Weilheim und Umgebung

Briefkasten soll ärztliche Versorgung verbessern

Ärzte Neidlinger können ihre Rezepte jetzt in einen Kasten werfen und bekommen die Medizin nach Hause geliefert.

Hausarzt PatientUntersuchung, CheckArztbesuchKrank, KrankheitVorsorge Blutdruck Messen
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Neidlingen. Am Montag ist in Neidlingen ein neuer Service zur Belieferung mit Medikamenten gestartet: Bei der Arztpraxis von Dr. Simon Driesel wurde ein Briefkasten angebracht, an dem Patienten ihr Rezept einwerfen können. Der Briefkasten wird immer an den Tagen, an denen die Praxis geöffnet hat, um 14 Uhr geleert. Die Patienten bekommen dann am nächsten Tag das Medikament nach Hause zugestellt.

Den Service teilen sich die Weilheimer Apotheker Dr. Hans-Jörg Egerer von der Adler-Apotheke und Tilla Frank-Neumeyer von der Stadtapotheke. „Wichtig ist, dass auf dem Rezept eine Telefonnummer vermerkt ist, damit wir mit dem Patienten Kontakt aufnehmen können“, sagt Frank-Neumeyer. Die Medikamente werden dann von einer Fachkraft ausgeliefert, sodass die Beratung gewährleistet ist.

Für Bürgermeister Klaus Däschler ist das Angebot ein weiterer Baustein in seinem Bestreben, die medizinische Versorgung der Neidlinger sicherzustellen. „Gerade Gesundheit als das wichtigste Gut überhaupt, spielt hier eine Rolle. Viele ältere Leute können nicht einfach nach Weilheim zum Arzt oder in die Apotheke fahren.“ Neidlingen sei eine der kleinsten Gemeinde im Landkreis. Eine eigene Apotheke oder eine Arztpraxis lohne sich dort nicht.

Als ersten Schritt hatte die Gemeinde im Dezember den Weilheimer Arzt Dr. Driesel überzeugt, eine Zweigstelle in der Gemeinde zu eröffnen. Das Unternehmen Festool konnte mit Räumen aushelfen, die umgebaut werden mussten. „Wir hatten bereits eine Reihe von Patienten aus Neidlingen und die Kapazität für eine Zweigpraxis“, sagt der Arzt. Die Praxis hat allerdings nur mittwochs und am Montag-, Dienstag- und Donnerstagvormittag geöffnet.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich zeigte sich bei der Vorstellung des neuen Briefkasten-Services beeindruckt von dem Engagement aller Beteiligten. „Wir haben im Bundestag die Möglichkeiten, für solche Zweigpraxen im ländlichen Raum erleichtert. Deswegen freue ich mich, dass in Neidlingen tatsächlich ein solches Modell entstanden ist.“ Hennrich lobte die Kombination von ärztlicher Versorgung und Apotheken: „Das ist ein Paradebeispiel, wie das in einer kleinen Gemeinde funktionieren kann.“

Der Präsident des Landesapothekerverbandes und Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Fritz Becker, maß dem Neidlinger Modell bundesweiten Vorbildcharakter zu. „Der Botendienst stellt sicher, dass das Arzneimittel schnell nach Hause kommt und der Patient beraten wird. Das bietet kein Versandhandel.“ Bürgermeister Däschler hat den nächsten Schritt im Versorgungskonzeptes schon im Blick: „Wir wollen in unserer Gemeinde Betreutes Wohnen anbieten. 600 Quadratmeter sind geplant.“ Kai Sonntag

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