Weilheim und Umgebung

Der exotische Fisch aus der Region schmeckt nicht allen

Landwirtschaft Holzmadens Gemeinderat lehnt die Bauvoranfrage für eine Fischzuchtanlage im Außenbereich ab.

Holzmaden. Der Plan der Holzmadener Landwirte Uli und Mathias Münsinger, eine Fischzucht auf ihrem Land aufzubauen, ist auch in der außerordentlichen Sitzung des Gemeinderats erneut auf Widerstand gestoßen. Für den einzigen Tagesordnungspunkt, der Bauvoranfrage für eine Halle für Fischzucht sowie einem Blockheizkraftwerk auf dem Gewann Breite Wiesen 2, war Uli Münsinger persönlich erschienen.

Bürgermeisterin Susanne Irion machte die Position der Gemeinde noch einmal deutlich, dass sie in dem Projekt städtebauliche Probleme sähe, weil die geplante Halle nicht nur im Landschaftsschutzgebiet liege, sondern auch in unmittelbarer Nähe zu einer Wohnsiedlung in der Rainstraße.

Mehrere Mitglieder des Gemeinderates zeigten sich jedoch interessiert an dem Projekt und wollten den Unternehmern Brücken bauen, etwa mit dem Vorschlag von Rainer Stephan (Holzmadener Bürgerliste, HBL), die geplante Halle weiter Richtung Osten, also weg von der Wohnbebauung zu verlegen. Jochen Wagner, ebenfalls von der HBL, wiederholte seine Bedenken bezüglich einer möglichen Geruchs- und Lärmbelästigung durch die Pumpen der Anlage und durch das Blockheizkraftwerk. Denn auch das wird mit einem Motor betrieben. Andere sorgten sich über etwaige Abwässer aus der Zuchtanlage.

Der Antragssteller schwärmte dagegen von der Nachhaltigkeit des Heizkraftwerks, das mit einem Kilo Baumschnittabfall eine Leistung von einem Kilowatt elektrischer Leistung und zwei Kilowatt Abwärme erzeugen könne. Für ihn sei das nicht nur umweltfreundlich, sondern auch günstig: Der Holzschnitt fällt auf seinem Land ohnehin an. „Es ist eindeutig, dass ein BHKW generell auch in der Landwirtschaft seinen Nutzen hat“, betont er. Damit sieht er auch die Voraussetzungen für eine Privilegierung gegeben. Die gilt, wenn das Blockheizkraftwerk eine „dienende Funktion“ für seinen Betrieb hat. Was die Erweiterung seiner Anlagen betrifft, beruft sich der Landwirt auf den Bestandsschutz, auch wenn die geplante Halle die bestehenden Maße deutlich vergrößern würde.

Die Sorgen, dass durch die Fischzucht Abwässer in den Seebach gelangen könnten, weist er ebenfalls von sich. „Es handelt sich um ein geschlossenes Kreislaufsystem“, erklärte Uli Münsinger. An dem exotischen Fisch, der dort gezüchtet werden solle, gebe es bereits reges Interesse. Außerdem sei das Projekt zukunftsweisend, da die Meere in den nächsten Jahrzehnten leer gefischt sind. „Wir können momentan nicht nachvollziehen, warum das gedeihliche Miteinander nicht umsetzbar ist“, betonte er bereits vorab in einem Schreiben an die Gemeinde.

Landratsamt hat letztes Wort

Auf den Vorschlag einer Verlagerung des Standorts nach Osten ging er im Verlauf der Versammlung nicht mehr ein. Dafür wäre auch ein neuer Antrag nötig, was einige Ratsmitglieder Uli Münsinger auch nahelegten. Da in der Sitzung aber nun über den vorliegenden Antrag eine Entscheidung getroffen werden musste - die Frist für eine Zulassung der Bauvoranfrage läuft Ende des Monats ab - ließ die Gemeindechefin nach einer Stunde lebhafter Diskussion abstimmen. Mit fünf gegen drei Stimmen und zwei Enthaltungen wurde der Antrag abgelehnt.

Den Unternehmer ficht das Ergebnis jedoch nicht an. Er geht nun davon aus, dass das Landratsamt den Antrag trotz der Ablehnung der Gemeinde genehmigen wird. Das Thema Fisch wird die Urwelt-Gemeinde also sicher noch eine Weile beschäftigen. Thomas Zapp

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