Weilheim und Umgebung

„Das ist wie ein Blick in die Glaskugel“

Unmut In Ohmden warten dieses Jahr noch neun Kinder auf einen Kitaplatz. Eine Mutter aus der Gemeinde hat nun einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Auch in den Nachbarkommunen sind die Plätze belegt. Von Lena Bautze

Bei jedem Wetter das beste daraus machen, das werden bald auch Kinder im Naturkindergarten in Ohmden lernen.  Symbolbild
Bei jedem Wetter das beste daraus machen, das werden bald auch Kinder im Naturkindergarten in Ohmden lernen. Symbolbild

Viele Familien werden in den nächsten Jahren nach Ohmden ziehen, denn das Neubaugebiet „Grubäcker 2“ ist für viele Familien attraktiv. Um Betreuungsangebote zu schaffen, gibt es ab März einen Naturkindergarten. Doch 2020 sind bereits neun Kinder auf der Warteliste der über Dreijährigen.

Laut Bürgermeisterin Barbara Born sind im dieses Jahr nur sieben Kinder eingeschult worden, außerdem sind zwei Erzieherinnen ausgefallen und Corona hat die Situation auch nicht verbessert. „Als im März zu befürchten war, dass die Zahl der Anmeldungen die Zahl der Betreuungsplätze übersteigt, wurde der Bauantrag für den Naturkindergarten eingereicht“, erklärt sie. Langfristiger könne man nicht wissen, wie viele Kinder angemeldet werden: „Das ist wie ein Blick in die Glaskugel.“

Mutter eines der Kinder auf der Warteliste ist Ann-Kathrin Haas. Die Ohmdenerin ist sauer. Ihr geht es vor allem um die Entwicklung ihrer Tochter. „Meine Kleine möchte so gerne mit ihren Freunden im Kindergarten spielen. Es ist wichtig, dass Kinder das soziale Miteinander üben.“ Viele Kinder hätten in der Zeit des Lockdowns gelitten, so auch die Dreijährige von Familie Haas. Zwar nimmt die Ohmdenerin Mutter-Kind-Angebote war, doch das sei nicht dasselbe.

Das kann keine Lösung sein, findet zumindest Familie Haas. Vor allem stört sie, dass ihnen der erhoffte Platz kurzfristig abgesagt wurde. Es gab einen größeren Bedarf an Plätzen, die neu verteilt werden mussten. Hierzu hat die Gemeinde einen Fragebogen an alle Familien geschickt bei dem die Eltern unter anderem angeben konnten, wie viele Stunden sie pro Woche arbeiten.

Nach einem internen Punktesystem der Gemeindeverwaltung wurde entschieden, welche Kinder einen Platz bekommen und welche warten müssen. Ann-Kathrin Haas‘ Tochter landete auf Platz acht der Warteliste.

Jetzt hat die Mutter einen Rechtsanwalt eingeschaltet, denn jedes Kind hat vom vollendeten dritten Lebensjahr an bis zum Schuleintritt einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Falls im Wohnort kein Platz mehr ist, ist es laut dem Esslinger Landratsamt zumutbar, dass Familien für die Fahrt zu einer Kindertageseinrichtung einen Fahrweg von bis zu 30 Minuten einfach zurücklegen müssen. Somit hätte Familie Haas auch einen Rechtsanspruch in den Nachbarorten, doch auch dort war sie nicht erfolgreich: „Wir haben alle Kommunen angerufen, aber es war kein Platz mehr frei. Sie sind selbst schon voll belegt.“ Auch das Landratsamt bemerkt, dass es immer schwieriger für Kommunen ist, allen Kindern, die älter als drei sind, einen Betreuunungsplatz anzubieten.

Familie Haas muss jetzt warten, bis Plätze im Kindergarten frei werden. Das ist laut Barbara Born dann der Fall, wenn der Naturkindi im März in Betrieb geht. „Möglicherweise wechseln einige Kinder in den Naturkindergarten.“ Doch was in einem halben Jahr sein wird, kann man in der aktuellen Lage kaum sagen; es bleibt ein Blick ins Ungewisse.

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