Weilheim und Umgebung

Bürgermeinung ist noch nicht so klar

Information Die Pläne für ein 13 Hektar großes interkommunales Gewerbegebiet an der A8 sind nun in Aichelberg vorgestellt worden. Von Jürgen Schäfer

Noch ist neben der A8 bei Aichelberg ein Acker. Aber die Nachfrage nach Gewerbeflächen rückt ihn ins Visier der Planer. Foto: Ca
Noch ist neben der A8 bei Aichelberg ein Acker. Aber die Nachfrage nach Gewerbeflächen rückt ihn ins Visier der Planer. Foto: Carsten Riedl

Was die Aichelberger zu einem großen Gewerbegebiet an der Autobahn sagen, ist für Bürgermeister Martin Eisele und den Gemeinderat wichtig für die weitere Planung. Noch weiß man das nicht so genau, trotz einer Bürgerinformation, zu der etwa 60 Zuhörer kamen. Die Stimmung war unaufgeregt, und in zwei Gesprächsforen wurden Meinungen gesammelt. Das waren überwiegend Bedenken, aber sie kamen von nicht sehr vielen Leuten. Bürgermeister Martin Eisele sieht die Bürgerinfo als „Input“, der sich jetzt setzen müsse. Bis über Weihnachten solle das in den Familien diskutiert werden, im neuen Jahr wolle der Gemeinderat sich mit den Rückmeldungen befassen.

Was auf die Aichelberger zukommt, wenn sie denn nicht ernstlich dagegen sind und die planungsrechtlichen Hürden genommen werden: Ein Gewerbegebiet vom Park-und-Ride-Parkplatz bis zum Autobahnparkplatz Urweltfunde. Ein neues „Entree“ von Aichelberg, wie es Planer Thomas Sippel nennt. Gleichzeitig auch ein „Tor zur Region im Osten“ in punkto Gewerbe, wenn die Region es will. Verschwinden würde ein Grünzug mit erklecklichen 17 Hektar Ackerflächen, verschwinden würde eine ­Ha­­b­itatfläche für „wertgebende Tierarten“, wie es die Landschaftsarchitektin Kathrin Weiner nennt. Entstehen würde eine Kulisse von Betriebsgebäuden, die die Aussicht von Aichelberg und von der Limburg erheblich beeinträchtigen würde. „Die Kubaturen haben eine hohe Fernwirkung“, sagt Weiner.

Allerdings soll auf das Erscheinungsbild geachtet werden. An den Eingängen würde man kleinteilig Betriebe ansiedeln und größere entlang der Autobahnauffahrt. Dort auch mit einem gewissen architektonischen Anspruch, wie die Firma Ortlieb in Zell. Weiter westlich käme ein Gebiet für große Firmen einschließlich Spedition und Logistik aus der ganzen Region. Das wären Kaliber wie das künftige Wala-Logistikzentrum in Zell.

Für Bürgermeister Eisele brächte der Standort an der Autobahn „für die Gemeinde und die Raumschaft den größtmöglichen Nutzen bei minimaler Mehrbelastung.“ Der Ort würde überhaupt nicht tangiert.

Sippel stellt klar: Ohne die Region geht gar nichts. „Sie hat die Planungshoheit.“ Da die Region interessiert sei, den Bedarf an Firmen unterzubringen, würde das großflächige Angebot in Aichelberg passen. „Für Flächen en bloc gibt es einen Riesenmangel.“ Die Lage an der Autobahn sei ein Premiumstandort. Die Region ­favorisiere gewerbliche Schwerpunkte entlang der A 8. Nur mit der dritten Anforderung, der schnellen Verfügbarkeit, könne man nicht dienen. Jahre würden vergehen. Man halte jetzt die „Bewerbungsrede“, so Sippel. Wichtig sei, das entschlossen zu tun. Der Gemeinderat stehe einstimmig dahinter. Und jetzt halte man das Ohr an die Bevölkerung.

Was an Bedenken und Befürchtungen kam: Aichelberg stehe für Naherholung, grüne Aussicht, gute Lebensqualität, neue Arbeitsplätze verknappten und verteuerten den Wohnraum; wo höre der Flächenverbrauch auf, „wir werden zugemüllt mit A8, ICE und Gewerbegebiet“, Aichelberg werde nicht mehr fertig mit der Baustelle, man solle sich lieber an das geplante Weilheimer Gewerbegebiet an der Autobahn anhängen. Auch solle man den Verlust an Kaltluftströmung berücksichtigen, den Kathrin Weiner an­führte.

Ganz „zugemüllt“ würde der Grünzug nicht. Zu 13 Hektar Gewerbegebiet kämen fünf Hektar Grünland. Die müssen bleiben, weil man 40 Meter Abstand von der Autobahn halten muss und entlang der Auffahrt der A 8 eine Grünfläche festgelegt ist, die die Bahn für ihren Ausgleich an der ICE-Trasse braucht.

Schon vor 40 und 50 Jahren hätte die Industrie an die Autobahn nach Aichelberg kommen können, merkte der frühere stellvertretende Bürgermeister Ernst Metzger an. Mal ein Betonwerk, mal eine große Raststätte, mal ein Logistikzentrum. Gescheitert sei das an den Landwirten. Metzger befürwortet das Gewerbegebiet und wundert sich, was man für ein „Tamtam wegen einem Pärle Wachteln“ am Gewerbepark Zell mache. Das ärgert wiederum Eberhard Binder aus Zell, der für die Natur und gegen große Gewerbegebiete streitet. Man dürfe das eine Wachtelpaar nicht für sich sehen, sondern als Teil eines ökologischen Zusammenhangs mit anderen Tierarten.

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