Weilheim und Umgebung

Das Publikum lacht immer an anderen Stellen

Gewohnt humorvoll: Manfred Bomm liest zum elften Mal in der Weilheimer Bücherei, diesmal aus dem Krimi „Todesstollen“

Eine kurzweilige Lesung erlebten die Besucher im Weilheimer Kapuzinerhaus mit Manfred Bomm.Fotos: Markus Brändli

Eine kurzweilige Lesung erlebten die Besucher im Weilheimer Kapuzinerhaus mit Manfred Bomm. Fotos: Markus Brändli

Weilheim. "Die Leute sollen in einer Lesung ja nicht einschlafen!" Nach dieser Überzeugung hält Kriminalautor Manfred Bomm seine Vorträge. Fest steht: Bei ihm schläft so schnell niemand ein. Im Gegenteil, die Stimmung in der Weilheimer Stadtbücherei war kurzweilig und unterhaltsam, als Bomm aus seinem neuen Roman "Todesstollen" las.

Hätte jemand unter dem Dachgeschoss der Stadtbücherei gestanden und erraten müssen, wessen Lesung dort oben stattfindet, wäre es nicht schwer gewesen, auf den Autor Manfred Bomm zu kommen. Denn das Lachen der Zuhörer verriet, dass Bomm wie üblich neben ausgesuchten Textauszügen auch Anekdoten und ironische Kommentare zum Besten gab. Tatsächlich wusste er auch bei seiner elften Lesung in Weilheim seine Gäste gut zu unterhalten und nie zu viel von seinem Roman preiszugeben. "Das können Sie dann in Ruhe daheim nachlesen", war wohl der häufigste Satz des Abends, mit dem Bomm gekonnt jede spannende Stelle offen ließ, gefolgt von Gelächter und verzweifeltem Seufzen der Gäste.

Dass der Abend so geglückt ist, schreibt Bomm selbst auch der besonderen Atmosphäre im Kapuzinerhaus zu. "Das hier ist viel besser als ein kahl erleuchteter Gemeindesaal", bewundert Bomm die heimelige Umgebung. "Um einen Krimi vorzulesen, muss es abends auch schon dunkel sein. Und das Haus sollte voll sein", lauten seine Zutaten für eine gelungene Lesung.

Die Zeichen standen also gut, als Manfred Bomm um 20 Uhr vorne an seinem Tisch Platz nahm und auf einen ausverkauften Raum blicken konnte. Bücherei-Leiterin Ellen Keller-Bitzer begrüßte ihn herzlich und blickte auf die Tradition zurück, mit der Bomm zu jedem Jahresbeginn die Bücherei aufsucht. "Immer wenn es Herbst wird, rufe ich bei Manfred Bomm an", erzählte sie. "Und jedes Mal ziert er sich ein bisschen und fragt: 'Kommt da noch ebbr? Sollmer des echt macha?' Aber was ich mich nicht trauen würde, ist die Lesung nicht zu machen!"

Wie so oft hat Bomms August-Häberle-Krimi "Todesstollen" Bezug zu aktuellen Ereignissen. Er handelt von einem Mordfall auf der Eisenbahn-Baustelle auf der Schwäbischen Alb, wo die Schnellbahn-Trasse zwischen Stuttgart und Ulm gebohrt wird. Dort werden eines Nachts auf dem Transportband Teile eines menschlichen Körpers aus dem Stollen gefördert.

"Ohne die Zustimmung der Pressestelle des Bahnprojekts gäbe es diesen Roman gar nicht", erzählt Bomm. Er dachte erst, die Zuständigen würden abwinken, doch dann waren sie vielmehr erstaunt, wie gut er schon nachvollziehen konnte, wer auf der Baustelle ein geeignetes Opfer wäre, erzählte der Autor mit Augenzwinkern.

Ihn fasziniert, dass jeder Abend unterschiedlich verläuft, weil jedes Publikum an anderen Stellen lache. Manchmal auch, wenn sie eigentlich gar nicht zum Lachen gedacht war. "Es ist wichtig, eine Lesung witzig zu machen. Es sollten aber keine flachen Witze sein, sondern Dinge, über die die Leute auch nachdenken", sagt Bomm. Lustige Momente schaffte er an diesem Abend jede Menge, indem er alles auf die Schippe nahm, was ihm in den Sinn kam. Die Frage ist: "Ist es überhaupt erstrebenswert, so schnell nach Stuttgart zu kommen?", fragte der Schriftsteller in Bezug auf die Schnellstrecke Stuttgart-Ulm.

Die Angst, dass sein Buch nicht mehr aktuell sein könnte, wenn die Baustelle fertig geworden ist, kennt Bomm nicht. "Das dauert ja auch noch mindestens fünf Jahre", sagte er. "Und hätte ich ein Buch zum Berliner Flughafen geschrieben, hätte ich sogar noch reihenweise Fortsetzungen schreiben können!" Was Manfred Bomms Bücher darüber hinaus einzigartig macht, ist seine originalgetreue Beschreibung von regionalen Orten und sogar dem Wetter, das er aus der Realität übernimmt.

Ob es einen nächsten Häberle-Krimi geben wird, möchte Bomm noch nicht verraten. Fest steht für ihn, dass er wiederkommt – die Frage ist nur, womit. "Nächsten Oktober rufe ich wieder bei Ihnen an", ist sich jedenfalls auch Ellen Keller-Bitzer sicher. Bis dahin gibt es noch anderen Lesestoff von Bomm, nämlich den biografischen Roman "Mein zweites Leben".

Lesung mit Manfred Bomm am 25.Februar 2016, Stadtb?cherei Weilheim seinen neuesten Kommissar-H?berle-Krimi vorstellen.?Todesstol

"Um einen Krimi vorzulesen, muss es abends auch schon dunkel sein. Und das Haus sollte voll sein", meint Manfred Bomm.

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