Weilheim und Umgebung

Der Riese und die Bauabnahme

Kultur mit traumhaftem Ausblick: Sagen und Geschichte auf dem Weinberg an der Limburg

Kultur am Weinberg gab es in Weilheim: Reiner Bauer stellte seinen 35 Besuchern einerseits Wein von der Limburg vor. Andererseit
Kultur am Weinberg gab es in Weilheim: Reiner Bauer stellte seinen 35 Besuchern einerseits Wein von der Limburg vor. Andererseits unterhielt er sie mit Geschichte und mit Sagen aus der Umgebung.Fotos: Peter Dietrich

Weilheim. Ein besonderer Ort, ein besonderer Erzähler und besondere Weine: Das bot sich 35 Besuchern auf dem Weinberg von Rainer Bauer

Peter Dietrich

an der Limburg. Der Lohn des steilen Anstiegs war groß, lag den Besuchern im Weinberg doch Neidlingen zu Füßen, der Reußenstein war genauso im Blick wie die Burg Teck.

Seit fünf Jahren betreibt Hobbywengerter Rainer Bauer gemeinsam mit seiner Frau Eva-Maria seinen Weinberg. Er nutzt ihn auch für kulturelle Veranstaltungen, vom Kindergeburtstag an aufwärts. Diesmal drehte sich alles um Sagen und Gedichte aus der Region. Eigentlich hatte er bei 24 Anmeldungen Schluss machen wollen, doch Großmütigkeit ließen daraus 35 werden. Die Besucher hatten Glück, denn noch war es trocken, mit fortschreitendem Freitagabend wurden die Temperaturen dennoch angenehmer.

Weit weniger angenehm hatte es der stolze König Heinrich IV., den der Papst in Canossa drei Tage lang draußen warten ließ. „Im Januar, ohne Goretex-Stiefel“, wie Bauer betonte. Die beiden Mächtigen schafften dann doch noch ein Gentlemen’s Agreement. Aber als Heinrich IV. endlich zurück in die Heimat kam, war dort schon ein anderer König eingesetzt. Zwei Könige, so Bauer, das bedeute Stress, und der wurde damals mit dem Schwert behandelt.

In der Folge wurde Weilheim eben gemacht, was wiederum Berthold II. von Zähringen Stress machte. Denn der saß auf der Limburg und musste ja seinen Zehnten irgendwoher nehmen. Seine Burg „war nun wie ein Finanzamt in der Wüste“. So kam die Auswanderung ins Badische. „Ohne Weilheim würde es heute kein Freiburg geben, das ist ja eine Zähringer-Gründung.“

Der Weinbau an der Limburg wurde nicht eben gemacht, ist aber heute etwas kleiner als früher: „Es waren 90 Hektar und 500 Wengerter“, sagt Bauer. Heute teilen sich 20 Hobbyweingärtner zwei Hektar Fläche. Warum die Besucher Spätburgunder Spätlese aus dem Jahr 2015 trinken? Ihnen bleibt nichts anderes übrig, vom 2014er-Jahrgang ist nämlich nichts mehr da. Der Wein, der für Bauer „zur Landschaft und zum Wetter passt“, ist jedes Jahr ausverkauft. Bauer zeigt auf das Bild von der Stiftung der Weilheimer Peterskirche auf dem Etikett des Weiheimer Silvaners Spätlese. Vorne knien Berthold II. und Graf Ulrich von Aichelberg. „Das Stifterbild ist gelogen, wie die heutige Werbung auch, die beiden sind sich nie begegnet.“

Nächste Geschichte, dieses Mal aber ein Sage: Da fehlt noch ein Nagel? Nein, so bekam der Reußenstein keine Bauabnahme, da ist der Riese konsequent. Das ist die Chance für den fleißigen, aber armen Schlossergesellen, der sich vom Riesen hochheben lässt, den Job vollendet und als reich belohnter Mann endlich die Tochter des Meisters heiraten kann. Er mag die Freude und Lust empfunden haben, über die auch Eduard Mörike gedichtet hat, und dies laut Bauer nur auf der Alb getan haben kann – auf der Teck.

Die Sage vom Drachen auf der Limburg sagt viel über die heutige Politik aus, auch in dieser Sage wird mit zweierlei Maß gemessen. Jeden Samstag wird der Drache mit einer Jungfrau gefüttert. Diese wird am Donnerstag zuvor ausgelost, das Jammern ist groß. Doch eines Tages fällt das Los auf eine Königstochter. Da, ganz plötzlich – und nicht vorher, als es noch keine „Großkopfeden“ traf –, kommt ein Ritter in blitzender Rüstung und machte dem Drachen den Garaus. Doch anstatt anschließend die gerettete Königstochter zu ehelichen, ist der Ritter, so Bauer, „freiwillig gegen Neidlingen fortgeritten“.

Bevor auch die Besucher sich aufmachen, gibt es noch die Sage von der gütigen Sybille von der Teck, deren grenzenlose Liebe und Güte sich leider nicht auf ihre drei missratenen Söhne übertragen hat – und den Rat, den Spätburgunder nicht zu warm zu trinken – und nur solange er ein Genuss ist. Der Werbeblock für den Weilheimer Wein fällt ganz knapp aus, dieser Wein hat zu viel Werbung gar nicht nötig.

Geschichten und Sagen um die Limburg, erzählt und gelesen auf dem Weinberg von Rainer Bauer (im Bild) - hinten schaut der Reußen
Geschichten und Sagen um die Limburg, erzählt und gelesen auf dem Weinberg von Rainer Bauer (im Bild) - hinten schaut der Reußenstein hervor, um ihn ging es in den Sagen ebenfalls
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