Weilheim und Umgebung

Der Gemeinderat spinnt den Leitfaden weiter

Dorfentwicklung In einer Klausurtagung hat sich das Holzmadener Ratsgremium mit Zielen für die Kommune befasst. Die Bürger sollen mitdiskutieren. Von Anke Kirsammer

Zu den städtebaulichen Stärken Holzmadens zählen die Gemeinderäte ortsbildprägende Gebäude wie das Rathaus. Foto: Carsten Riedl
Zu den städtebaulichen Stärken Holzmadens zählen die Gemeinderäte ortsbildprägende Gebäude wie das Rathaus. Foto: Carsten Riedl

Betreuung, Landschaft, Städtebau und Mobilität - das Entwicklungskonzept der Gemeinde Holzmaden beschäftigt sich mit zahlreichen Themen. Anderthalb Tage hat sich der Gemeinderat in einer Klausurtagung dem Programm gewidmet. Damit ist die Gemeinde nicht am Ende eines Prozesses angekommen, sondern es handelt sich um einen Einstieg. „Manches ist noch offen und wird noch mit der Bürgerschaft diskutiert“, erklärt Bertram Roth von der LBBW Immobilien Kommunalentwicklung. Über die Ziele habe man sich relativ leicht verständigen können. „Über das Wie gab es mitunter aber verschiedene Meinungen“, so Roth. Angestrebt wird, die Projekte und Ziele nach der Einbindung der Bürger zusammenzufassen, um für künftige Weichenstellungen einen Leitfaden zu bekommen.

Der demografische Wandel macht auch vor Holzmaden nicht halt. Das verdeutlichen die von Projektleiter Steffen Niehues präsentierten Daten: Davon auszugehen ist, dass bis zum Jahr 2035 die Zahl der unter 60-Jährigen insgesamt betrachtet zurückgeht, die Älteren aber stark auf dem Vormarsch sind. Die Antwort des Gemeinderats darauf ist, Holzmaden als lebendigen Ort zu erhalten und die Einwohnerzahl zu stabilisieren beziehungsweise ein maßvolles Wachstum zu gewährleisten.

Wie die Bestandsaufnahme zutage gefördert hat, stellen die über 20 Vereine im Ort nicht nur zahlreiche Feste auf die Beine, sondern sie leisten mit ihrem bunten Angebot einen großen Beitrag zu einem attraktiven Gemeindeleben und helfen bei der Integration. Dem Ratsgremium zufolge sollen die Vereinsstrukturen aufrecht erhalten und das Bewusstsein für deren Wichtigkeit geschärft werden. Großen Wert legen die Räte unter anderem auf die Jugend- und Seniorenarbeit und darauf, Orte der Begegnung zu schaffen. Dreh- und Angelpunkt ist die Gemeindehalle, deren vielfältige Funktionen die Bürgervertreter sichern wollen. Unter der Rubrik „Miteinander leben“ halten sie einen „Kümmerer“ beziehungsweise Ansprechpartner für Senioren für wünschenswert. Am Herzen liegt ihnen, Ehrenamtliche zu motivieren sowie den Bürgersinn zu stärken.

Der Maßnahmenkatalog eines 2015/16 aufgestellten Lärmaktionsplans, ein Bürgerantrag zu Tempo 30 für die Ortsdurchfahrt und ein Parkierungskonzept sind Themen, die das Gremium unter dem Stichwort „Mobilität“ verfolgen möchte. Ebenfalls zu den Zielen gehören eine verbesserte Busanbindung mit mehr Haltepunkten, eine gute Anbindung nach Weilheim für Radler sowie das Ermöglichen von Car-Sharing.

Innenentwicklung hat Vorrang

Beschäftigt haben sich die Räte auch mit dem Thema „Energie und technische Infrastruktur“. Den Gesamtenergiebedarf senken und langfristig regenerativ abdecken ist die Absicht ebenso wie das Nutzen kommunaler Dachflächen für Fotovoltaik, die Barrierefreiheit für öffentliche Gebäude und insbesondere eine Breitbandversorgung für den gesamten Ort. „Landschaft - Erholung“ lautet ein weiteres Feld, das es zu beackern gilt. Realisieren möchte der Gemeinderat einen Schieferlehrpfad in der kulturell durch die Urweltfunde geprägten Kommune. Die Renaturierung des Seebachs und die Aufnahme in das Biosphärengebiet Schwäbische Alb werden angestrebt.

Bereits in einem Rahmenplan festgezurrt und nun erneut bekräftigt hat das Gremium das Ziel, der Innen- vor der Außenentwicklung den Vorrang einzuräumen. Zu den städtebaulichen Stärken zählen die Gemeinderäte ortsbildprägende Gebäude wie das Rathaus. Im Bereich des betreuten Wohnens sollen - auch abhängig von der Meinung der Bürger - bedarfsgerechte Angebote beziehungsweise eine Seniorenwohnanlage realisiert werden.

Als Pluspunkte im Bereich Gewerbe, Handel, Dienstleistungen werden unter anderem der Branchenmix beim Arbeitsplatzangebot, die Gastronomie und die medizinische Versorgung gewertet. Befürwortet wird eine Beteiligung an einem interkommunalen Gewerbegebiet sowie das Erweitern des Gewerbegebiets Zeller Straße.

Beabsichtigt ist, die Betreuungsqualität „mit Vorzeigecharakter“ an der Grundschule zu erhalten, einen „Bildungscampus“ zu schaffen und die Erwachsenenbildung auszubauen. Wie die Zukunft im Kindergartenbereich aussieht, ist ein Thema, das die Räte seit mehreren Monaten beschäftigt. Nachdenken wollen sie unter anderem darüber, ob langfristig eine Bündelung beider Kindergärten an einem Standort möglich ist. Auch bei diesem Thema sollen die Bürger mitreden.

Die Ideen der Bürger sind gefragt

Bürgerbeteiligung Nachdem sich der Gemeinderat intensiv mit der Zukunft Holzmadens auseinandergesetzt hat, können die Bürger nun darüber diskutieren, wie sich ihre Kommune entwickeln soll.

Bürgerversammlung Unter dem Titel „Bürgerversammlung Holzmaden 2035“ wird am Montag, 17. Juli, um 19 Uhr in der Gemeindehalle über die Erstellung des Konzepts, die städtebauliche Ausgangslage und die Ergebnisse der Klausurtagung informiert. In einer anschließenden Diskussion werden erste Gedanken zu den Schwerpunktthemen eingefangen.

Planungswerkstatt In einer zweiten Beteiligungsrunde ist am Dienstag, 25. Juli, von 19 bis 22 Uhr ebenfalls in der Gemeindehalle ein vertieftes Behandeln der Schwerpunktthemen Kindergarten/Schule, Ortsmitte/Begegnungsmöglichkeiten und Seniorenwohnen/miteinander leben geplant. In den Arbeitsgruppen können die Teilnehmer ihre jeweiligen Ideen einbringen. Wer in einer der drei Arbeitsgruppen mitmachen möchte, sollte sich im Rathaus unter der Telefonnummer 0 70 23/9 00 01-0 beziehungsweise per E-Mail unter der Adresse info@holzmaden.de anmelden.ank

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