Weilheim und Umgebung

Der Trend geht zur Urne

Bestattung Ohmden richtet das Angebot auf seinem Friedhof an der veränderten Nachfrage aus und kalkuliert die Gebühren neu. Die Grabkosten steigen zum Teil erheblich – mit Grund. Von Bianca Lütz-Holoch

Die neue Urnenwand in Ohmden ist gefragt. Vorgelagert sind zwei Pflanzbeete, die als Urnenhain dienen sollen. Foto: Carsten Ried
Die neue Urnenwand in Ohmden ist gefragt. Vorgelagert sind zwei Pflanzbeete, die als Urnenhain dienen sollen. Foto: Carsten Riedl

Die neue Urnenwand in Ohmden kommt an. „Sie wird mehr und mehr nachgefragt“, sagt Bürgermeister Martin Funk: „Damit haben wir offenbar einen Nerv getroffen.“ Zwar ist es schwierig, bei der geringen Zahl an Bestattungen in Ohmden – meist weniger als zehn pro Jahr – einen echten Trend auszumachen. Die Richtung ist für Funk aber klar: „Es läuft eindeutig auf die Urnen raus.“ So wurde zwischen 2011 und 2015 kein einziges neues Erdreihengrab belegt. 2013 gab es sogar ausschließlich Urnenbestattungen.

Auf diese Entwicklung hat die Gemeinde mit ihrer Neukonzeption des Friedhofs reagiert und zusätzlich zu den bisherigen Urnengräbern die Urnenwand sowie Urnenhain-Gräber in zwei Pflanzbeeten geschaffen. Damit, und mit der Vielfalt an Grabarten in Ohmden allgemein, ist auch der Gemeinderat zufrieden.

Ein paar kritische Stimmen gab es nun allerdings, als Sylvia Ruff von der Weilheimer Stadtkämmerei dem Gemeinderat die neue Kalkulation vorlegte: „Der Preisanstieg bei den Erdgräbern ist zu hoch“, fand Wolfgang Lutz, und erhielt Zustimmung von Benjamin Döbel. 2 900 Euro kostet künftig ein Erdreihengrab. Bisher fielen dafür lediglich 1 700 Euro an.

Gründe für den Anstieg gibt es mehrere: „Der Kostendeckungsgrad des Friedhofs ist zu gering“, sagt Martin Funk. Jahrelang lag er bei rund 30 Prozent, 2015 waren es nach einer Erhöhung immerhin schon 54 Prozent. Aber das reicht nicht: „Das Minimum sind 70 Prozent“, so Funk. Wird diese Marke unterschritten, könnte die Gemeinde künftig Probleme bekommen, wenn sie Landeszuschüsse braucht. „Geld, wie etwa für die Sanierung der Gemeindehalle, gibt es nur, wenn eine Kommune ihre Hausaufgaben gemacht hat“, verdeutlicht Michael Nagel, stellvertretender Stadtkämmerer Weilheims. Dass in Ohmden einiges pro Grab anfällt, liegt auf der Hand: Weil es so wenige Sterbefälle gibt und verstärkt auch auswärts und alternativ bestattet wird, müssen die laufenden Kosten – etwa für Friedhofspflege und Aussegnungshalle – auf wenige Gräber umgelegt werden.

Zum anderen soll es in Zukunft keine Ungleichheiten mehr beim Kostendeckungsgrad der verschiedenen Angebote geben. „Man versucht, es gerechter zu machen“, verdeutlicht Sylvia Ruff. Bisher hatten die Urnen die Erdgräber subventioniert. „Bei den Urnen hatten wir einen Kostendeckungsgrad von 90 Prozent, bei den anderen Gräbern von 50 oder 60 Prozent“, so Funk. Dass Urnengräber je nach Art nur 500 bis 1 100 Euro kosten und damit erheblich günstiger sind als Erdgräber, hat ganz einfache Gründe: „Sie brauchen weniger Platz und die Liegezeiten sind wesentlich kürzer.“

Für das Gros des Gemeinderats stand fest, dass die neue Gebührenordnung Sinn macht. „Wir können es uns nicht leisten, jedes Jahr beim Friedhof ordentlich draufzulegen und woanders fehlt das Geld“, so Andreas Rückschloß. Das fand auch Jörg Spielvogel und erinnerte daran: „Wir müssen auf die Kostendeckung achten, denn wir sind massiv auf Zuschüsse von außen angewiesen.“

Ein Angebot wird es in Ohmden übrigens künftig nicht mehr geben: die gärtnerbetreuten Urnengräber. „Bisher hatte noch keiner Interesse daran“, sagt Martin Funk. Deshalb habe die Württembergische Friedhofsgärtnergenossenschaft – die mit der Betreuung beauftragt war – mitgeteilt, dass sie das Projekt in Ohmden für wirtschaftlich nicht sinnvoll halte.

Anzeige