Weilheim und Umgebung

Der berühmte Klotz zieht um

Geschichte Christa Frey hat Bürgermeister und Gemeinderat überzeugt: Der Wappenstein des Neidlinger Wasserschlosses wird versetzt. Von Peter Dietrich

Bekommt einen neuen Platz: Der Wappenstein des Neidlinger Wasserschlosses wird demnächst bei der Grünanlage an der Widerholtmühl
Bekommt einen neuen Platz: Der Wappenstein des Neidlinger Wasserschlosses wird demnächst bei der Grünanlage an der Widerholtmühle stehen und nicht mehr vor dem Kindergarten. Archiv-Foto: Peter Dietrich

Von 1821 bis 1826 ist das ehemalige Neidlinger Wasserschloss abgebrochen worden. Zeugnisse hinterließ es jedoch kaum. Ein kleines Stück Schlossmauer ist jedoch noch zu sehen. 2014 kehrte der Wappenstein nach Neidlingen zurück. Nun wird er versetzt.

Wie der Wappenstein nach dem Abbruch des Wasserschlosses zwischenzeitlich nach Kirchheim kam, ist nicht sicher. Wahrscheinlich ist allerdings, dass Revierförster Hafner den Stein zur Verzierung seines Wohnhauses nach Kirchheim überführen ließ - das war wohl Recycling im 19. Jahrhundert. Das inzwischen abgerissene Haus des Försters in der Schlierbacher Straße 7 wurde 1823 erbaut. Der lange unbeachtete Wappenstein am Treppenaufgang wurde wieder entdeckt. Im Jahr 2012 spendete ein Neidlinger Bürger 1 000 Euro und die Gemeinde erwarb den Stein. Mithilfe eines befreundeten Unternehmens schaffte es der Neidlinger Bauhof, den rund 300 Kilogramm schweren Klotz aus Stubensandstein zu verladen und im Bauhof zwischenzulagern.

Der damalige Bürgermeister Rolf Kammerlander kontaktierte den Steinmetz, Bildhauer und Architekten Wolfgang Schmidt aus Aichwald-Aichschieß. Er hatte intensiv an der Restaurierung des porösen Sandsteins im Neidlinger Rathaus gearbeitet und hat in Esslingen die Innere Brücke saniert. Er nahm den Wappenstein in sein Atelier. In Handarbeit befreite er ihn mit dem Schrifthauereisen von der Dispersionsfarbe, bearbeitete ebene Flächen mit einem feinen Karborundum-Schleifstein und die Reliefformen mit Schleifpapier. Am Schluss verbesserte er die Haltbarkeit des Steins mit Steinfestiger und Imprägnierer.

Ersatz für den Kindergarten

So steht der Wappenstein nun seit 2014 vor dem Neidlinger Kindergarten und zeigt seine beiden zugeneigten Wappen, links das des Ehemanns, Eberhard von Freyberg zu Eisenberg, der das Rittergut Neidlingen erworben hatte, sowie rechts das von Anna von Stein, der Tochter Philipps von Stein zu Jettingen. Die Jahreszahl 1561 verweist auf die neuen Besitzer des Schlosses, nicht auf das Baujahr. Das Neidlinger Wasserschloss wurde bereits vor 1536 erbaut, vermutlich von Wilhelm Fetzer, dem damaligen Ortsherrn von Neidlingen. Wo genau der Wappenstein am Schloss zu finden war, ist unbekannt. Auf den Schlossplänen des Jahres 1795 ist er jedenfalls nicht eingezeichnet.

Der neue Standort sei aber nicht optimal, befand Christa Frey, und schlug Ende April in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats vor, den Wappenstein stattdessen bei der Grünanlage an der Widerholtmühle aufzustellen, die vom Bauhof derzeit umgestaltet wird. So könnten auch Tagestouristen den Stein wahrnehmen. Doch Christa Frey stieß mit ihrem Vorschlag auf Ablehnung. Bürgermeister Klaus Däschler sprach sich dafür aus, den Standort zu belassen. Aber er sagte zu, das Thema in einer nicht öffentlichen Sitzung zu beraten.

Christa Frey ließ nicht locker und reichte im Rathaus mehrere Seiten mit Skizzen und Plänen ein. „Können Sie so gut malen?“, staunte der Bürgermeister. Die Skizzen zeigen, wie der Wappenstein zusammen mit einer Infotafel am neuen Standort präsentiert werden könnte. Den Neidlinger Kindergartenkindern will Christa Frey aber nicht einfach den Stein wegnehmen, sondern ihn durch eine Info-Tafel ersetzen, die den Kindern erklärt, was ein Wasserschloss ist und wie das einst mit den Rittern und der Wendeltreppe zur Prinzessin war.

Gemeinderat Thomas Maier lobte die „liebevolle Vorlage“. Matthias Klein sagte, damit könne die Gemeinde „einen markanten Punkt setzen“. Weitere Befürworter schlossen sich an, da wollte auch der Bürgermeister nicht im Wege stehen: „Die Kosten sind überschaubar, die Versetzung können wir mit dem Bauhof selber machen.“ Christa Frey, die erneut als Zuhörerin in der Sitzung war, freute sich, dass nun ein neuer Platz für den Wappenstein gefunden ist, denn sie wollte das schon lange.

Entfernen lassen müsste sich der Wappenstein gut: Er ist mit Gewindestangen aus Edelstahl am Fundament aus Stahlbetonplatten befestigt. Das Fundament schaut ein wenig aus der Erde heraus, das ist auch beim neuen Fundament in der Grünanlage wieder ratsam. Sonst würde der Stubensandstein ständig Wasser ziehen.

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