Weilheim und Umgebung

Das Städtle früher und heute

Vortrag Weilheims Alt-Bürgermeister Hermann Bauer hat bei der „Egelsbergrunde“ Weilheims Vergangenheit beleuchtet – aus seiner ganz eigenen Perspektive. Von Bianca Lütz-Holoch

Hermann Bauer lieferte Einblicke in die Innenstadt vor und nach der Sanierung zahlreicher historischer Gebäude - zum Beispiel de
Hermann Bauer lieferte Einblicke in die Innenstadt vor und nach der Sanierung zahlreicher historischer Gebäude - zum Beispiel den Marktplatz mit dem Bürgerhaus.Fotos: Carsten Riedl/Stadt Weilheim

In seinen fast vier Jahrzehnten Amtszeit hat Weilheims Alt-Bürgermeister Hermann Bauer so einiges im Städtle bewegt - ein Stadtjubiläum hat er allerdings nicht unter seinen Fittichen gehabt. Denn zum Rathauschef war der einstige Neuffener Stadtpfleger drei Jahre nach der 1200-Jahr-Feier gewählt worden. Das doppelte Stadtjubiläum in diesem Jahr wird genau zehn Jahre nach seiner Verabschiedung gefeiert. Für Hermann Bauer ist das Festjahr trotzdem ein Anlass, um die Entwicklung Weilheims aus seiner Perspektive in Wort und Bild zu beleuchten. Getan hat er das nun in der „Egelsbergrunde“, zu der die evangelische Kirchengemeinde einmal im Monat interessierte Senioren einlädt. Außerdem möchte er dieses Jahr noch einen Altstadtrundgang anbieten.

Eiszeitjäger, Alemannen und Zähringer streift Hermann Bauer an dem Nachmittag im Gemeindehaus auf dem Egelsberg nur kurz. Einen Schwerpunkt setzt er dagegen auf die Zeit, als er selbst Bürgermeister in Weilheim war und auf die Jahrzehnte davor, an die sich einige seiner Zuhörer noch gut erinnern können.

„Die Peterskirche hat immer das Stadtbild dominiert“, sagt Hermann Bauer. Schon früher hatte an der Stelle eine Kirche gestanden. Die heutige Peterskirche wurde 1489 im spätgotischen Stil erbaut. „Der Turm war anfangs nur ein Türmchen.“ Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts habe sich das geändert. Ein Bild von 1916 zeigt, wie der Bau früher ausgesehen hat. „Es gab noch die Außentreppe, den Aufgang zur Männerempore“, sagt Hermann Bauer - übrigens auch der Ort, an dem viele Konfirmandenbilder entstanden sind. Seit der Außenrenovierung in den 60er-Jahren ist sie verschwunden. Das Storchennest auf dem Chor der Peterskirche existierte bis zum Zweiten Weltkrieg.

Auch sonst hat sich viel getan rund um den Marktplatz. Noch in den 30er-Jahren war er von Kalkschlamm bedeckt. Später wurde die Oberfläche asphaltiert und zuletzt gepflastert. Ab Ende der 70er-Jahre begann - als Ausdruck der Rückbesinnung auf den Wert der historischen Altstadt - die Sanierung zahlreicher alter Gebäude, die in einer Zeit des Aufschwungs nach der Reformation gebaut worden waren. Am Marktplatz kaufte die Stadt Weilheim in den 80er-Jahren das ehemalige Helferhaus aus dem Jahr 1557, baute es zum Bürgerhaus um und legte dessen Fachwerkfassade frei. Auch das 1580 erbaute Haus in der Marktstraße 5 kaufte die Stadt und verschenkte es - mit der Auflage, es zu sanieren. Heute befindet sich darin ein Restaurant. Schließlich folgte das Kapuzinerhaus aus dem Jahr 1665, das nun die Stadtbücherei beherbergt. „Es ist eines der markantesten und wertvollsten Gebäude Weilheims“, sagt der Alt-Bürgermeister.

„Diese Häuser waren es wert, dass man sie erhält und restauriert“, betont Hermann Bauer. Das gilt auch für das Rathaus aus dem Jahr 1777. Oben befanden sich früher Verwaltungsräume, unter den Torbogen Verkaufsstände. Bis 1956 hatte dort neben der Verwaltung auch die Feuerwehr ihr Domizil. „2008 hat man sich wieder zurückbesonnen und die Torbogen hervorgehoben“, berichtet Hermann Bauer von der jüngsten Sanierung.

Ein weiteres Gebäude, das die Stadt eigens erworben hat, um es zu erhalten, ist die Schlossscheuer als Überrest des ehemaligen Stadtschlosses. Sie dient heute als Veranstaltungsort.

Der Ausflug in die Geschichte reicht noch weiter: von der Erschließung des Wohngebiets Egelsberg in den 60er-Jahren über das Gewerbegebiet Tobelwasen bis hin zum Bildungszentrum Wühle und zur Fortbewegung.

„Zwei Verkehrswege haben Weilheim mitgeprägt: die Eisenbahn und die Autobahn“, so Bauer. 1908 war der Bahnhof eingeweiht worden. Nur gut 70 Jahre später fuhr der letzte Personenzug ein. „Die Stadt hat das Bahngelände damals aufgekauft und frei gehalten - was sicher richtig war“, spielt er auf die aktuelle Diskussion um die Wiederbelebung der Bahnstrecke an.

1937 wurde die Autobahn fertiggestellt. Zwischen 1986 und 1991 kam der neue Albaufstieg. Einer, der bereits in den 50er-Jahren die A 8 nutzte, war übrigens der damalige Weilheimer Bürgermeister Georg Kandenwein, wie Hermann Bauer weiß: „Er hatte schon ein Auto.“ Ohmdens Bürgermeister Walter Kröner dagegen sei noch ohne fahrbaren Untersatz gewesen. „Er durfte immer bei Kandenwein mitfahren.“ Bis vors Haus sei er allerdings nicht gebracht worden: „Das restliche Stück von der Autobahn bis Ohmden musste er laufen.“

Vor der Renovierung war von dem Fachwerk des heutigen Bürgerhauses so gut wie nichts zu sehen.
Vor der Renovierung war von dem Fachwerk des heutigen Bürgerhauses so gut wie nichts zu sehen.
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