Weilheim und Umgebung

Das geistliche WortDie Adventsklage

Es gibt einen neuen Adventsbrauch: „die Adventsklage“. Sie hat zwei Spielarten. Die eine beginnt um den 1. Dezember. Wer dann nicht behauptet, dass er keine Zeit habe, weil es so viel zu tun gebe, der wird nicht mehr für voll genommen. Aber ich kenne auch genügend Menschen, die gerade im Advent umso heftiger spüren, dass sie nicht mehr viel zu tun haben und nicht mehr gebraucht werden.

Die andere Spielart beginnt schon im September, wenn die Lebkuchen in den Läden erscheinen. Dann muss jeder brave Bürger mindestens einmal öffentlich beklagen, dass die Weihnachtsdekoration jedes Jahr früher kommt.

Ich selbst bin bekennender Lebkuchen-im-Oktober-Esser und ich bin trotzdem der Meinung, dass Advent im Dezember ist und dass man seine Lebensmittel saisonal einkaufen soll. Denn wenn man’s schon genau nehmen will, dann gehören Lebkuchen in die Weihnachtszeit. Und die hat an Weihnachten erst ihren Beginn und nicht ihr Ende.

Aber wichtiger ist mir, dass ich nicht immer auf das schielen will, was andere besser machen könnten, sondern ich frage mich selbst: Wie will ich meine Adventszeit gestalten? Statt: Wie sollen andere für mich die Adventszeit gestalten? Das lässt sich nicht immer genau trennen, und doch ist es ein Wechsel der Blickrichtung. Meine Vorbilder? Zum Beispiel jene Initiative aus Hamburg, die seit über 20 Jahren den Kalender „der andere Advent“ herausgibt, inzwischen mit einer Auflage von 600 000 Stück – mehr als die großen deutschen Wochenzeitungen. Persönlich gestaltete Adventszeit ist kein Nischenprodukt.

Was nehme ich mir vor für die Tage, die jetzt noch bleiben?

Erstens: Musik! Ich singe mit, auch wenn’s nur die Hintergrundmusik im Shopping-Center ist, aber erst recht bei den Adventskonzerten der Chöre, Schulen und Kirchen.

Zweitens: Freundlichkeit! Ich will mich nicht alleine freuen an den schönen Bräuchen der Adventszeit.

Drittens: Gebet! Ich warte nicht auf irgendein Christkind, sondern auf Jesus Christus, der im Geist längst bei mir ist und mir in jedem Gebet hilft, die Welt ein wenig mehr mit seinen barmherzigen Augen zu sehen.

Viertens: Verzicht auf die Ad-ventsklage!

Und Sie? Ich freue mich auf die letzten Tage bis Weihnachten und wünsche Ihnen noch eine gesegnete Adventszeit.

Axel Rickelt Pfarrer der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Kirchheim

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