Weilheim und Umgebung

Die Buckelpiste wird asphaltiert

Bissingen saniert das Straßenpflaster in der Ortsmitte – Barrierefreie Bushaltestellen

Er sollte für eine ortsbildprägende Dorfmitte sorgen. Doch der Pflasterbelag zwischen altem Rathaus und alter Schule ist zum Ärgernis der Jahre geworden. Jetzt will die Gemeinde Bissingen diesen Bereich sanieren.

Bushalt vor dem alten Bissinger Rathaus: Hier lässt die Gemeinde ebenso wie gegenüber vor dem neuen Rathaus barrierefreie Haltes
Bushalt vor dem alten Bissinger Rathaus: Hier lässt die Gemeinde ebenso wie gegenüber vor dem neuen Rathaus barrierefreie Haltestellen bauen. Zuvor wird die gepflasterte „Buckelpiste“ durch Asphalt ersetzt.Foto: Jean-Luc Jacques

Bissingen. Was in den 1980ern in vielen Ortschaften und Städten Mode wurde, weil es angeblich zum dörflichen Charakter passte oder das mittelalterlich geprägte Stadtbild erhielt, stellte sich in manchen Kommunen über die Jahrzehnte als Sanierungsgrab heraus. Auch die Seegemeinde Bissingen wertete vor rund 30 Jahren ihre Ortsmitte im Rahmen der ersten Ortskernsanierung optisch mit einem Porphyrpflaster auf. Es sollte auch den Verkehr zwischen dem alten Rathaus und der alten Schule beruhigen.

Sehr schnell stellte sich jedoch heraus, dass die über das Kopfsteinpflaster rollenden Blechkarossen nicht leiser, sondern für die Anwohner lauter wurden. Immer wieder lösten sich Pflastersteine und das Ganze wurde zur Buckelpiste. Von 1988 bis 1993 ließ die Gemeinde den maroden Straßenabschnitt im Rahmen der Gewährleistung mehrfach sanieren. Allein, es half wenig. 1995 sollte eine Dehnfuge für Ruhe im Pflaster sorgen. Auch das war nicht der Weisheit letzter Schluss. 1999 dann atmete der Gemeinderat tief durch und entschied sich, ein letztes Mal das Pflaster für 22 000 Mark zu sanieren.

Der Versuch schlug fehl, die Mängel wurden drei Jahre später behoben und auf einer kleinen Fläche eine neue Art getestet, die Schäden zu beheben. Doch auch 2004 änderte sich nichts am gesamten Dilemma, und die Bürgervertreter kamen erneut ins Grübeln. Die Steine mit Brechsand zu verfugen, das sollte Abhilfe schaffen. Rund 15 000 Euro blätterte die Gemeinde dafür hin. 2007 lief die Gewährleistung ab, die für Teilflächen von der ausführenden Firma übernommen worden war. Seither verfugte die Kommune mehrfach das Pflastergebilde mit Brechsand, die Schäden traten dennoch auf und wurden immer massiver. „Aus wirtschaftlicher Sicht irreparabel“, meinte dazu Bissingens Bürgermeister Marcel Musolf. Frühzeitig kommunizierte er dem Ratsgremium, dass für ihn kein neues Pflaster mehr infrage kommt, und der Gemeinderat schloss sich dem an.

Nun wollen Verwaltung und Räte Nägel mit Köpfen machen. Gemeinsam mit Verkehrsplanern und dem örtlichen Busunternehmen untersuchten sie Lösungen für die Gestaltung von barrierefreien Bushaltestellen am alten und neuen Rathaus. Das alte Porphyrpflaster wird durch Asphalt ersetzt.

Die Kommune rechnet für die gesamte Sanierung mit Kosten in Höhe von rund 150 000 Euro. Allein die Asphaltvariante wurde auf rund 90 000 Euro geschätzt.

Derzeit prüft das Regierungspräsidium Stuttgart, ob die Neugestaltung im Rahmen der Ortskernsanierung III förderfähig sein könnte. Das Land kündigte überdies ein Sonderprogramm „Barrierefreiheit im ÖPNV“ an, auf das sich Kommunen bewerben können. 10 000 Euro gäbe es für eine barrierefreie Bushaltestelle. Bissingen prüft, ob es einen Förderantrag stellt.

Noch vor der Sommerpause will Bürgermeister Marcel Musolf die Bürger bei einem Informationsabend über die gesamten Maßnahmen informieren.

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