Weilheim und Umgebung

Biker nicht über einen Kamm scheren

Lärm Der Weilheimer Gemeinderat hat kontrovers über den Beitritt zur „Initiative Motorradlärm“ diskutiert. Von Bianca Lütz-Holoch

Die meisten Motorradfahrer beachten die Regeln - aber es gibt auch schwarze Schafe. Foto: Daniela Haußmann
Die meisten Motorradfahrer beachten die Regeln - aber es gibt auch schwarze Schafe. Foto: Daniela Haußmann

Die Stadt Weilheim tritt der „Initiative Motorradlärm“ bei. Allerdings ist es bei der Abstimmung im Gemeinderat knapp zugegangen. Einige Stadträte wollten Motorradfahrer nicht pauschal als rücksichtslose Lärmverursacher angeprangert sehen und verweigerten ihre Zustimmung.

„Immer wieder beschweren sich Bürger bei uns wegen Motorradlärm“, berichtete Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle. So manchen Biker verlocke die landschaftlich reizvolle Gegend rund um die Limburg dazu, den Gashahn etwas zu weit aufzudrehen. Besonders attraktiv für Motorradfahrer ist die Hepsisauer Steige. Aber auch andernorts in Weilheim häufen sich Klagen von geplagten Anwohnern. Der Rathauschef warb deshalb dafür, der „Initiative Motorradlärm“ beizutreten. In ihr haben sich das Land, Landkreise, Städte und Gemeinden zusammengeschlossen, um gegen Lärm zu kämpfen, den Biker verursachen.

FWV-Stadtrat Dr. Hansjörg Egerer machte keinen Hehl daraus, dass ihm die Initiative gewaltig gegen den Strich geht. „Ich habe ein Problem damit“, bekannte er. Zwar sei ihm bewusst, dass es unter den Motorradfahrern schwarze Schafe gebe. „Aber eine freiheitliche, demokratische Gesellschaft darf es nicht zulassen, dass eine einzelne Bevölkerungsgruppe an den Pranger gestellt wird“, sagte er. Viel wichtiger sei es, existierende Vorschriften und Verbote auch zu überwachen. Mit dieser Meinung stand er keineswegs alleine da. Auch Rainer Bauer (UWV) hielt es für falsch, alle Motorradfahrer über einen Kamm zu scheren. Hartmut Hummel bezeichnete den Forderungskatalog als „unverschämt“.

Bernd Kautter (UWV) dagegen sprach sich für die Maßnahme aus. „Es gibt viele stark belästigte Anwohner“, sagte er. Es gelte, die Verursacher zu finden und ihnen klarzumachen, dass sie „nicht alleine auf der Welt sind“. Auch Hans-Peter Sindlinger (BDF) wies darauf hin, dass Motorradfahrer immer wieder negativ auffallen. „Da muss man ein Zeichen setzen“, sagte er.

„Schade, dass die Initiative nur auf Motorradlärm abzielt“, bedauerte Gerda Schrägle (SBV). Den Beitritt zur Initiative hält sie jedoch für richtig: „Die Bürger müssen sich dem Lärm von ein paar Verkehrsteilnehmern nicht beugen.“ Ilse Fischer (BDF) wies ebenfalls darauf hin, dass nicht nur von Motorrädern, sondern auch von Autos eine immense Lärmbelästigung ausgehe. „Dagegen vorzugehen ist aber wahrscheinlich nicht so populär“, mutmaßte sie. Martin Pfauth (SBV) gab zu bedenken, dass der Beitritt ein wichtiger symbolischer Akt sei. „Sie soll der Forderung, Rücksicht zu nehmen, Nachdruck verleihen.“ Sein Fraktionskollege Dr. Ulrich Mors wies darauf hin, dass Lärm auch krank machen kann.

„Es geht um Lärm insgesamt - also auch um Autolärm“, gab Weilheims Ordnungsamtsleiter Helmut Burkhardt zu bedenken. Ziel der Initiative sei es, das Problem an der Wurzel zu packen. „Hersteller sollen laute Auspuffanlagen gar nicht produzieren dürfen, ganz egal, ob für Autos oder Motorräder.“

Leisere Maschinen und leiseres Fahren gefordert

Gegründet wurde die „Initiative Motorradlärm“ im Juli 2019 vom Land und 29 Kommunen. Die Zahl der Mitglieder ist mittlerweile auf 124 gewachsen.

Ihr Ziel ist es, dass Motorräder leiser werden und leiser gefahren werden. Zudem soll rücksichtsloses Fahren deutliche Folgen haben. Konkret geht es etwa um Zulassungsregeln, Vorgaben für Hersteller, härtere Strafen für Raser und die Einführung von Halterhaftung und Fahrtenbüchern. bil

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