Weilheim und Umgebung

Bibeln zum Staunen und Anfassen

Ausstellung Auf dem Zeitstrahl geht‘s durch die Jahrhunderte: In der Peterskirche in Weilheim können Interessierte noch bis zum 31. Oktober die Geschichte und Entwicklung der Lutherbibel miterleben. Von Clara Schillinger

Dr. Hartmut Frei erklärt historische Ausstellungsstücke.Foto: Carsten Riedl
Dr. Hartmut Frei erklärt historische Ausstellungsstücke. Foto: Carsten Riedl

Bibeln zum Greifen und Begreifen lautet das Konzept einer achttägigen Ausstellung. Sie findet derzeit in der Weilheimer Peterskirche statt unter der Leitung von Pfarrer Matthias Hennig und Dr. Hartmut Frei. Ein begehbarer Zeitstrahl führt durch das Kirchenschiff. Er bietet bis Dienstag, 31. Oktober, einen Überblick, wie sich in 500 Jahren die Bibelausgaben in der deutschen Übersetzung nach Martin Luther entwickelt haben.

30 originale Werke demonstrieren den Besuchern die Veränderung der Bibel. Den Anfang macht das Neue Testament von 1517. „Die Bibel ist das Buch der Sprachen“, erläuterte Hartmut Frei in einem Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung. Die Bibel wurde in über 500 Sprachen übersetzt. Die deutsche Übersetzung gliedert sich wiederum in rund 50 Varianten, etwa die katholische, evangelische oder auch freikirchliche. „Die Ausstellung zeigt nur Lutherbibeln in Deutsch“, erläuterte Frei. „Sie unterscheiden sich in Alter, Größe, Inhalt, Beigaben und Revisionen, also Luthertexten, die anhand neuer Erkenntnisse überarbeitet wurden.“ Die vollständige Übersetzung der Bibel aus den sogenannten Ursprachen Hebräisch und Griechisch ins Deutsche dauerte ganze zwölf Jahre. Mit dem Thesenanschlag 1517 wollte Martin Luther auf Missstände in der Kirche hinweisen und diese reformieren. Sein Ziel, die Bibel für jeden zugänglich zu machen, erfüllte er sich mit seiner Übersetzung. An ihrer Verbesserung arbeitete er bis zu seinem Tod im Jahr 1546.

Die Ausstellung widmet sich vor allem der Weiterentwicklung der Bibel nach dem Tod des Theologen. Über die Jahrhunderte wurden zahlreiche Veränderungen am ursprünglichen Text vorgenommen. So wurden Worte ersetzt, Kommentare eingefügt oder die Rechtschreibung entsprechend der Zeit geändert.

Die erste Revision war 1892 mit dem Erscheinen der ersten kirchenamtlichen Lutherbibel beendet. Es folgten weitere, in denen man sich „stückweise immer weiter von der eigentlichen Lutherbibel entfernte“, erklärte Frei und ergänzte: „Die aktuelle Revision von 2017 macht Schluss mit dem Versuch, die Lutherbibel weiter zu modernisieren, und ist Teil einer Strömung in entgegengesetzter Richtung zum eigentlichen Luthertext.“

Doch welche Übersetzung ist jetzt die richtige? Für Frei hat jede ihre Berechtigung. „Ich sehe in den verschiedenen Ausgaben keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung, denn der Prozess der Übersetzung ist immer auch eine Sache der Auslegung und Interpretation.“

Der Satz „sola scriptura“, auf Deutsch „allein durch die Schrift“, wird Martin Luther zugeschrieben. Er spricht der Bibel die alleinige Autorität in Glaubensfragen zu. Heute, 500 Jahre später, wird dieser Ausspruch anders interpretiert. Frei warnte davor, die heilige Schrift wörtlich zu nehmen: „Nur durch kritische Reflexion ist es im Christentum möglich, den Missbrauch der Bibel zu verringern.“

Info Die Bibelausstellung in der Weilheimer Peterskirche ist vor und nach den Gottesdiensten zu besichtigen sowie heute und morgen von 10.30 bis 12 und 15 bis 17 Uhr, am Samstag von 10 bis 13 Uhr, am Sonntag von 11 bis 16 Uhr, am Montag von 15 bis 18 Uhr und am Dienstag, 31. Oktober, von 11 bis 17.30 Uhr. Am Dienstag hält außerdem um 16 Uhr Dr. Hartmut Frei erneut seinen Vortrag.

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