Weilheim und Umgebung

Das geistliche Wort

„Was fastest Du diesmal?“, habe ich einen Freund gefragt. „Ich faste in diesem Jahr Kiwis“, war seine Antwort. Sehr witzig. Ich kenne ihn ja ein wenig und weiß: Der Verzicht auf Kiwis fällt ihm nicht wirklich schwer.

Andererseits ist er jemand, der sich durchaus bewusst ernährt. Das bedeutet für ihn nicht nur die Sorge um die eigene Gesundheit, sondern noch viel mehr die Frage nach der Gesundheit der Menschen, die ein Lebensmittel anbauen. Dazu gehört für ihn auch die Frage nach der Gesundheit der Erde und der Schöpfung.

Wird beim Anbau Gift eingesetzt, beispielsweise Glyphosat? Wie arbeiten die Menschen von der Aussaat bis zur Ernte? Wer verdient daran wie viel? Wie wird die Umwelt belastet - durch Pestizide und durch Verbrauch von Energie beim Transport?

Mein Freund fastet Kiwis nicht nur in den berühmten „sieben Wochen“.

Eine andere fastet beim Fliegen. Weder in den Urlaub, noch zu Geschäftsreisen. „Zu belastend für das Klima, und damit für die Generation der Kinder und Enkel“, ist die Begründung. Sie macht das auch nicht nur sieben Wochen, sondern schon seit deutlich mehr als sieben Jahren. Einen Mangel an Lebensqualität sieht man ihr deshalb nicht an.

So handeln einzelne Menschen durch eigenes Umkehren zum eigenen Heilwerden und um die Welt ein klein wenig lebenswerter zu machen für sich und andere, jetzt und später. Vorbildlich.

Doch als Einzelner kann ich nicht Rüstungsexporte verhindern und damit Fluchtursachen an der Wurzel vermeiden. Einzelne können auch nicht die Produktion und den Handel mit den Massenvernichtungsmitteln unserer Tage, sogenannten Kleinwaffen, verhindern. Mit solchen Waffen werden Tausende Menschen massakriert und mit ihnen können schon Kinder zu Mördern gemacht werden.

Um das zu verhindern, braucht es den Zusammenhalt vieler engagierter Menschen. Nur gemeinsam kann man dem näherkommen, was uns schon Jesaja verheißt: „Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“

Gut, wenn sich Menschen miteinander dafür einsetzen. Gut, wenn religiöse Gemeinschaften das vorantreiben. Gut, wenn Kirchen beginnen, sich zu verpflichten, die Friedenserziehung und Friedensarbeit zu stärken und gemeinsam fordern, dass Kriegswaffen nicht mehr exportiert werden und auch der Export von Kleinwaffen für militärische Zwecke verboten wird.

Fasten heißt auch umkehren. Als einzelner Mensch, als (religiöse) Gemeinschaft, als Gesellschaft.

Viele kirchliche Zusammenschlüsse und jetzt auch die Evangelische Landeskirche Württemberg hat sich zu solchem Umkehren entschlossen.

So macht Passions- und Fastenzeit Sinn. So kann es wahr werden, was Nachfolger Jesu glauben: Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er zwischen verfeindeten Menschen Frieden gestiftet, sie mit Gott versöhnt und den Zugang zum Vater im Himmel eröffnet (Eph. 2, 14-18).

Paul Bosler Pfarrer der Evangelischen Kirche, Kirchheim-Nabern

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