Weilheim und Umgebung

Bauern als Sündenböcke?

Kommentar von Thomas Krytzner

Landwirte der Region kämpfen für mehr Respekt. Aus diesem Grund versammelten sich am Sonntag über 250 Traktoren auf der Kirchhei
Landwirte der Region kämpfen für mehr Respekt. Aus diesem Grund versammelten sich am Sonntag über 250 Traktoren auf der Kirchheimer Hahnweide, um dann zur Sternfahrt nach Uhingen und Berlin aufzubrechen. Foto: Thomas Krytzner

Kommentar. Alle Welt spricht vom Insektensterben. Der Sündenbock ist schnell gefunden: Die Bauern sind schuld. Vor allem, wenn sie mit den großen Spritzanhängern und Güllefässern auf ihren Äckern unterwegs sind. Nur selten hinterfragt man die Notwendigkeit des Chemieeinsatzes der Landwirte, und noch weniger überlegt man, ob es andere Gründe für das Insektensterben gibt.

Ja, auch der Klimawandel sorgt für den Rückgang der Insekten. Dazu kommen die Häuslesbauer, die immer mehr auf natürliche Gärten verzichten und lieber einen Steingarten anlegen. Die Beleuchtung an vielen Gebäude in der Nacht sorgt ebenfalls dafür, dass die kleinen Tiere sterben. Gelb leuchtende Rapsfelder gibt es kaum noch, dafür wird immer mehr Mais angebaut. Schnell rücken da die Landwirte wiederum ins Visier. „Monokulturen schmälern die Artenvielfalt und stören die Biodiversität“, heißt es. Dass sich die Landwirte aber dem Markt anpassen müssen, weil Raps weltweit immer mehr durch Soja ersetzt wird, weiß kaum ein Verbraucher. Der plant vielmehr seinen Wocheneinkauf anhand der Prospekte - der güns­tige Preis ist entscheidend, vor allem jetzt, wo Weihnachten immer näher rückt.

Schnell sind da die Landwirte in der Region vergessen, die sich an sieben Tagen in der Woche um ihr Vieh kümmern. Viel lieber nimmt man in Kauf, dass Filets und Steaks zum Teil über Tausende Kilometer nach Deutschland eingeflogen werden. Die dadurch entstandenen Emissionen - die ja auch zum Klimawandel und so zum Insektensterben beitragen - werden da gerne mal unter den Teppich gekehrt.

Es ist Zeit für eine Abkehr vom Billighandel! Viel mehr sollten die Landwirte in der Region beim Einkaufen berücksichtigt werden. Dadurch stärkt man den Bauern vor Ort den Rücken, und dabei schließt sich der Kreis: Wer regionale Produkte einkauft, trägt nebenbei auch noch zum Schutz der Umwelt und damit gegen das Insektensterben bei. Der Einkauf auf dem Bauernhof ist zudem ein naturnahes Erlebnis für die ganze Familie, und vielleicht wird dabei klar, dass der Fingerzeig auf die Landwirte der falsche Ansatz ist. Es sollte sich vielmehr jeder Einzelne an die Nase fassen.

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