Weilheim und Umgebung

Die Kleiderkammer ist umgezogen

Soziales Gebrauchte Kleidung, Haushaltswaren, Kindersachen und Bücher aus zweiter Hand werden in Weilheim jetzt in der Hofstraße 2 angeboten. Am Samstag gibt es dort einen Tag der offenen Tür. Von Bianca Lütz-Holoch

Das Stammteam der Kleiderkammer: Birgit Wilcke, Andrea Lube und Tina Schmid (von rechts) sortieren Damenkleider ein.Foto: Carste
Das Stammteam der Kleiderkammer: Birgit Wilcke, Andrea Lube und Tina Schmid (von rechts) sortieren Damenkleider ein.Foto: Carsten Riedl

Hell und aufgeräumt wirken die Räume. Jacken, Hosen und T-Shirts hängen ordentlich auf Bügeln an Kleiderständern. Töpfe, Küchengeräte, Spiele und Bücher stehen in Reih und Glied in den Regalen. Ein großer weißer Tresen gegenüber der Eingangstür dient als Kassenbereich. In den Sommerferien hat die Weilheimer Kleiderkammer ihr neues Domizil in der Hofstraße 2 bezogen. „Wir sind sehr zufrieden mit den Räumen“, sagt Andrea Lube, die mit Birgit Wilcke und Tina Schmid zum ehrenamtlichen Stammteam der Kleiderkammer gehört.

In den vergangenen Jahren hatte die Kleiderkammer das ehemalige CVJM-Vereinsheims in der Forststraße mietfrei nutzen dürfen. Dann jedoch kam die Nachricht, dass das Haus verkauft und abgerissen wird. Es stand fest: Die Kleiderkammer muss raus. Eine schwierige Suche nach neuen Räumen begann, an der sich die Stadt Weilheim ebenso beteiligte wie die Ehrenamtlichen. Groß genug sollten sie sein, zentral gelegen und natürlich möglichst günstig.

Nun ist eine Lösung gefunden. Die Stadt Weilheim hat das Haus in der Hofstraße 2 gemietet und vermietet die rund 130 Quadratmeter im ersten Stock an die Kleiderkammer weiter. Bis zum vergangenen Jahr hatte sich dort eine Arztpraxis befunden. Umgezogen ist die Kleiderkammer in den Sommerferien, am neuen Standort geöffnet hat sie seit Anfang September. Am kommenden Samstag laden die Ehrenamtlichen nun alle Interessierten zu einem Tag der offenen Tür ein. Wer mag, kann etwas kaufen oder mitnehmen, etwas abgeben oder sich einfach nur umschauen.

Das Angebot jedenfalls ist groß - und jede Woche anders. „Wenn wir samstagmittags schließen, sind 30 bis 50 Prozent aller Kleider und Haushaltswaren weg“, schätzt Andrea Lube. An Nachschub mangelt es dank fleißiger Spender nicht. „Wir sind sehr froh, dass wir so viele schöne Sachen bekommen - sonst gäbe es die Kleiderkammer gar nicht“, betont sie.

Ins Leben gerufen worden war die Einrichtung vor vier Jahren, als rund 100 junge Männer in die Flüchtlingsunterkunft beim Weilheimer Stadion zogen. Unter dem Dach des AK Asyl gründeten Ehrenamtliche die Kleiderkammer, um die Geflüchteten mit dem Nötigsten zu versorgen. Seither hat sich viel getan. Aus der anfangs provisorischen Annahme- und Ausgabestelle für Kleider am Bildungszentrum Wühle ist eine Institution geworden, die aus Weilheim kaum mehr wegzudenken ist.

„Rund hundert Leute kommen jeden Samstag zu uns“, berichtet Andrea Lube. Zwar sind es immer noch überwiegend Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund, die das Angebot nutzen und sich für kleines Geld oder kostenlos mit Jacken, Schuhen, Geschirr, Handtüchern und Elektrogeräten eindecken. „Es kommen mittlerweile aber auch viele ältere Menschen und junge Mütter, die sich aus Überzeugung nach gebrauchten Kindersachen umsehen“, sagt Birgit Wilcke.

Mit dem Umzug in die Hofstraße ist die Kleiderkammer nicht nur größer und übersichtlicher geworden. Sie bietet auch mehr Komfort und Privatsphäre für die Kunden, insbesondere für Frauen. Zwei Räume sind speziell für sie reserviert. Dort können sie sich ungestört umschauen und Kleidung anprobieren. Auch die Kindersachen haben nun einen Extraraum bekommen.

Betrieben wird die Kleiderkammer nach wie vor ausschließlich von Ehrenamtlichen. Insgesamt arbeiten zehn Freiwillige dort, darunter auch zwei Flüchtlinge. Die Miete möchte das Team künftig aus den Verkaufseinnahmen bestreiten. Denn während Haushaltswaren, Kinderkleidung und Bücher verschenkt werden, kosten Jacken oder Hosen einen Euro. „Das dürfte sich dann fast tragen“, hat Andrea Lube ausgerechnet. Außerdem hat die Kleiderkammer in ihren mietfreien Zeiten etwas Geld angespart. „Für die nächsten zwei bis drei Jahre ist unsere Existenz hier gesichert“, so Lube.

Was mit dem Erdgeschoss der Hofstraße 2 passiert, steht laut Stadtverwaltung noch nicht fest. Im Gespräch ist unter anderem, eine Wohnung für eine Flüchtlingsfamilie einzurichten oder das Soziale Netz Raum Weilheim dort einzuquartieren. In der Scheuer soll die Fahrradwerkstatt des AK Asyl unterkommen.

Geöffnet hat die Kleiderkammer immer samstags von 9 bis 12 Uhr. In der Zeit werden auch Spenden angenommen. Beim Tag der offenen Tür am kommenden Samstag, 21. September, bieten die Ehrenamtlichen Kaffee und Hefezopf an. Am 20. Oktober beteiligt sich die Kleiderkammer zudem am verkaufsoffenen Sonntag.

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