Weilheim und Umgebung

Der Rastplatz lebt von der Baustelle

Der Rastplatz lebt von der Baustelle
Der Rastplatz lebt von der Baustelle

Weilheim. Der Autobahnparkplatz vor dem Aichelberg: Menschen kommen und gehen, aber sie begegnen sich nicht. – Dafür hat der

Besucher einen tollen Ausblick auf die Tunnelbaustelle. Der Platz wurde schon stark verkleinert und soll im Jahr 2017 komplett gesperrt werden. Momentan ist er allerdings stark frequentiert, trotz Lärm und Baustellenstimmung.

Da ist Paul Maier, der mit seinem Kleintransporter unterwegs ist und sich grade die Beine vertritt. Und während seiner Lockerungsübungen bewundert er die Baustelle. Die sei ja riesig geworden, staunt er, und weiß zu berichten, dass er seit 30 Jahren als Fahrer auf der Straße ist und die Fortschritte gerne beobachte. „Die arbeiten wohl hier 24 Stunden, in der Nacht ist alles hell beleuchtet“, sagt er, und nun wartet er auf einen Begleittransporter, der aus Heilbronn kommt. Er freut sich auf das Ziel: Ravensburg. „Da werde ich nach dem Entladen einen kleinen Abstecher an den See machen.“ Und schon hupt es und beide Fahrzeuge machen sich auf gen Bodensee.

Kinderlachen ist zu hören, und gleich darauf spaziert eine Familie Richtung Sanitäranlagen. Sie erzählen, dass sie am frühen Morgen in Lyon in Frankreich gestartet seien und noch einen weiten Weg vor sich haben bis Bulgarien. Die ICE-Baustelle mit ihren Baggern und Lkws hatten sie bei der Herfahrt schon gesehen. Es war also kein zufälliger Halt. Und richtig: Der kleine Sohn hat große Augen und will sich gar nicht mehr vom Anblick des Bohrkrans lösen.

Mittlerweile gesellte sich Alfred Eisenmann, Geschäftsmann aus Köln, dazu. Zweimal in der Woche ist er auf der Strecke von Köln nach München unterwegs – „ich bin bekennender Liebhaber der Deutschen Bahn und freue mich schon.“ Und flugs sitzt er wieder in seinem Auto. Eine betagte Dame fragt, was da gebaut werde und beklagt sich über den kalten Wind. In ihrer Heimat Südtirol sei zwar auch nicht jeden Tag nur eitel Sonnenschein, aber irgendwie sei das Wetter doch beständiger. Nun freut sie sich wieder auf Schenna bei Meran.

Ein wenig überrascht schaut Brummi-Fahrer Pierre Ducommun aus Rennes in der Bretagne. „Ich bin ein alter Hase“, lacht er, „seit 15 Jahren fast fahre ich von Frankreich nach Ulm.“ Er hat auf dieser Strecke schon so viel erlebt. Jetzt gerade hält er die vorgeschriebene Ruhezeit ein. Für ihn sei die Raststätte vor dem Aichelberg schon fast Stammplatz. „Die Auffahrt auf den Aichelberg ist zeitraubend, wenn man mit 27 Tonnen unterwegs ist, und auf der kurvenreichen Strecke muss man sich sehr konzentrieren.“ Die Rast vor dem Aichelberg ist Kraft tanken, und er findet es interessant, die Baustelle im Halbschlaf zu beobachten. – Es herrscht stets emsiges Kommen und Gehen auf dem Parkplatz, jeder aus anderen Gründen. – Zauneidechsen lassen sich allerdings nicht blicken.FOTO: THOMAS KRYTZNER

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