Weilheim und Umgebung

Bissingen zieht eine Ärztin an Land

Entwicklung In der Ortsmitte der Seegemeinde entsteht ein Neubau mit Hausarztpraxis, Apotheke und barrierefreien Wohnungen. Dr. Andrea Schieber aus Kirchheim wird die Praxisräume übernehmen. Von Heike Siegemund

So soll die neue Ortsmitte Bissingens gestaltet werden. Foto: Carsten Riedl / Visualisierung: Wohnbau Birkenmaier
So soll die neue Ortsmitte Bissingens gestaltet werden. Foto: Carsten Riedl / Visualisierung: Wohnbau Birkenmaier

Im Frühsommer waren an der Vorderen Straße 51/53 in Bissingen die Abrissbagger angerückt. Seither klafft an dieser Stelle neben Kirche, Rathaus und ehemaligem „Ochsen“ eine Lücke, und viele fragen sich: Was passiert auf diesem Grundstück? „Es vergeht kaum ein Tag, an dem sich nicht jemand meldet und nachfragt“, erzählt Bürgermeister Marcel Musolf.

Nicht ohne Stolz ließ der Rathauschef jetzt die Katze aus dem Sack: Auf dieser Fläche „am Tor zum Ortskern“, die die Gemeinde 2015 erworben hatte, baut die Dettinger Firma „Wohnbau Birkenmaier“ ein Gebäude mit barrierefreien Wohnungen sowie mit Hausarztpraxis und Apotheke. Dazu verkauft die Gemeinde das Grundstück an den Investor, der in Kürze das Baugesuch einreichen wird. Der Baubeginn ist für Sommer 2019 geplant, die Fertigstellung bis Ende 2020.

Am Dienstagabend wurde der Gemeinderat über die Details zu dem Vorhaben informiert, das im Rahmen der Ortskernsanierung III realisiert wird und das für die Bissinger Bürger durchaus von großer Bedeutung ist. „Wir haben das Ziel, unseren Ortskern zu stärken und für Jung und Alt attraktiv zu gestalten“, betont Musolf. „Und wir wollen vom Einkauf bis zum Arztbesuch alles absichern“ - und das nicht in Randlage, sondern in der Ortsmitte, sodass Bäckerei, Metzgerei, Bank, Postfiliale, Apotheke und Hausarzt sowie Kirche und Gemeindehaus fußläufig zu erreichen seien. „Dass sich die Dinge nun so fügen, ist aber nicht vom Himmel gefallen“, fügt der Bürgermeister hinzu. „Es ist der Verdienst aller Anstrengungen.“

Kirchheimerin folgt nach

In Zeiten, in denen es die meisten Mediziner in die Städte zieht und eine Hausarztpraxis auf dem Land unattraktiv erscheint, ist es Bissingen gelungen, eine Ärztin zu gewinnen: Dr. Andrea Schieber aus Kirchheim wird die Praxisräume in dem Neubau an der Vorderen Straße übernehmen. Die 45-Jährige praktiziert seit mehr als zehn Jahren als angestellte Internistin im hausärztlichen Sektor, aktuell in einer Hausarztpraxis in Stuttgart. Im Frühjahr 2019 tritt sie - noch vorbehaltlich der Genehmigung der Sitzübernahme durch die kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg - die Nachfolge des bisherigen Bissinger Hausarztes Günter Brodbeck an, der das Rentenalter erreicht hat. Zunächst empfängt sie die Patienten in den bestehenden Praxisräumen an der Silcherstraße; sobald der Neubau fertiggestellt ist, zieht sie in die Ortsmitte um.

Längst im Rentenalter ist der Bissinger Apotheker Carl Küper: Jüngst feierte er seinen 75. Geburtstag. Seit mehr als vier Jahrzehnten gibt es seine Alb-Apotheke in Bissingen. Aktuell laufen Verhandlungsgespräche mit möglichen Nachfolgern. Konkretes dazu kann Musolf noch nicht verkünden - nur so viel: „Es sieht gut aus.“ Eine Lösung scheint auch hier gesichert zu sein, sodass die geplanten Apothekenräume im Neubau mit Leben gefüllt werden.

Ein weiteres Thema, das Marcel Musolf umtreibt, sind barrierefreie Wohnungen in der Ortsmitte: „Wir haben erkannt, dass wir hier einen großen Bedarf haben.“ Deshalb entstehen auf dem 1 000 Quadratmeter großen Grundstück auch acht Wohnungen, davon sechs barrierefreie. Während die Hausarztpraxis und die Apotheke in einem Satteldachhaus untergebracht sind, befinden sich die Wohnungen in einem Flachdachgebäude im hinteren Bereich des Areals. Ein Zwischenbau verbindet die beiden Häuser; in diesem befinden sich das Treppenhaus und ein Aufzug, erläutert Architekt Peter Bodo Schöllkopf von „Wohnbau Birkenmaier“. Die Wohnungen seien alle lichtdurchflutet und verfügten über große Balkone. Potenzielle Bewohner seien nicht nur Senioren, sondern auch junge Familien. Vorgesehen sind auch ein Kinderspielplatz sowie Pkw-Stellplätze und eine Tiefgarage, ergänzt Bautechnikerin Anke Schmid.

Die Gesamtkosten für das Projekt schätzt Geschäftsführer Hans-Peter Birkenmaier auf 3,5 Millionen Euro. Für ihn war es keine Frage, den Neubau in Bissingen zu realisieren. Durch eine gute Infrastruktur im Ortskern werde dort auch das Wohnen für viele interessant, betont er und schwärmt: „Bissingen macht das wirklich gut.“

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