Weilheim und Umgebung

Beim Sport soll niemand frieren

Gemeindepolitik In Holzmaden wird 2019 in die Sport- und Gemeindehalle und den Breitbandausbau investiert. Zum Glück sind die Kassen gut gefüllt. Von Thomas Zapp

Um diese Halle und die drei Tore zum Geräteraum ging es im Holzmadener Gemeinderat. Foto: Jean-Luc Jacques
Um diese Halle und die drei Tore zum Geräteraum ging es im Holzmadener Gemeinderat. Foto: Jean-Luc Jacques

Zu den beiden Dauerbrennern der Gemeindepolitik in Holzmaden gehören derzeit die Sanierung der Gemeindehalle und der geplante Beitritt zum „Zweckverband Breitbandversorgung“. Sie haben auch die jüngste Gemeinderatssitzung dominiert und beeinflussen den Haushalt 2019, der ebenfalls vorgestellt worden ist.

In beiden Fällen geht es um hohe Ausgaben, daher hat Bürgermeisterin Susanne Irion Experten eingeladen, um Einsparmöglichkeiten zu erläutern. Die Probleme in der Anfang der 80er-Jahre erbauten Gemeindehalle sind vielfältig. Da ist zum einen die sanierungsbedürftige Lüftungsanlage mitsamt dazugehöriger Regler. Die Kosten für eine neue Anlage belaufen sich auf 244 000 Euro. Ulrich Hagmann vom Planungsbüro H&H erläuterte die Maßnahmen. Die Gemeinderäte wollten von ihm wissen, ob es Sinn macht, vor der geplanten Gesamtsanierung 2020 die Lüftung zu erneuern, wenn danach alles wieder geändert werden müsste. Zumal die Zeit knapp ist, für das laufende Jahr ein vernünftiges Angebot einzuholen. Hagmann warnt jedoch, dass die bestehende Anlage jederzeit kaputtgehen kann.

ie Versammlung einigte sich darauf, die Ausschreibung freizugeben und das Büro für die Vergabe der Gewerke zu ermächtigen. Susanne Irion schätzt, dass die Ausschreibung bis Mitte April abgeschlossen werden kann. Dann muss der Gemeinderat die Freigabe erteilen. „Dazu muss die Frage geklärt werden, ob die Arbeiten vor Oktober abgeschlossen werden können“, erklärt die Rathauschefin. Der Grund: Im Winter muss die Anlage wieder laufen, denn über sie wird die Heizluft im Gebäude verteilt. Frieren sollen Holzmadener Sportler nicht.

Die Handwerksbetriebe sind mehr als ausgelastet, das macht eine effektive Planung für Reparaturen an der Gemeinde- und Sporthalle umso notwendiger. So einigten sich die Holzmadener Gemeindevertreter bei der Erneuerung der Tore zum Geräteraum auf eine „kleine Lösung“. Statt drei neue Tore einzusetzen, wie ursprünglich geplant, wird vorerst nur das defekte Tor ausgetauscht. Eigentlich müssten es nach neuesten Sicherheitsvorschriften alle drei sein, aber wieder muss man die Sanierung 2020 in Betracht ziehen. „Es ist unmöglich zu wissen, welche Struktur die Wand haben wird“, gab Rainer Stephan (HBL) zu bedenken. Folglich ist es auch zum jetzigen Zeitpunkt nicht sinnvoll, sich auf eine Verschalung der Tore zu einigen. Sie sollen später auch zur neuen Wand passen, also wird nur ein Tor erneuert. Dadurch spart die Gemeinde mehrere Tausend Euro und es tut nicht ganz so weh, wenn es bei einer Kernsanierung wieder ausgetauscht werden muss.

Dass die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften eine Zeit lang warten muss - die Lücke zwischen Boden und Torabschluss ist zu hoch - nimmt die Bürgermeisterin in Kauf. „Im Zweifel bin ja ich verantwortlich“, sagte sie lächelnd. Die Gemeinderäte stimmten zu.

Lange diskutiert wurde der Beitritt zum Zweckverband Breitbandversorgung Esslingen. Der ist zwar schon im Juli vergangenen Jahres beschlossen worden, allerdings unter der Prämisse, dass die Telekom das Netz in Holzmaden auf eigene Kosten ausbaut, weil Holzmaden als „Modellkommune für den Breitbandausbau“ gelten soll. Der Konzern hat sein Angebot allerdings zurückgezogen. Dafür gibt es mit der NetCom BW, einer Tochter des Energieversorgers EnBW, einen neuen Partner. Thorsten Sager-Roßbroich von der Breitbandberatung Baden-Württemberg brach dann auch eine Lanze für den Beitritt zum Zweckverband, der momentan noch nicht existiert. Die Kosten von 2 383 Euro pro Jahr seien gut angelegt. Allein deshalb, weil man in der Gemeinschaft mit 1,2 Millionen Menschen eine bessere Verhandlungsposition gegenüber Konzernen habe, als wenn man als kleine Gemeinde agiert.

„Der Nutzen des Zweckverbands wird sich erst langfristig zeigen“, sagt Susanne Irion. Aber wer jetzt nicht dabei ist, wird es später schwer haben, aufgenommen zu werden, glaubt Thorsten Sager-Roßbroich. Der Gemeinderat stimmte dafür. Für den kommenden Haushalt wird der Breitbandausbau mit zwei Millionen Euro als größter Investitionsposten zu Buche schlagen.

Die Eckpunkte des Holzmadener Haushalts 2019

Mit einem erwarteten Plus von 50 000 Euro bei der Grundsteuer und 1,9 statt 1,65 Millionen Euro aus der Gewerbesteuer gegenüber 2018 werden die Einnahmen steigen. Dennoch wird für das Haushaltsjahr 2019 mit einem negativen Ergebnis gerechnet.

Allein zwei Millionen Euro sind für den Ausbau der Breitbandversorgung vorgesehen, mit vorerst 100 000 Euro nimmt sich die Gemeindehalle noch relativ bescheiden aus, zumal die Sanierung der Teckstraße mit 650 000 und die Abwasserentsorgung mit 316 000 Euro stärker zu Buche schlagen.

Die Aufwendungen steigen ebenfalls, unter anderem bekommt die Kirche mehr Zuschüsse, auch weil ein neuer Kindergarten gegründet wurde.zap

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