Weilheim und Umgebung

Der Hopfen wächst am Albtrauf gut

Ernte 20 Hopfenpflanzen haben die Hilsenbecks vor einem Jahr gepflanzt. Schon die erste Ernte fällt üppig aus. Bei der Arbeit macht sich auch der „Stammtisch 2012“ gerne nützlich. Von Sabine Ackermann

Die Dolden werden hier von Hand vom Stängel gezupft
Hopfenernte hat‘s in sich: Die Dolden werden hier von Hand vom Stängel gezupft. Foto: Sabine Ackermann

Gesetzte Männer, die um einen Tisch stehen und irgendwelche Dolden vom Stängel zupfen, per Hand - das hat was. Männer und Grünzeug, ein seltener Anblick, wenn keine Maschinen wie Heckenschere, Rasenmäher und Co im Einsatz sind. Der Grund ist das Rohmaterial: Hopfen. Genauer, der „Echte Hopfen“, der zum Bierbrauen verwendet und seit Frühjahr 2019 direkt beim „Deutschen Haus“ angebaut und jetzt geerntet wird.

Hans-Dieter und Christoph Hilsenbeck sind beide Braumeister in der gleichnamigen Gruibinger Brauerei, der eine länger und der andere frisch gebacken. Vater und Sohn rücken mit ihrem eigenen Hopfenbau nun noch näher mit Karlheinz Riexinger und dessen Söhnen Michael und Matthias zusammen. „Wir haben alle beschlossen, der Biergarten soll im Kreis einzigartig werden“, sagt der Inhaber der Landgaststätte am Boßler, der bei der Ernte-Premiere fleißig mithilft. Nicht zu vergessen: die Mitglieder vom „Stammtisch 2012“ - eine eng verbundene Truppe, von denen der harte Kern immer da ist, wenn man ihn braucht, eben so wie bei der Hopfenernte. Sie wollen nicht nur dafür sorgen, dass der Bierumsatz in die Höhe schnellt.

„Ich war schon als kleiner Steppke beim Brauen dabei“, verrät Christoph Hilsenbeck, der in Gräfelfing im oberbayerischen Landkreis München die Kunst des Brauens studiert hat. Ein Beruf, der für ihn nicht nur bedeutet, „der Hefe beim Schaffen zuzugucken“. Dazu gehören Planung, Steuerung und Überwachung der Arbeitsabläufe, wo neben dem Einkauf und der Qualitätskontrolle der wertigen Rohstoffe außerdem Gärung und Lagerung, Filtration sowie Stabilisierung eine Rolle spielen. Immer wieder fasst der 24-Jährige mit sichtlicher Begeisterung in den Korb voll praller Dolden. Reibt sie zwischen den Fingern, riecht daran und ist begeistert von Geruch und Konsistenz des „Lupulins“: Unzählige kleine, gelbliche Kügelchen der Hopfendolde, das sind die Drüsen der weiblichen Hopfenpflanze, die dem Bier den typisch aromatischen Bitter-Geschmack geben, es haltbar machen und für Schaum sorgen.

Normalerweise bekommen sie den Hopfen aus Tettnang, doch angesichts des Ertrags der etwa 20 Pflanzen nach einem Jahr sagt Christoph Hilsenbeck zuversichtlich: „2021 werden wir in einer anderen Liga spielen.“ Über zwei Meter sind die Ranken voller Früchte in die Höhe gewachsen. Sind sie älter, können es schon mal zwischen sechs und acht Meter werden. Sie sind Tiefwurzler, die gut zwei Drittel im lockeren Boden mit etwa 40 Zentimeter Abstand eingepflanzt werden und Pflege, Wasser und Sonne brauchen. „Alles absolut biologisch, gespritzt wird da nichts.“ Auch bei der Braugerste schauen die Hilsenbecks auf Qualität: Die Ware kommt von der Schwäbischen Alb.

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