Weilheim und Umgebung

Brücke bekommt Rohr statt Bogen

Verkehr Dringenden Sanierungsbedarf hat eine Sicherheitsprüfung der Brücke über den Gründenbach in Holzmaden ergeben. Zwei weitere Brücken sind noch im grünen Bereich. Von Thomas Zapp

Die Schäden an der Gewölbebrücke aus Naturstein sind mit bloßem Auge zu erkennen.Foto: Markus Brändli
Die Schäden an der Gewölbebrücke aus Naturstein sind mit bloßem Auge zu erkennen. Foto: Markus Brändli

Nun also doch: Die Brücke über den Gründenbach in Holzmaden wird im wahrsten Sinne des Wortes runderneuert. Das Donzdorfer Ingenieurbüro Haußmann hat jetzt im Gemeinderat das Projekt vorgestellt. Die gesamte Brücke wird durch ein Betonrohr mit einem sogenannten Maulprofil ersetzt. Das neun Meter lange Rohr mit 160 Zentimetern Durchmesser verläuft wie ein Fischmaul oben schmal und wird nach unten breiter. Dadurch soll der problemlose Durchfluss des Baches gewährleistet bleiben. Das Rohr wird dann mit dem Straßenbelag überbaut. „Das ist die kostengünstigste Variante“, erklärt Ingenieur Michael Haußmann. Die Rede ist von rund 65 000 Euro. Nebenbei ist es auch die schnellste, die Bauzeit soll bei drei Wochen liegen. Michael Haußmann nennt noch einen weiteren Vorteil: „Die Tragfähigkeit liegt bei rund 60 Tonnen.“ Die alte Konstruktion schätzt er auf höchstens zwölf Tonnen Traglast.

Vorgänger entschied anders

Das Pikante an dem Vorschlag ist aber, dass Ende 2017 der damals zuständige Weilheimer Gewässerschutzbeauftragte Claus Braun ein Rohr als Ersatz für die baufällige Brücke ausgeschlossen hatte. Laut europäischer Wasserrahmenrichtlinie sei die ökologische Durchlässigkeit mit einem Rohr nicht gewährleistet, sagte er damals gegenüber dem Teckboten. Braun erklärte, dass die Böschung mit Steinblöcken gesichert wurde, die Fahrbahn sei okay, was ein deutliches Indiz für ein intaktes Gewölbe sei. Erst 2015 war sie für rund 5 200 Euro mit zusätzlichen Steinen abgesichert worden. Mittlerweile ist Braun nicht mehr im Amt und das sogenannte Brückenbuch, eine Art Prüfbuch der alle drei Jahre stattfindenden Inspektionen, nicht mehr auffindbar. Auch das genaue Baujahr ist nicht bekannt, geschätzt wird es auf eine Zeit vor 1972.

Dafür hat der nun beauftragte externe Ingenieur bei einer Prüfung Ende 2018 erhebliche Mängel an der Gewölbebrücke festgestellt. Er hat Untersuchungsergebnisse in ein Computerprogramm eingegeben, das dann Berechnungen anstellt und Noten in einem Spektrum von eins bis vier ausspuckt. Das Ergebnis von 3,3 für den Gründenbach bedeutet in der Sprache des Prüfprogramms „Schadensbesserung kurzzeitig erforderlich.“ Unter anderem gleiten Steine aus dem gemauerten Halbbogen herab oder verschieben sich gegeneinander. Das macht eine Runderneuerung notwendig.

Kollegenschelte vermied Michael Haußmann bei seinen Erklärungen gegenüber dem Gemeinderat. „Damals gab es dieses Programm noch nicht“, nahm er Carl Braun in Schutz. Nicht jeder der Zuschauer im Gemeinderat zeigte sich einverstanden mit dem Vorgehen. Eine Besucherin machte ihrem Unmut Luft, dass jahrelang nichts passiert war. Am Beschluss ändert das aber nichts: Schon bald wird das Rohr kommen und damit eine komplett neue Brücke über den Gründenbach.

Ebenfalls geprüft wurden zudem zwei Brücken über den Seebach mit einer Note von 2,9 und an der Bahnhofstraße mit einer Note von 2,5. Dringend ist dort keine „Sicherungsmaßnahme“ nötig. Dort müssen aber auch, wie bei allen Brücken, die Seitengeländer erneuert werden. Die sind nach neuen Vorschriften zu niedrig und für Radfahrer zu gefährlich.

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