Weilheim und Umgebung

Das Tempele wird angestrahlt

25 Städte und Gemeinden beteiligen sich im September am Lichtkunstfestival „Aufstiege“ der Kulturregion Stuttgart

Das Tempele erstrahlt in ganz besonderem Licht: Bad Boll ist dabei, wenn die Kulturregion viele schmucke Orte im wahrsten Sinne des Wortes in ein neues Licht rückt.

Kurgäste, Jogger und Wanderer kennen das „Tempele“ hinter dem Boller Kurpark als verschlafene Stätte mit tollem Ausblick. Errich
Kurgäste, Jogger und Wanderer kennen das „Tempele“ hinter dem Boller Kurpark als verschlafene Stätte mit tollem Ausblick. Errichtet im Jahr 1824, sollte es den Gästen des neuen königlichen Bades zur Erbauung dienen. Jetzt kommt es zu neuem Ruhm.Fotos: Markus Brändli

Bad Boll. Ein Festival der Lichtkunst hat die Kulturregion Stuttgart für drei Wochen vom 16. September bis zum 9. Oktober initiiert. Bad Boll ist der kleinste Ort in dieser Lichterkette, die von Stuttgart bis Schwäbisch Hall und Bad Urach reicht. Regionalrätin Dorothee Kraus-Prause, Mitglied im Vorstand der Kulturregion, hat die Botschaft an ihren Heimatort gebracht. Wie seit Jahren schon. Das Festival bringt der Kur-Gemeinde Lichterglanz und Berührung mit der internationalen Kunstszene.

Ein Japaner und ein Schweizer sind die Akteure in Bad Boll. Hitoshi Kuriyama hat für die Stiftskirche eigens eine Lichtinstallation entwickelt, berichtet Dorothee Kraus-Prause. Im Altarraum werden mundgeblasene und gasbefüllte Röhren leuchten, ganze Röhren und auch zerbrochene, um so auf die Ganzheit zu verweisen. Wie das genau aussieht, wird der Künstler vor Ort festlegen. Ursprünglich war gedacht, den Aufgang zur Stiftskirche zu illuminieren, weil das Thema ja „Aufstiege“ heißt. „Das eignet sich nicht“, sagt Kraus-Prause.

Ein Aufstieg ist es am Tempele, wo Andre Bless aus Winterthur seine Kunst spielen lässt. Er plant eine bewegte Leuchtschrift auf den Stufen. Dafür genügt ein Beamer, den er in ein Klimagehäuse packt. Bless war im Mai schon vor Ort, hat am Szenario getüftelt und denkt auch darüber nach, die Säulen einzubeziehen, sagt Kraus-Prause. Welche Texte, welche Illumination – das wird sich auch hier erst noch herausstellen.

So schön das klingt: Weil das Tempele im Naturschutzgebiet liegt, hat die Naturschutzbehörde im Göppinger Landratsamt Anstoß genommen. Das Licht dürfe Tiere nicht stören. Dorothee Kraus-Prause hofft, dass das ausgeräumt werden kann. Die Veranstalter haben mit einem Gutachten reagiert, das besagt: „Die Lichtstärke ist so gering, dass man keine großen Bedenken haben muss.“ Es gebe ja auch den Betrieb am Schützenhaus unweit davon, mit Autos und Licht und Schießen.

Bürgermeister Hans-Rudi Bührle bekräftigt: „Dort oben ist genug Rummel. Was an Licht zusätzlich kommt, ist nicht viel.“ Bei der Stiftskirche traf die Kunst-Initiatorin auf offene Ohren. „Kirchengemeinde und Pfarrer waren ausgesprochen aufgeschlossen.“ Der Gemeinderat auch: Er stellt 2 000 Euro zur Verfügung.

Am Samstag, 17. September, wird das Lichtkunstfestival eröffnet. Und zwar in Bad Boll um 20 Uhr am Tempele, um 21.30 Uhr in der Stiftskirche. Der Japaner wird dort am Sonntag, 18. September, in einer Matinee mit Orgelmusik seine Kunst vorstellen. Jeden Abend von etwa 20 bis 23 Uhr sind die Bad Boller Kleinode illuminiert. Musik und Literatur setzen weitere Akzente. Am 24. September gibt’s Jazz in der evangelischen Stiftskirche, Anfang Oktober einen literarischen Spaziergang zum Tempele mit Albrecht Esche sowie einen Themenabend mit dem örtlichen Arbeitskreis Kultur, der das Lichtkunstfestival nach Kräften unterstützt. In den traditionellen Bertatag am 3. Oktober sind die Projekte natürlich auch eingebunden.

Begeistert ist Dorothee Kraus-Prause, dass der japanische Künstler in Bad Boll fünf Wochen Station macht und Anfang September einen Workshop für zehn Jugendliche anbietet. Das zielt in erster Linie auf Waldorfschüler. Denn Henning Hauke, Künstler und Lehrer an der Waldorfschule, wird in dieser Zeit Nachbar des Gastes aus Japan sein, der im Alten Schulhaus, im ehemaligen Atelier von Klaus Heider, logiert und dort auch arbeitet.

Bad Boll Tempele
Bad Boll Tempele

Aufstiege: Konzept und Beteiligte

25 Beteiligte: 25 Städte und Gemeinden sind beteiligt am Lichtkunstfestival „Aufstiege“ der Kulturregion Stuttgart. Vom 16. September bis zum 9. Oktober präsentieren sie nach Einbruch der Dunkelheit Installationen und Projektionen auf Treppen und Anstiegen. Die Kunstwerke, von Lichtkünstlern in Szene gesetzt, überraschen an frei zugänglichen Orten. Rund um die Teck: Im Gebiet des Teckboten sind dabei: Ostfildern mit der Landschaftstreppe Scharnhauser Park, Nürtingen mit dem Fabrikschlot Melchiorareal, dem Turm der Laurentiuskirche, dem Neckarwehr, der Oberensinger Höhe, der Schillerlinde und der Zeppelinstaffel, Filderstadt mit dem Uhlbergturm und Bad Boll mit dem Tempele und der Stiftskirche. Kirchheim: Kirchheim sucht man im Reigen der ausrichtenden Gemeinden vergebens. „Zu teuer“, winkt die Oberbürgermeisterin ab. Um die Aufstiege, die die Stadt bietet, doch noch ins rechte Licht zu setzen, setzt die Stadt auf das Jahresthema 2017 des Verkehrsvereins Teck-Neuffen. Auch das heißt nämlich „Aufstiege“ und knüpft an die Kulturregion an. ist

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