Weilheim und Umgebung

Dem Gold des Gärtners gehuldigt

Kabarettabend Unter dem Motto „Das Jahr des Gärtners“ gab es in Holzmaden musikalische Kleinkunst von Vladi und Christof Altmann. Von Rainer Stephan

Vladi und Christof Altmann strapaziertem mit ihrem Kabarett-Programm beim Obst- und Gartenbau­verein Holzmaden ordentlich die La
Vladi und Christof Altmann strapaziertem mit ihrem Kabarett-Programm beim Obst- und Gartenbau­verein Holzmaden ordentlich die Lachmuskeln. Foto: Rainer Stephan

Es war schon etwas Besonderes, was der Obst- und Gartenbauverein Holzmaden zur Unterhaltung seiner Gäste im Festsaal der Halle sich hat einfallen lassen. Vorsitzender Dieter Liebrich hob in seiner Begrüßungsrede hervor, dass die Einladung zuallererst als Dankeschön für die Teilnehmer am Holzmadener Blumenschmuckwettbewerb gedacht sei. In sein Lob band er die anwesende Bürgermeisterin Susanne Irion und die Gemeinde für die großzügige Unterstützung ein.

Bevor die kulturellen Genüsse auf der Bühne zur Vorführung kamen, konnten sich die Gäste im Saurierzimmer leiblich stärken. Die rührigen Vereinsmitglieder kredenzten schwäbische Vesper und typische Getränke der Region.

Die Chronologie des Gartenjahrs lag dem Programmablauf zugrunde. Es begann mit einer Durchsage der imaginären Gartenfreunde Stuttgart und der von Vladi Altmann ausgerufenen Devise: „Gärtnern ist das größte Vergnügen der Menschheit“. Vorgetragene Zitate bekannter Schriftsteller belegten diesen Anspruch. Sogleich sang sie im Duett mit ihrem Ehemann Christof Altmann die Melodie „In meinem Garten ist es wunderschön“, teils mit Strophen in französischer und englischer Sprache. Altmann begleitete gefühlvoll am Piano.

Die Eheleute sangen und spielten auf schwäbisch und deutsch „quer Beet“ und humorvoll durchs Gartenjahr mit all seinen Erwartungen, Überraschungen und Tücken. So wurde für den an sich „arbeitslosen“ Januar das Erscheinen der ersten Gartenkataloge gepriesen. Dann ging‘s munter und bunt weiter: Seine Leidenschaft für den Rasenmäher traf auf ihre Begeisterung für Tulpen. Auch die Rosen kamen nicht zu kurz.

Im Nu waren die Herzen der Zuhörer erobert. Die schwäbische Volksseele wurde gehätschelt und mit dem „Mir im Süden“-Gefühl stolz der Nation gezeigt, wo quasi der legendäre Barthel den Most holt. Besonders das schwäbisch-pietistische Arbeitsethos wurde beschworen und mit allerlei Ausführungen rund ums Schaffen in Szene gesetzt. Und falls doch irgendwann mal innegehalten werden müsse - so das Credo -, dann bräuchte der Schwabe hierfür allerhöchstens ein „Päusle“.

Relativ teilnahmefreudig

Im Lied über den Spargel, der bekanntlich im Frühling wächst, schien das Duett mit frivolen Anspielungen gefährlich an die Geschmacksgrenze heranzukommen, ehe mit dem Satz „sonscht wird der Kerle no holzig“ die ausschließlich gärtnerische Schlussfolgerung kam. Ebenso im Angebot: Skurriles über den Gartenzaun traf auf bluesige Betrachtungen über Mehltau und Regenwürmer, eine Cabriofahrt zur Tankstelle sowie den Komposthaufen, laut Definition der Altmanns das „Gold des Gärtners“.

Relativ teilnahmefreudig zeigte sich das Publikum. Es wurde geklatscht und zuweilen leise mitgesungen - und beim Lachen sogar das Vorurteil über Schwaben widerlegt, der Volksstamm würde hierzu in den Keller gehen. Wobei, zugegebenermaßen, manchmal der Funke hätte früher von der Bühne ins Publikum überspringen dürfen.

Beim Lied „Zwetschga ra do“ - dem unbestrittenen Höhepunkt des Abends - verschmolzen fernöstliche Klänge, schwäbische Textfragmente, Gestik und Mimik zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk. Kräftiger und spontaner Applaus war hier „der“ verdiente Butter für die beiden Künstler.

Vladislava Altmann gefiel durch ihr schauspielerisches Können, die Vielseitigkeit und ihre ausdrucksvolle Stimme. Hervorragend war die Szene, als sie in südlichen Gefilden schmachtend über den Urlaub am Meer sinnierte, gleichzeitig aber mit ihren Gedanken stets im heimischen Garten war und deshalb nicht schlafen konnte. Genauso gut agierte ihr Mann, der gekonnt sang sowie die Lieder auch mit Akkordeon, Gitarre und Ukulele begleitete.

Es war ein kurzweiliger Kleinkunstabend, der das Gartenjahr aufs Korn nahm und das Zwerchfell der 90 Gäste in keiner Weise schonte.

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