Weilheim und Umgebung

Börsenstart mit Beeren und Blumen

Die Wertpapiere auf der ersten Pflanzentauschaktion in Weilheim sind grün

Die Weilheimer Landfrauen sind nun erfolgreich ins Börsengeschäft eingestiegen. Nein, im Angebot waren weder Aktien noch Wertpapiere, sondern Akeleien und Salatsetzlinge. Die erste Pflanzentauschbörse in Weilheim legte einen beachtlichen Start hin.

Börsenstart mit Beeren und Blumen
Börsenstart mit Beeren und Blumen

Weilheim. Vor dem Bauernhof von Familie Sigel in Weilheim stehen Kisten, Töpfe, Schalen und Kästen. Bei Sonnenschein und kühlem Wind, wuseln Gartenfreunde um Wurzeln, Setzlinge, Ableger und junge Sträucher. Sie versorgen sich hier mit Nachschub für den Garten oder geben von ihrem Überfluss ab.

Lilo Drexler, die Vorsitzende der Weilheimer Landfrauen, war zunächst skeptisch und gibt zu: „Ich hatte schon etwas Bauchweh, ob das mit der Pflanzentauschbörse funktioniert.“ Diese Sorge war völlig unbegründet, denn rund 40 Interessierte tauschten begeistert nicht bloß Pflanzen, sondern auch Erfahrungen aus.

„Die bildet Ausläufer. Die würde ich bloß hinpflanzen, wo sie begrenzt sind oder nicht stören“, empfiehlt Martina Kunstfeld jenen, die sich für ihre Nachtkerzenableger interessieren. Diese warten, säuberlich in Töpfchen gepflanzt und beschriftet, auf ein neues Beet. Rosa sollen sie blühen und im Winter frieren sie zwar zurück, kommen aber im nächsten Jahr wieder. Als Kunstfeld diese Staude kaufte, dachte sie zunächst, sie sei mit vier Euro recht teuer, aber nun ist sie vom Gegenteil überzeugt, denn „so wie die wächst, lohnt sich das“. Zwei Frauen greifen zu, nicht bloß, weil sie keine vier Euro zahlen müssen, sondern auch, weil Schnecken das Gewächs offenbar verschmähen.

Eine Frau im bunten Kleid möchte von Lilo Drexler wissen: „Wie funktioniert das jetzt?“ Wer Pflanzen mitbringt, darf auch welche mitnehmen. Wer nichts beiträgt, soll einfach eine Spende in die Landfrauenkasse mit der Biene werfen. „Nächstes Jahr dürfen Sie dann gerne auch etwas mitbringen“, lädt Drexler ein.

„Hat irgendwer Märzenbecher gesehen?“, fragt eine jüngere Frau in die Menge. Schon bekommt sie ein Büschel abgeblühter Stängel mit Zwiebelchen daran in die Hand gedrückt. „Die gebe ich nicht mehr her!“, betont sie und strahlt. Die Märzenbecher will sie möglichst schnell in die Erde pflanzen: „Wahrscheinlich mache ich mich heute noch ans Werk!“ Derweil debattiert eine kleine Runde darüber, ob das Grünzeug mit dem roten Rand im Topf nun Rote Rüben sind. Brigitte Bölzle, von der die Pflänzchen stammen, klärt dann aber auf, dass es sich um Mangold handelt. Das ist nicht verwunderlich, schließlich handelt es sich um nah verwandte Pflanzen. „Der wächst bei mir so gut, dass er sich selbst aussät“, berichtet sie. Die leidenschaftliche Gärtnerin aus Holzmaden, hat von ihrer Freundin von der Pflanzentauschbörse erfahren und sie freut sich, dass sie neben Polsterphlox und anderen Schätzen, für ihre Tochter einen bunten Mais gefunden hat.

Dagegen greift die Tochter von Christine Sigel, der Gastgeberin der Veranstaltung, nach einem anderen Topf: „Mama, wie wäre es mit Ringelblume?“ „Das ist ein Unkraut!“, seufzt eine andere Frau. Doch Sigel hat gute Erfahrungen mit Ringelblumen, denn sie hat sie schon erfolgreich als Abwehr gegen Drahtwürmer angepflanzt.

Angesichts des großen Interesses am Pflanzentausch, freut sie sich darüber, dass sie dafür „ein, zwei Stunden“ investiert hat. „Wie das eben so ist. Man sät etwas: Entweder es geht gar nicht auf, oder man hat es doppelt und dreifach“, erzählt sie über das Zustandekommen der Idee, „Der eine ist froh, dass er etwas bekommt und der andere, dass er es los ist.“

Auch Lilo Drexler zieht eine rundum positive Bilanz: „Wir freuen uns sehr über den großen Beifall für unsere Pflanzentauschbörse. Ganz viele haben gesagt, dass wir das nächstes Jahr wieder machen sollen.“ Bis dahin sind Buchs, Hortensie, Minze und Akelei hoffentlich längst angewachsen und die Ernte von Tomaten, Salat, Paprika und Himbeeren verspeist.

Wertvolle Tipps für Hobbygärtner

Für Nachwuchs sorgen: Das erste Gebot für Setzlinge und Pflanzen, die frisch aus der Gartenerde kommen, ist, sie gut feucht zu halten und schattig zu stellen. Und dann so schnell wie möglich: ab damit in die Erde. Ist die geplante Stelle im Garten noch nicht bereit, kann man sie auch mal in einem Topf zwischenlagern. Stauden teilen: Staudenpflanzen, die im Sommer oder Herbst blühen, kommen am besten damit klar, wenn man sie im Frühling teilt. Bei Frühjahrsblühern dagegen sollte man bis Herbst warten. Abgesehen davon, dass man damit Ableger gewinnt, regt das Teilen auch das Blütenwachstum an. Zum Teilen mit einer Grabgabel den Wurzelballen vorsichtig aus dem Boden heben. Manche Wurzeln lassen sich von Hand auseinanderreißen, bei anderen braucht es ein Messer oder einen scharfen Spaten. Darauf achten, dass die Trennstelle möglichst glatt ist. Das verhindert, dass sich Krankheiten einnisten können. Beim Einpflanzen sollte man die Wurzeln gut in der Erde andrücken und ordentlich wässern. Manche Pflanzen reagieren allerdings beleidigt, wenn man sie teilt. Am liebsten ungestört bleiben etwa Pfingstrosen, Küchenschellen, Tränendes Herz und Türkischer Mohn. Samenfeste Sorten: Während es früher in jeder Gegend über Jahrhunderte an Lokalklima und Boden angepasste Gemüsesorten gab, findet man inzwischen quer durch die Republik noch eine Handvoll zur Auswahl. Bei der Mehrheit der Gemüsepflanzen handelt es sich heute um Hybridsorten. Hybridpflanzen sind unfruchtbar oder haben mickrige Nachkommen. Deshalb benötigen Gärtner im nächsten Jahr auch wieder neue Samentüten. Wer selbst Samen gewinnen will oder möchte, dass sich seine Blumen wieder aussäen, muss auf samenfeste Sorten achten. Geeignet für Anfänger sind Tomaten, Bohnen und Radieschen sowie Korn- und Ringelblumen und Kapuzinerkresse.mor

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