ist gestellt, aber wir warten noch auf Rückmeldung“, so Funk. Bis dahin dürfe die Kommune nicht einmal ausschreiben. Vorgesehen ist die Generalsanierung fürs kommende Jahr. „Wir wollen die Schule auf den neusten Stand bringen“, kündigt Martin Funk an. Standsicherheit sei dabei ebenso ein Thema wie Brandschutz, Sanitäranlagen und Beleuchtung.

Was nicht kommen wird, ist eine Aufstockung des Schulhauses. Das war ein großer Wunsch der Schule gewesen, die auch entsprechende Pläne vorgelegt hatte. „Der Gemeinderat hat das aus finanziellen Gründen abgelehnt“, so Funk. 200 000 Euro zusätzlich hätte es gekostet, auf diese Weise ein neues Zimmer zu schaffen.

„Da hat man die Chance verpasst, die Schule auf ein gutes Fundament für die Zukunft zustellen“, bedauert Gabriele Seitz. Vom Gemeinderat fühlt sie sich nicht ernst genommen und mit dem Platzproblem alleine gelassen. „Wir haben keinen Besprechungsraum“, sagt sie. Auch gebe es kaum Möglichkeiten, sich zu Gruppenarbeiten zurückzuziehen, ungestört mit Eltern zu sprechen oder einen ruhigen Ort für inklusive Beschulung zu finden: „Zurzeit müssen die Schulsekretärin und ich immer unser kleines Büro räumen“, schildert sie die Situation.

So sehr sie auch bedauert, dass es keine große Lösung geben kann – sie hätte sich von der Kommune wenigstens den Ausbau eines Kellerraums gewünscht, um dort die Lehrmittel lagern zu können. „Das hätte man im laufenden Betrieb ohne Zuschüsse bewerkstelligen können, und es wäre ein positives Signal an uns gewesen.“ Aber auch da gab es vorerst eine Absage. „Wir warten ab, ob die Zuschüsse bewilligt werden“, so Martin Funk.

Nun sind Schulleiterin und Kollegium selbst aktiv geworden: „Wir lösen den Lehrmittelraum auf und richten ihn als Bücherei, Ruheraum und Zimmer für Elterngespräche her“, berichtet Gabriele Seitz. Damit gebe es zwar wieder einen Raum weniger für die Lehrer und keinen Lehrmittelraum mehr, sichere aber einen guten Start der Ganztagsschule.

Ohnehin verlaufen die inhaltlichen Vorbereitungen aus Sicht der Schulleiterin rundum erfreulich. Während andere Kommunen händeringend nach Kooperationspartnern für den Ganztag suchen, kann sich die Ohmdener Schule kaum vor Angeboten retten. „Das Interesse der Vereine ist bombastisch, und die Kommunikation klappt sehr gut – da kommt der Faktor Dorf zum Tragen“, lobt Gabriele Seitz. Ob Golf, Tischtennis, Ballsport, Videoclip-Dancing oder Zirkus – es gibt jede Menge Ideen. „Die Musikschule Kirchheim möchte ihr bestehendes Chorprojekt um die Komponente Schauspiel erweitern“, verrät Gabriele Seitz, und die Landfrauen haben angeboten, mit den Kindern zu kochen. Auch Kreatives, Arbeiten im Schulgarten und Naturerkundungen sollen für Ganztagskinder an der Tagesordnung sein – ebenso wie Zeit für Freispiel.