Weilheim und Umgebung

Bürger klagen: Der Weg nach Hattenhofen ist zu lang

Protest Aichelberger reichen 614 Unterschriften für eine Beteiligung der Gemeinde am Grüngutplatz in Zell ein.

Symbolbild

Aichelberg. „Ein großer Tag für die lebendige Demokratie in Aichelberg“: So bewertet Bürgermeister Martin Eisele das erste Bürgerbegehren in der Geschichte seiner Gemeinde - und dies mit einer Substanz, die die Initiatoren beeindruckend finden. 614 Unterschriften legen sie vor, um eine Beteiligung der Gemeinde am Grüngutplatz in Zell zu erwirken. Die hatte der Gemeinderat im letzten Jahr abgelehnt. Jetzt muss er sich erneut damit befassen. Akzeptiert er das Bürgerbegehren, können die Aichelberger künftig ihren Grünschnitt zum nahen Grüngutplatz nach Zell fahren. Bisher müssen sie nach Hattenhofen, fünf Kilometer weiter. Bleibt der Gemeinderat bei seiner Ablehnung, kommt es zu einem Bürger­entscheid. Den wollen die Ini­tiatoren nicht. „Das würde auch noch Geld kosten“, sagt Udo Bofinger. Es wäre wie eine Wahl, mit Stimmzetteln und allem. Bürgermeister Eisele schätzt die Kosten auf 5 000 Euro.

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614 Unterschriften: Das sind mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten in Aichelberg. Schon bei den ersten Hausbesuchen habe sich eine starke Zustimmung gezeigt. „Wir wurden zum Kaffee eingeladen, wir wurden reingebeten bei schlechtem Wetter, wir mussten Rede und Antwort stehen“, sagt Hermann Gruber. Jetzt hoffen sie, dass auch der Gemeinderat von dieser Zahl beeindruckt ist. Eigentlich hätten sie nur 60 bis 70 Unterschriften gebraucht.

Es hatte sich lange aufgeschaukelt. Vor einem Jahr hat der Gemeinderat die Grüngutplatz-Ehe mit Zell erstmals abgelehnt. Es ging um 37 000 Euro, den Anteil für die Ertüchtigung des Zeller Platzes. Das war ein vorläufiges Nein, sagt Bürgermeister Eisele. „Man wollte abwarten, wie sich die Finanzen im Lauf des Jahres entwickeln.“ Das wurde im Ort allerdings schon kritisch bemerkt. Bürger fragten in Gemeinderatssitzungen nach. Sie machten Druck für den Schulterschluss mit Zell.

„Nicht gegen, sondern für etwas“

Es kam zu einer zweiten Beratung, spät im Herbst. Da war der eigene Kompostplatz längst geschlossen, der neue Grüngutplatz in Hattenhofen die Anlaufstelle. Der Zeller Platz stand vor der Wiedereröffnung. Aber der Gemeinderat sagte ein zweites Mal Nein. Auch vor dem Hintergrund, dass sich in der Gemeinde ein Sammelplatz für Holz in den Wintermonaten auftat.

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens geben sich moderat. „Wir richten uns nicht gegen jemand, sondern sind für etwas“, sagt der Altgemeinderat und ehemalige Feuerwehrkommandant Reinhard Hirche. Es gab schon Spott für die sieben Gemeinderäte, die ihren Mitbürgern und sich selber den Weg nach Hattenhofen verordnet haben. „Sparen wir das Geld, nach Hattenhofen ist es zumutbar“ - so ließe sich ihre Haltung beschreiben. Sie sind es gewohnt, jeden Euro dreimal rumzudrehen. Im armen Aichelberg war es nie anders. Ob die Zukunft anderes bringt, ob der große Gewerbepark an der Autobahn kommt und Geld ins Säckel spült, ist ungewiss. Nur gab es unterschiedliche Ansichten, ob Aichelberg sich die 37 000 Euro für den ortsnahen Grüngutplatz leisten kann. Bürgermeister Eisele und Gemeinderätin Evelyne Moll meinten: Ja. Darauf stützen sich die Initiatoren für den Bürgerentscheid. Ihre Argumente: Nach Zell ist es nicht weit, Traktoren können auf dem Feldweg dahin kommen, der Bedarf sei groß. Auch die Gemeinde muss ihre Grünabfälle nach Hattenhofen bringen. 40 000 Kilometer, so hat es Harald Häcker überschlagen, kämen bei diesen Fahrten pro Jahr zusammen. Das wäre einmal rund um den Globus. Jürgen Schäfer