Weilheim und Umgebung

David setzt sich gegen Goliath durch

Sie verschwinden komplett aus den kleinen Ortschaften: Telefonzellen. Erst jüngst hat Neidlingen das Todesurteil über seine letzte öffentliche Zelle gefällt. Jetzt stand eine weitere Kabine auf der Abschussliste, und zwar die im nicht weit entfernten Örtchen Hattenhofen. Ihr sollte es schon zum zweiten Mal an den Kragen gehen. Bereits 2010 hatte die Telekom einen Vorstoß unternommen, sich das längst nicht mehr rentable Häusle vom Hals zu schaffen. Dabei spielte die Zelle seinerzeit noch stattliche 36 Euro im Monat ein und fand deshalb überzeugte Mitstreiter: Der Gemeinderat stellte sich mannhaft vor sie, sie blieb.

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Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Erneut hat das Unternehmen kürzlich um Zustimmung zum Abbau ersucht. Stärkstes Argument: Monatlich finden sich jetzt im Schnitt gerade mal noch 1,45 Euro im Kässchen. 50 sollten‘s schon sein nach Argumentation des Konzerns, die in Neidlingen zum Todesurteil für die Zelle geführt hatte. Doch Hattenhofens Räte blieben auf Kurs: Unisono ließen sie den Konzern abblitzen und sagten damit Nein zur Telekom und Ja zu ihrer Telefonzelle. David lehnt sich gegen Goliath auf - und hofft auf Unterstützung. Einfache Rechnung: Wenn die Bürger eifrig zum öffentlichen Hörer greifen, löst sich das Problem schließlich von selbst. Abstimmung mit Münzen.

Also denn, nicht‘s wie los zur Sillerhalle in der Hattenhofener Hauptstraße und mal wieder ausgiebig mit Tante Erna quatschen. Immerhin steht die Zelle zwar auf einem zentralen Platz, doch einigermaßen lauschig unter einem Birkenblätterdach - eine echte Einladung zu einem gemütlichen Plausch.

Für einen Abbau jedenfalls lassen sich der standhafte Bürgermeister und seine Mitstreiter wohl niemals gewinnen. Sie haben längst einen Plan B: Die Telefonzelle soll ein zweites Leben als Bücherzelle bekommen, wie beispielsweise am Kirchheimer Rossmarkt. So oder so: David setzt sich gegen Goliath durch.

Text und Foto: Irene Strifler