Weilheim und Umgebung

Der Wald und seine Problemzonen

Forstwirtschaft Bei einem Rundgang gibt Weilheims Revierförster Markus König Einblicke in den Forst und informiert über Schwachstellen sowie Zukunftsperspektiven. Von Bianca Lütz-Holoch

Symbolfoto

Ihren Wald im Blick haben Förster natürlich immer. Aber alle zehn Jahre schauen sie besonders genau hin. Nämlich immer dann, wenn die neue Forsteinrichtung ansteht, der Zehn-Jahres-Plan für den Wald. In Weilheim ist es dieses Jahr wieder so weit. Das hat Revierförster Markus König zum Anlass genommen, Gemeinderat, Bürgermeister und Jagdpächtern bei einer Tour durch den Egenfirst zu erläutern, wo­rauf es künftig ankommt und wo der Wald seine Problemzonen hat.

Ganz klar: Das Kapital des Waldes sind die dicken Eichen. Kommt ein makelloser, furnierfähiger Stamm unter den Hammer, erzielt er bis zu 2 000 Euro pro Festmeter. Zum Vergleich: Eine Standard-Buche bringt 70 Euro. Allerdings gibt es nur noch wenige von den alten, wertvollen Eichen. Markus König bringt deshalb immer nur kleine Chargen auf den Markt.

Nun möchte der Förster den Anteil der Eichen im Weilheimer Wald erhöhen: „Im Moment haben wir 14 Prozent Eichen. Unser Ziel ist es, auf 20 Prozent zu kommen.“ Denn die Baumart hat neben ihrem Wert einen weiteren großen Pluspunkt: „Eichen lieben Wärme. Das heißt, sie kommen auch mit einer potenziellen Klimaerwärmung zurecht“, so König.

Aber die Sache hat auch einige Haken: „Eichen sind teuer in Anbau und Pflege“, weiß der Förster. Unterstützt man sie anfangs nicht, werden sie von den Buchen verdrängt oder vom Wild gefressen. Zudem braucht eine Eiche mindestens 180 Jahre, bis sie erntereif ist.

Sein Augenmerk legt der Förster deshalb auch auf andere Baumarten. „Wichtig ist es, das Nadelholz zu erhalten“, sagt er. „Es ist unser zweites Standbein, das Geld bringt.“ Fichte, Tanne oder Douglasie sind nicht nur als Bauholz gefragt. Auch das Verhältnis zwischen Kosten und Erlös ist günstig.

Ganze Schollen in Bewegung

Viele Fichten leiden jedoch unter den Wetterextremen. „Sie eignen sich nicht für jeden Standort“, so König. Ein Teil wird deshalb durch Eichen und Douglasien ersetzt. „Douglasien sind zwar kein Allheilmittel, aber eine Option bei wärmerem Klima“, sagt Markus König. Dort, wo es feuchter ist, wurden auch Fichten nachgepflanzt. Das Rehwild lässt die pieksenden Setzlinge zwar in Ruhe. Hilfe brauchen sie dennoch. „Diesen Sommer mussten wir sogar gießen“, so König. Dazu kommt, dass Brombeeren die kleinen Pflanzen überwuchern und beseitigt werden müssen.

Eingreifen müssen die Förster auch an anderen Stellen. Zum Beispiel dort, wo sogenannte „Z-Bäume“ wachsen. Das sind wertvolle, am Stamm astfreie Bäume, die versprechen, wertvoll zu werden. Ihnen muss man die Konkurrenten vom Leib halten und gleichzeitig darauf achten, dass ihre Stämme trotzdem von kleinen Bäumen beschattet werden.

Ein spezifisches Problem am Egenfirst sind Hangrutschungen. „Hier sind ganze Schollen in Bewegung“, sagt Markus König. 2013 wurden etliche Bäume mitgerissen. Sie mussten ungeplant und verfrüht geschlagen und vermarktet werden. Das ist nur eine der vielen Unwägbarkeiten in der Forstwirtschaft. Auch der Borkenkäferbefall gehört dazu, und vor allem das Eschentriebsterben, das in ganz Europa grassiert. Im nächsten Jahrzehnt müssen etliche kranke Eschen gefällt werden. „Wir wollen trotzdem versuchen, die Baumart zu erhalten“, sagt Anton Watzek, Leiter des Forstamts im Kreis Esslingen. Hoffnungslos ist das aus seiner Sicht nicht: „Immerhin ist ein Prozent der Bäume immun gegen die Pilzerkrankung.“

"In Zukunft werden wir mit dem Wald nichts mehr verdienen"

Daueraufgabe bleibt der Schutz der Jungpflanzen vorm Wild. Dabei nutzen die Förster auch Schutzgitter und Röhren, die allerdings Kosten und Aufwand verursachen. „Wir sind deshalb auf die Unterstützung der Jagdpächter angewiesen“, betont Markus König.

Angesichts all dessen steht für Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle eines fest: „In Zukunft werden wir mit dem Wald nichts mehr verdienen. Der Aufwand steigt und der Ertrag bleibt maximal gleich.“

Nachhaltigkeit und der Weilheimer Forst

Gebiete Der Weilheimer Wald ist in sechs Distrikte eingeteilt. Die Fläche, auf der Bäume stehen, umfasst 311 Hektar.

Holzarten Rund 20 Prozent des Weilheimer Walds besteht aus Nadelbäumen. Die meisten davon sind Fichten, dann folgen Douglasien, Kiefern und Lärchen. Beim Laubholz machen die wertvollen Eichen aktuell etwa 14 Prozent aus. Künftig sollen es bis zu 20 Prozent sein. Zwölf Prozent entfallen auf die ebenfalls nachgefragten Eschen, die allerdings massiv durch das Eschentriebsterben bedroht sind.

Nachhaltigkeit Der Begriff, der heute in so vielen Bereichen verwendet wird, stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Geprägt wurde er 1713 vom Oberberghauptmann in Kursachsen, Hans Carl von Carlowitz, als wegen der Waldvernichtung große Holznot herrschte. Er forderte, nur so viel Holz abzubauen, wie auch wieder nachwachsen kann.

Forsteinrichtung Gesichert werden soll diese Nachhaltigkeit durch eine mittelfristige Planung und Betriebsabschätzung, der so genannten Forsteinrichtung. Sie wird alle zehn Jahre verabschiedet. In Weilheim steht die Zehn-Jahres-Planung dieses Jahr wieder an. bil

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