Weilheim und Umgebung

„Corona - geh‘ nach Hause, du bist gefährlich“

Reise Tamara Ziegelin aus Ohmden hatte sich auf ein Jahr Erholung in Südostasien eingestellt. Doch auf Sri Lanka war es dann vorbei mit dem Spaß. Von Lena Bautze

Mit den Tickets in der Hand undeiner Maske im Gesicht ist Tamara Ziegelin froh, endlich einen Rückflug nach Deutschland zuhaben. Fotos: privat

Ein Jahr Pause, Ruhe vom Alltagsstress und einfach nur man selbst, ein Rucksack und viele neue Erfahrungen in fernen Ländern - das hatte sich auch Tamara Ziegelin aus Ohmden vorgenommen, doch durch die Cornona-Welle kam alles anders.

Im September vergangenen Jahres ging es los. Erste Station: Südostasien. Von den Traumstränden Balis zur Anime-Kultur nach Japans bis hin zum wohl beliebtesten Backpacker-Land Thailand hat sie in den ersten Monaten schon einiges gesehen.

Doch dann machte so langsam das Coronavirus die Runde: Ihren ersten Berührungspunkt mit dem neuartigen Erreger hatte sie am Flughafen von Borneo, als dort plötzlich die Mitarbeiter in Schutzkleidung vor ihr standen. In einem Hostel traf sie kurz darauf auf eine italienische Reisende, die das Land nicht mehr verlassen durfte. Das Sabbatical - ein unbezahlter einjähriger Sonderurlaub, den Arbeitnehmer unter bestimmten Voraussetzungen nehmen können - vorzeitig abbrechen und zurück nach Hause zu fliegen, das kam für Tamara Ziegelin trotzdem nicht infrage.

Einheimische distanzieren sich

Von Borneo aus wollte sie weiter in Richtung Vietnam. Doch dort wurden kurz zuvor die Grenzen geschlossen. „Für mich war alles rund ums Thema Corona am Anfang sehr fern“, sagt sie. Da ein Bekannter von ihr sich zu dieser Zeit auf Sri Lanka aufhielt und berichtete, dass es dort noch alles ganz entspannt sei, flog sie kurzerhand ebenfalls auf die Insel. Sie kam genau richtig, denn bereits einen Tag, nachdem Tamara Ziegelin auf Sri Lanka gelandet war, durften schon keine Deutsche mehr einreisen. Obwohl die Ohmdenerin zu keinem Zeitpunkt Angst hatte, erfuhr sie nun am eigen Leib, wie es ist, ausgegrenzt zu werden. Auf einem Fischmarkt in Negombo bekam sie von fremden Menschen zu hören: „Corona, geh‘ nach Hause, du bist gefährlich.“

Unterwegs war sie in Asien meistens mit einem Roller, den man sich für umgerechnet circa fünf bis zehn Euro am Tagmieten kann.

Eine Heimreise hatte sie in diesem Moment aber trotzdem nicht im Sinn. Im Gegenteil, sie wollte die Insel weiter erkunden. Mit einem gemieteten Roller fuhr sie daher rund 140 Kilometer nördlich nach Kalpityia. Dort angekommen, verordnete die Regierung die erste Ausgangssperre. Rausgehen durfte man ab sofort nur noch, um das Nötigste zu erledigen, und das zu bestimmten Uhrzeiten.

So langsam kam also auch bei Tamara Ziegelin der Gedanke auf, das Sabbatical zu beenden und nach Deutschland zurückzukehren. Doch das schien aussichtslos: Nahezu alle Flüge waren gestrichen worden. Daraufhin registrierte sich die Ohmdenerin beim Auswärtigen Amt, in der Hoffnung auf Hilfe.

Während ihres Aufenthaltes auf Kalpityia stand sie immer wieder in Kontakt mit ihrem Bekannten, der sich im Süden der Insel aufhielt. Sie beschloss, zu ihm zu fahren. Doch weit kam sie nicht. Zu groß war die Angst, während der Ausgangssperre unterwegs zu sein und eine Strafe zu riskieren. Dennoch bekam sie auf dieser Fahrt erstmals das Ausmaß der Coronakrise mit: Auf den Straßen standen etliche Menschen in Schlangen an Supermärkten, Tankstellen und Geldautomaten. Gastfreundschaft bewies dann immerhin ihr Rollervermieter, bei dem sie die nächs­ten Tage bleiben durfte. Das war keineswegs selbstverständlich - viele Übernachtungsstätten nahmen nämlich längst keine Europäer mehr auf.

Hilfe vom Auswärtigen Amt

Doch dann ging alles ganz schnell. Das Auswärtige Amt hatte sich bei der Ohmdenerin gemeldet und ihr einen Platz in einem Flugzeug nach Warschau angeboten - bereits für den nächsten Tag. Der Plan: von Sri Lanka aus nach Polen und dann weiter nach Berlin. Und nur wer beide Flugticktes nachweisen konnte, dürfte in Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas, in die Maschine einsteigen. Die Kos­ten für die beiden Rückholflüge: 700 Euro.

Bevor sie zurückflog,hat sie sich noch einen Traum erfüllt und mit ihrer Drohne einen Elefanten auf Sri Lanka fotografiert.

Dass die Sicherheitsmaßnahmen derweil deutlich schärfer geworden waren, stellte Tamara Ziegelin daraufhin am Flughafen fest. Dort wurden alle Reisenden von oben bis unten desinfiziert. An Board gab es zudem keinen Service: „Wir haben im Vorfeld Wasser und Essen bekommen.“ In Warschau empfing die Armee die Passagiere direkt im Flugzeug. Der Grund: Bei jedem Einreisenden wurde die Temperatur gemessen. Als sie dann am 27. März endlich in Berlin angekommen war, staunte Tamara Ziegelin nicht schlecht: „Ich habe mich gewundert, warum in Deutschland gar keine Kontrollen vorgenommen wurden. Es war überhaupt niemand da, wir mussten nicht mal durch eine Passkontrolle.“

Wie es jetzt weitergeht, weiß sie noch nicht. Ihren Arbeitgeber habe sie jedenfalls schon informiert, dass sie nun auch wieder früher anfangen könne zu arbeiten.

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