Weilheim und Umgebung

„Das ist eine ganz andere Welt“

Wechsel Für Maren Spachmann-Koch war es schon immer vorstellbar, einmal Schulleiterin zu werden. Dass sie jetzt schon in Neidlingen diesen Posten bekleiden darf, kam auch für sie überraschend. Von Peter Dietrich

Die neue Schulleiterin der Grundschule Neidlingen Maren Spachmann-Koch (vorne) hat von den Elternvertretern ein großes Herz mit
Die neue Schulleiterin der Grundschule Neidlingen Maren Spachmann-Koch (vorne) hat von den Elternvertretern ein großes Herz mit lauter Gruß- und Glückwunschkarten bekommen. Foto: Peter Dietrich

Im August 2018 war Maren Spachmann-Koch von der Teckschule Dettingen an die Grundschule Neidlingen gekommen. Als im Frühjahr 2019 der allseits geschätzte Schulleiter Bernd Mauch überraschend verstarb, stand die Schule mit rund 70 Kindern ohne Leitung da. ­Maren Spachmann-Koch wünschte sich, ihre Kollegin Evelin Schwegler solle die kommissarische Leitung übernehmen, Evelin Schwegler dachte genau umgekehrt. „Jede hat an die andere gedacht“, sagt Maren Spachmann-Koch. „Dann haben wir es beide zusammen gemacht.“ Als beide für 2020 endlich wieder ein ruhigeres Fahrwasser erhofften, kam Corona.

Zum 1. August 2020 hat das Regierungspräsidium Stuttgart nun Maren Spachmann-Koch, Jahrgang 1983, als neue Rektorin eingesetzt - was auch ganz im Sinne von ­Evelin Schwegler war, die dem Ruhestand schon etwas näher ist. Die offizielle Einsetzung beim Staatlichen Schulamt Nürtingen steht noch aus, doch die Gemeinde Neidlingen wollte die neue Rektorin schon vorab in einem kleinen Festakt in der Kelter willkommen heißen.

„Ich habe Ihren Kolleginnen und Ihnen dafür, wie Sie die Kinder in der Trauerbewältigung betreut und begleitet haben, bereits mehrfach Anerkennung und Respekt ausgesprochen“, sagte Bürgermeister Klaus Däschler. „Sie alle haben, zusammen mit der Pfarrerin und Religionslehrerin Ute Stolz, die Kinder in der Krise aufgefangen und an die Hand genommen. Das ist in Worten nicht annähernd zu würdigen.“

Wenn er die Kinder bei den Einschulungen und auf dem Pausenhof beobachte, dann sei sein Eindruck, die allermeisten gingen sehr gerne zur Schule. „Sie lassen, so mein Bauchgefühl, nichts über ihre Lehrerinnen kommen.“ Klaus Däschler lobte die Initiative der Schule und der Eltern: „Am Medienentwicklungsplan sind wir dran. Bis dieser greift, haben Sie sich mit gebrauchten Endgeräten und entsprechendem Zubehör behelfsweise versorgt. Dies zeugt von Eigeninitiative und der Bereitschaft, etwas zu bewegen.“

Pfarrerin Ute Stolz hat nun ein helles Quadrat auf ihrem nachgedunkelten Sekretär. Dort hing 18 Jahre lang der gedruckte Segen, den sie zu ihrem Amtsantritt in Hepsisau bekommen hatte. Nun gab sie ihn an die neue Rektorin weiter. „Wir werden zusammen für das Wohl und die liebevolle Betreuung der Kinder hier arbeiten.“

„Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Ihnen“, sagte Benedikt Gläß, der für die Eltern sprach. Die neue Schulleiterin übe ihr Amt gerne, mit ganzem Einsatz und stets mit einem offenen Ohr aus. Die Eltern hatten bei Schülern und in der ganzen Gemeinde Grußkarten gesammelt und an einem großen Herz aufgehängt. So eine völlig handgeschriebene Karte hat noch viel mehr Charme als eine vorgedruckte - auch wenn da einmal „Glügwunsch“ geschrieben war.

„Das ist völlig überwältigend“, sagte die neue Rektorin zum Empfang. Die Mutter einer Tochter und eines Sohns war zuerst an einer Schule in der Innenstadt von Nürtingen tätig, dann in Stuttgart-Feuerbach und in Dettingen. „Das ist eine ganz andere Welt“, sagte sie zu Neidlingen. „Ich kenne alle Kinder, die zu uns auf die Schule gehen, das ist ein unschätzbarer Wert.“ Die neue Aufgabe, zuerst kommissarisch, sei ein Sprung ins kalte Wasser gewesen. „Ich habe vieles in der Praxis gelernt und viel Unterstützung erfahren.“

Mit Kindern hat die neue Rektorin schon immer gerne gearbeitet, nach dem Abitur machte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem integrativen Kindergarten. „Ich wollte an eine allgemeinbildende Schule und arbeite gerne mit Grundschülern.“ Die Kinder in einem Ort wie Neidlingen würden ganz anders aufwachsen als die Stadtkinder, sagt sie. „Ich habe viele Ideen für die Schulentwicklung.“ Umsetzen will sie diese Ideen natürlich gemeinsam mit dem überschaubaren, siebenköpfigen Kollegium - sie selbst und Pfarrerin Ute Stolz mitgerechnet.

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