Weilheim und Umgebung

Der Kampf gegen die Beschneidung von Mädchen

Ritus In Afrika werden täglich rund 6 000 junge Frauen an ihren Genitalien verstümmelt.

Holzmaden. Afrika lässt Esther Focking-Stolz nicht los. Heute engagiert sie sich, um den Mädchen und jungen Frauen die grauenvolle Beschneidung zu ersparen, bei der die weiblichen Genitalien teilweise oder vollständig entfernt werden, was meist sehr starke Schmerzen verursacht, unter denen sie meist ihr ganzes Leben lang zu leiden haben. „Dass Mädchen beschnitten werden, wusste ich lange nicht. Die Samburus halten an dieser Tradition fest“, sagt sie. Dabei handelt es sich um den Stamm im Norden Kenias, der zwei Jahrzehnte die Heimat der Fockings war. „In unserer Klinik mussten im Lauf der Jahre viele Frauen aufgrund ihrer Beschneidung behandelt werden, denn gerade beim Entbinden kommt es bei vielen zu Komplikationen durch die starken Vernarbungen. Das Gewebe ist undehnbar“, erklärt die Krankenschwester.

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Zwar ist die Beschneidung in Kenia seit 2002 verboten. „Bis das bei uns da oben ankommt und die Menschen ihre Tradition sein lassen - das dauert“, sagt sie. Meist beschneiden alte Frauen die jungen Mädchen, die von Medizin keine Ahnung haben. „Das ist Geldmacherei“, prangert sie die skrupellose Praxis an, die unabhängig der Glaubensrichtungen Afrikas immer noch an der Tagesordnung ist: bei Christen, Moslems oder Anhängern von Naturreligionen. Täglich werden 6 000 Mädchen beschnitten, in manchen Kulturen ab dem dritten Lebensjahr. „Durch das Fließen von Blut sollen die Mädchen Reinheit erlangen und dadurch als Frauen in die Gemeinschaft der Samburus aufgenommen werden, so der Glaube“, erläutert Esther Focking-Stolz. Die Mädchen verlieren dabei nicht selten viel Blut, und es kommt zu Wundinfektionen, die auch mit einer Blutvergiftung enden. Deshalb sterben regelmäßig junge Frauen an den Komplikationen des Eingriffs.

Um dem entgegenzuwirken, klären sie und ihre Mitstreiterinnen - die Krankenschwestern Lydia und Njelly - in Gatab über die Sinnlosigkeit der Beschneidung auf, auch medizinisches Personal. Es geht vor allem darum, den Mädchen Selbstbewusstsein zu vermitteln. Sie sind schon rein und brauchen die Verstümmelung nicht. „Du bis Kenianerin und musst dem Gesetz folgen. Das steht über dem traditionellen Glauben“, wird den Frauen in den Seminaren gesagt. Da immer mehr unbeschnittene Frauen nicht nur Männer finden, sondern auch Kinder bekommen, wird die Mär entzaubert, dass sie unbeschnitten keine Familie gründen zu können.

Auch die Jungs und jungen Männer müssen durch den Initiationsritus durch. „Alle 13 bis 15 Jahre ist ein Beschneidungsjahr. Ihnen wird öffentlich die Vorhaut beschnitten und die Jungen dürfen nicht weinen“, sagt die Krankenschwester. Gereinigt wird das Messer in Milch. Aids ist deshalb stets präsent. Die Unsinnigkeit wurde erkannt, weshalb jetzt jeder sein eigenes Messer haben muss. Iris Häfner

Info Wer die Aufklärungsarbeit gegen die Frauen-Beschneidung unterstützen will, kann sich näher bei Esther Focking-Stolz informieren, E-Mail: E.Focking-Stolz@gmx.de, Telefon 0 70 23/9 42 03 20.