Weilheim und Umgebung

Das Voralbgebiet liebäugelt mit Carsharing

Mobilität Das Modell aus dem Kreis Calw ist interessant. Dafür benötigt man aber öffentliche Ladesäulen.

Die öffentliche Ladesäule in Hattenhofen könnte mehr an Bedeutung gewinnen.Foto: pr
Die öffentliche Ladesäule in Hattenhofen könnte mehr an Bedeutung gewinnen.Foto: pr

Region. Im Raum Bad Boll gibt es schon das „E-Bürgerauto Lorenz“, in Eschenbach das „E-Dorfaudole“. Jetzt kann Neues dazukommen: Von Albershausen bis Schlat steht ein E-Carsharing-Modell zur Debatte. Die Voralbgemeinden, die schon früher von Fall zu Fall zusammengearbeitet haben, haben einen Anbieter im Blick, der schon einiges vorweisen kann.

Es handelt sich um den Energieversorger Energie Calw, der das Carsharing-Unternehmen „Deer“ aufgebaut hat. Über 50 Elektroautos, mehr als 60 Ladestationen, über 500 Kunden - so präsentiert sich das Unternehmen im Internet. Und es trifft im Voralbgebiet auf interessierte Rathauschefs. „Das könnte eine Perspektive sein“, sagt der Verbandsvorsitzende für den Raum Bad Boll, Hattenhofens Bürgermeister Jochen Reutter. Auf „Deer“ gestoßen seien die Rathauschefs schon bei einer Bürgermeisterversammlung im Februar. „Eine tolle Geschichte“, nennt es der Zeller Bürgermeister Werner Link.

Voraussetzung allerdings: „Deer“ braucht öffentliche Ladesäulen, sagt Reutter. Die sind im Voralbgebiet noch nicht so häufig. Hattenhofen hat welche, Albershausen auch, in Schlierbach sollen sie kommen. Reutter will seinen Gemeinderat am 7. Mai fragen, wie sich das Gremium dazu stellt. Wenn grünes Licht kommt, könnte das „Deer“-Auto schon im Juni an den Ladesäulen beim Schulparkplatz andocken. In Albershausen ist das schon Gewissheit. Rathauschef Jochen Bidlingmaier freut sich auf neue Zeiten. Wenn er so aus dem Fenster seines Amtszimmers auf die Ladesäulen schaue, seien die immer verwaist, merkte er im Gemeinderat an. Da komme doch so ein Carsharing-Angebot gerade recht. Der Gemeinde entstehen keine Kosten, sagt er, denn die Firma rechne mit dem Stromlieferanten der Ladesäulen ab.

„Diese Autos sind eine Ergänzung zu Bussen und sie machen E-Autos bekannt“, schwärmt Bidlingmaier. Der Nutzer muss sich über eine App registrieren und zahlt Mietkosten. Das Carsharing hat auch noch einen Mehrwert für die Gemeinde: Das E-Auto mache mit dem Wappen von Albershausen kostenlos Werbung. Der Gemeinderat ist begeistert, sagt Bidlingmaier. Am 4. Juni soll das Auto dastehen. „Am Ende tausch’ ich meinen Dienstgolf dagegen ein“, mutmaßt der Rathauschef.

Zell hat dagegen keine öffentlichen Ladesäulen. Das war mal ein Thema für den Gemeinderat, aber das Gremium konnte sich nicht dazu entschließen. „Schade“, sagt Bürgermeister Link, weil es damals Zuschüsse gegeben hätte. Er fände es gut, wenn Zell beim Carsharing dabei wäre. Hieße: 10 000 bis 15 000 Euro für Ladesäulen. „Und zuerst bräuchte man einen Standort“, sagt Link. „Eine Wall-Box am Rathaus wäre eine Mini-Lösung.“ Er favorisiert einen Platz an der Gemeindehalle.

Marco Papatheo (Freie Wähler) schlug einen Platz an der Bushaltestelle Schillerstraße vor, die sowieso umgebaut werden muss. „Das wäre dann erst Mitte nächstes Jahres oder noch später soweit“, sagt Link. „So lange würde ich nicht warten.“ Hans-Ulrich Lay (Bürgerforum) gab zu bedenken: „Wir fangen mit einem Auto an. Aber die Säule ist für zwei.“ Jürgen Schäfer

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