Weilheim und Umgebung

Dem weißen Gold verfallen

Die Keramikkünstlerin Verena Junghans eröffnet am Samstag ihr Atelier in der Weilheimer Marktstraße

Es merkt sich jeden Fingerabdruck, ist schwer zu bearbeiten und geht leicht zu Bruch - dennoch hängt Verena Jungshans‘ Herz am P
Es merkt sich jeden Fingerabdruck, ist schwer zu bearbeiten und geht leicht zu Bruch - dennoch hängt Verena Jungshans‘ Herz am Porzellan. Aus dem edlen Werkstoff fertigt sie detailreich gestaltete Figuren, Gefäße und Gebrauchsgegenstände.Fotos: Deniz Calagan

Weilheim. Beim Wort Keramik liegt der Gedanke an dickwandige Tontassen oder rustikale Teller mit Schlierenglasur nahe. Die Werke der

Neidlinger Keramikkünstlerin Verena Junghans haben mit solcherlei Töpferware aber nicht viel gemein. Die 49-Jährige widmet sich seit Jahren vor allem dem edelsten und empfindlichsten der keramischen Werkstoffe: „Porzellan ist mein Material“, sagt sie und schwärmt: „Ich arbeite liebend gern damit.“

Ihre Liebe zum Porzellan hat Verena Junghans während ihres Studiums an der Freien Kunstschule Nürtingen, der heutigen Freien Kunstakademie, entdeckt. 2008 schloss sie es ab und eröffnete ein Atelier am Bläsiberg. „Die Lage in der Natur war toll, ich konnte dort super arbeiten“, so Junghans, Nun hat es die Künstlerin in die Stadt gezogen. Im Herzen Weilheims möchte sie Interessierten Einblicke in ihr Schaffen geben, aber auch Kurse anbieten. „Zu den Räumen bin ich im Zuge der Innenstadtoffensive gekommen“, freut sie sich. In der Marktstraße dürfe sie nun zu Weilheims Belebung beitragen. „Das Flair hier ist toll“, sagt Junghans: „Jetzt hoffe ich, dass der Funke überspringt.“

Bei Verena Junghans‘ Werken dominiert die Urfarbe des Porzellans: weiß. „Ich mag es unglasiert“, sagt die Künstlerin. Gefäßen lässt sie außen gern die samtige, matte Oberfläche, mit der sie selbst ein ganz anderes Material verbindet. „Porzellan hat für mich Papiercharakter“, beschreibt es die Künstlerin, die sich selbst einfach als „Keramikerin“ bezeichnet. In einer ganzen Serie hat Verena Junghans zudem ihrer Assoziation zu Stoffen Ausdruck gegeben: „Ich habe aus Porzellan Küchentücher und auch Stoffliches mit Reißverschluss geschaffen“, erzählt sie. Letzterer bewegte einen Betrachter sogar zu einem Öffnungsversuch. Auch bei anderen Stücken finden sich immer wieder textile Anleihen – sei es auf den alltagstauglichen Löffeln und Vasen oder den kleinen Glücksscherben, die Verena Junghans aus Porzellanresten gestaltet. Meist arbeitet die Künstlerin frei Hand oder baut die Gefäße aus Platten zusammen. Die Töpferscheibe nutzt sie selten.

Ein Motiv, das immer bei Verena Junghans wieder auftaucht, ist das Porträt. Fein ausgearbeitete, real an mutende Gesichter ragen reliefartig aus den Außenwänden von Gefäßen hervor oder gehören zu porzellanenen Figuren, die an kleine Marmorstatuen erinnern. „Meine figürlichen Arbeiten spiegeln etwas wider“, erklärt Verena Junghans. Mit ihnen wolle sie in den Betrachtern etwas zum Klingen bringen und auf subtile Art etwas ausdrücken. „Mich beschäftigen zum Beispiel schon lange die Lauschangriffe“, so Junghans. Das liege unter anderem auch an ihrer Herkunft.

Geboren und aufgewachsen ist Verena Junghans in Leipzig. Dort arbeitete sie als Sozialpädagogin und machte eine Ausbildung zur Ergotherapeutin. 1996 folgte der Umzug nach Süddeutschland. Eine neue Heimat fand sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Neidlingen.

Gelegentlich fertigt Verena Junghans auch Arbeiten aus Ton an. Doch immer wieder kehrt sie zurück zum „weißen Gold“ – obwohl es so heikel ist. „Porzellan ist sehr schwer zu verarbeiten und bedarf liebevoller Pflege“, weiß Verena Junghans. „Es merkt sich alles – jeden Fingerabdruck.“ Gefragt ist auch viel Handwerk und Wissen rund um Brennprozesse, Glasuren und Trocknung des Materials. Dass Porzellan sozusagen die Diva unter den keramischen Werkstoffen ist, muss Verena Junghans immer wieder erfahren – meist dann, wenn sie nach dem zweiten Brennvorgang den Ofen öffnet. „Es geht viel kaputt“, bedauert sie – und zwar trotz jahrelanger Erfahrung und viel Übung. „Aber wer mit Porzellan arbeitet, braucht eben eine hohe Frustrationstoleranz. Ich habe gelernt, Geduld zu haben und Niederlagen lächelnd einzustecken.“

Am Samstag, 27. Juni, ab 15.30 Uhr lädt Verena Junghans zur Eröffnungsfeier mit Vernissage in ihr Atelier nach Weilheim in die Marktstraße 8 ein. Sie zeigt Keramiken und Porzellankunst. Werner Dannemann macht Musik, die Künstlerin Christel Fuchs stellt Bilder aus. Ab dem Sommer möchte Verena Junghans auch Keramik-Kurse in Weilheim anbieten. Informationen gibt es dann über die Homepage www.atelier-inton.de.

Keramikkünstlerin Verena Junghans
Keramikkünstlerin Verena Junghans
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