Weilheim und Umgebung

Brücken bringen Bauer auf die Palme

Verkehr Das Holzmadener Ehepaar Münsinger fürchtet, dass Überfahrtswege Schleppern und beladenen Anhängern nicht standhalten. Von Anke Kirsammer

Die Rundbogenbrücke über den Seebach bei Holzmaden dient Landwirten häufig zur Überfahrt. Ihr Zustand wird von Verwaltung und Nu
Die Rundbogenbrücke über den Seebach bei Holzmaden dient Landwirten häufig zur Überfahrt. Ihr Zustand wird von Verwaltung und Nutzern unterschiedlich beurteilt.Foto: Jean-Luc Jacques

Tagtäglich muss Uli Münsinger mehrfach mit Schleppern und vollbeladenen Hängern über die Seebach-Brücke fahren, um seinen Angusrindern im Stall Futter zu bringen. Wenn der Zuerwerbslandwirt über den Zustand des Bauwerks spricht, das unweit seiner Holzmadener Hofstelle liegt, gerät er in Rage: „Der Betonsockel auf der einen Seite wurde komplett weggespült. Vor Jahren habe ich das zum ersten Mal gemeldet. Passiert ist seitdem nichts.“ Ihn bringt auf die Palme, dass der zuständige Weilheimer Tiefbauamtschef Claus Braun in seinen Augen nichts für die Standsicherheit der Brücke unternimmt und sich dennoch dafür verbürgt, dass sie nicht einstürzt. „Dafür kann sich keiner verbürgen. Ich garantiere Ihnen, da sind nicht einmal Berechnungen gemacht worden“, schimpft der Zuerwerbslandwirt.

Zugelassen ist die Rundbogenbrücke für 40-Tonner. Doch mit Hinweis auf einen Riss, der sich an der Kante gebildet hat, geht Münsinger davon aus, dass sich das Bauwerk verabschiedet. Der Landwirt fürchtet um die Konsequenzen: „Wenn sie mir die Brücke von heute auf morgen sperren, habe ich ein Problem.“ Er müsse dann mit seinen Schleppern und schweren Anhängern durchs Wohngebiet fahren. Andere Bauern seien genauso betroffen. Besonders viel Betrieb ist auf dem Weg über den Seebach zudem, wenn Äpfel und Birnen reif sind, denn der Hof der Münsingers fungiert als Obstannahmestelle.

Ein Dorn im Auge ist dem Holzmadener auch der Zustand der wenige hundert Meter entfernten Brücke über den Gründenbach. An deren Unterseite fehlen Steine, verwittertes Material ragt heraus. Auch dafür meint Münsinger eine Lösung zu haben: „Das Flussbett müsste man ausbaggern, ein neues Rohr reinlegen und drüber betonieren.“ - Ein Vorschlag, der laut Claus Braun gar nicht umgesetzt werden kann. Er verweist auf die europäische Wasserrahmenrichtlinie, die die ökologische Durchlässigkeit fordert. „Ein Rohr wäre ein großes Hindernis.“

Das vorhandene natürliche Gewässerbett habe eine raue Sohle, die genau richtig sei für Fische und Kleinstlebewesen. Als Gewässerschutzbeauftragter sei er spezialisiert auf Gewässerökologie. Die Böschung habe er mit Steinblöcken gesichert. „Dort kann sich das Wasser austoben“, erklärt Braun. „Beim Einbau waren wir mit schweren Geräten da“, so der Bauingenieur. Da habe sich auch gezeigt, dass die Fahrbahn okay ist. Braun zufolge ein deutliches Indiz für ein intaktes Gewölbe. Die Brücke werde wie alle anderen jährlich angeschaut. Alle drei Jahre gebe es eine genaue Kontrolle. Ein geologisches Gutachten sei erst nötig, wenn hohle Stellen zu sehen beziehungsweise zu hören sind. Statische Berechnungen müsse man erst im Sanierungsfall machen. Erst vor einem Jahr seien sämtliche Holzmadener Brücken beschrieben und in einem Kataster aufgenommen worden.

Dem Riss im Kappenbereich der Seebachbrücke, der Uli Münsinger stark beunruhigt, misst Braun indes keine große Bedeutung bei. „Sie bewegt sich etwas nach außen“, sagt er lapidar. Aufgrund des Mooses, das in der steinernen Spalte wuchert, geht er davon aus, dass der Riss bereits 15 Jahre alt ist. An der Stabilität der Rundbogenbrücke zweifelt der Ingenieur nicht: „Die Kräfte werden über die Gewölbetragwirkung abgeleitet.“ Der fehlende Beton am Fuß spiele dabei keine Rolle. Der Tiefbauamtsleiter gibt sich selbstbewusst, hat er doch zehn Jahre lang Brückenbau gemacht. „Bei einer 316 Meter langen Brücke in Wernau über den Neckar hatte ich die Bauleitung“, sagt Braun.

Die Standsicherheit ist das eine, Sperrungen sind das andere, was Uli Münsinger umtreibt. An einer Stelle im weiteren Verlauf des Weges endet die Fahrt des Landwirts vor einem Bauzaun: Für den Bau der ICE-Trasse wurde die dortige neben der Autobahn verlaufende Brücke über den Seebach erneuert und für den Schwerlastverkehr ausgelegt. Jenseits des Gewässers liegt ein Acker der Münsingers. Er ist derzeit nur über einen Grasweg erreichbar. „Das ist nicht ideal“, sagt der Landwirt. Seine Frau Andrea Münsinger, Stellvertreterin des Ortsobmanns im landwirtschaftlichen Ortsverein Weilheim/Holzmaden, weist darauf hin, die Bahn habe ihr zugesichert, dass die Überfahrt nach der Fertigstellung der Brücke wieder möglich sei. Die damals Verantwortlichen sind längst nicht mehr im Amt. Bahnsprecher Jan Dambach kennt die Absprachen nicht. „Die Brücke führt im Moment durchs Baufeld“, bestätigt er. Er bietet den Landwirten das Gespräch an. „Dann können wir sehen, was machbar ist.“

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