Weilheim und Umgebung

Die Rasselbande verlässt Weilheim

Neues Angebot der Stadt soll ab Oktober die Kleinkindgruppe des freien Trägers ersetzen

Seit neun Jahren bietet die Rasselbande Kirchheim Krippenplätze auf dem Weilheimer Egelsberg an. Ende Juli schließt die Einrichtung wegen zu ­geringer Anmeldezahlen. Nun springt die Stadt Weilheim in die Bresche und gründet eine städtische Kleinkindgruppe am gleichen Standort.

Zu geringe Anmeldezahlen und zu wenig Bedarf an vollen Betreuungsplätzen: Auf dem Weilheimer Egelsberg zieht die Rasselbande mit
Zu geringe Anmeldezahlen und zu wenig Bedarf an vollen Betreuungsplätzen: Auf dem Weilheimer Egelsberg zieht die Rasselbande mit ihrer Kleinkindgruppe nun einen Schlussstrich.Foto: Jean-Luc Jacques

Weilheim. Ganz überraschend kam die Nachricht nicht. Schon vor einem Jahr hatte Mathilde Maier, Geschäftsführerin der Rasselbande Kirchheim, bei der Weilheimer Stadtverwaltung über rückläufige Anmeldezahlen in der Kleinkindgruppe auf dem Egelsberg geklagt. Die Hoffnung, der Trend kehre sich wieder um, hat sich zerschlagen. Ende Juli schließt die Rasselbande ihre Krippe auf dem Egelsberg.

„Zuletzt sind nur noch wenige Kinder angemeldet gewesen und keines davon hat einen ganzen Platz belegt“, erläutert Mathilde Maier, Geschäftsführerin der Rasselbande Kirchheim, die Gründe. Umgerechnet seien derzeit gerade einmal fünf ganze Plätze belegt. „So können wir die Gruppe nicht mehr finanzieren.“ Leicht habe sich die Rasselbande die Entscheidung nicht gemacht. „Es tut uns weh, schließen zu müssen – und das kurz vor unserem zehnjährigen Bestehen auf dem Egelsberg“, sagt Mathilde Maier. Dennoch sei es besser jetzt zu gehen, als sich zu verschulden.

Das Ende der Rasselbande auf dem Egelsberg hat für die Stadt Weilheim Konsequenzen. „Wenn diese zehn Plätze wegfallen, sinkt unsere Quote bei der U3-Betreuung“, erläutert Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle. Er sehe dann den Rechtsanspruch gefährdet. Bisher habe Weilheim bei 30  Prozent gelegen, das Landes-Soll betrage 34 Prozent.

„Wir möchten deshalb eine neue städtische Krippe mit vergleichbarem Angebot aufmachen“, so Züfle. Dafür würde die Stadt die Räume, die bisher die Rasselbande genutzt hat, renovieren, mit einem separaten Schlafraum ausstatten und eine neue Küchenzeile einbauen. Angedacht ist, ab Oktober eine Kleinkindgruppe mit verlängerten Öffnungszeiten von 7.30 bis 14  Uhr und Mittagessen anzubieten. Wie in den anderen Krippengruppen der Stadt auch, sollen die Kinder wahlweise an zwei, drei oder fünf Tagen kommen dürfen.

„Wegen der optimalen Auslastung des Personals wollen wir die Plätze mit verlängerten Öffnungszeiten am Egelsberg bündeln“, informiert der Bürgermeister. Im Kindergarten Lerchenstraße würden künftig für Neuzugänge dann nur noch Ganztagsplätze angeboten.

Für die Stadt bedeutet der Weggang des freien Trägers auch eine finanzielle Belastung. Zwar hat die Rasselbande in den vergangenen Jahren einen Betriebskostenzuschuss in Höhe von 68 Prozent aus dem kommunalen Säckel erhalten. Dennoch muss die Stadt künftig 10 000 Euro mehr pro Jahr aufwenden. Dazu kommen die einmaligen Kosten für Umbau und Sanierung der Krippenräume von gut 100 000 Euro.

Weil die Gruppe erst im Oktober aufmacht, muss die Stadt zum Start des Kindergartenjahres nach Übergangslösungen in den anderen Krippen suchen. „Die sind dann für drei Wochen wirklich brechend voll“, prophezeit Züfle.

„Der Egelsberg ist schwierig“

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Als Grund für die Schließung der Gruppe auf dem Egelsberg haben Sie rückläufige Anmeldezahlen genannt. Ist das ein Einzelfall oder ein allgemeiner Trend?

Für uns ist der Egelsberg ein Einzelfall. Unsere anderen Gruppen sind voll, es gibt sogar Wartelisten. Ich denke, der Egelsberg ist als Standort eventuell schwierig, da in den Häusern viele Familien mit älteren Kindern wohnen. Ein Generationenwechsel könnte dies verändern, aber wie lange es dauert, bis er sich vollzieht, kann man nicht sagen. Wir können jedenfalls nicht darauf warten.

Die Betriebskostenschüsse, die Sie von den Kommunen erhalten, sind nicht überall gleich hoch. So zahlt die Stadt Kirchheim aktuell 83 Prozent Zuschuss für U3-Gruppen, Weilheim nur 68 Prozent. Ist das für Sie ein Standortfaktor?

Es ist für die freien Träger gut, wenn die Kommunen höhere Zuschüsse gewähren. Dann können wir den Fokus auf anderes richten und die Gelder für Mitarbeiterqualifikation oder Projekte investieren.

Wie haben sich die Bedingungen für freie Träger in den vergangenen Jahren verändert?

Geändert hat sich wenig. Es ist lediglich schwierig geworden, geeignete Gebäude und Bauplätze zu finden. Wir sind derzeit auf der Suche nach einem neuen Standort in Kirchheim, aber finden nichts. Da muss man eben langfristig planen.

Die Rasselbande Kirchheim ist eine gemeinnützige GmbH. Unter ihrem Dach gibt es außer der Krippe auf dem Egelsberg drei Einrichtungen, zwei davon in Kirchheim, eine in Notzingen. Insgesamt werden in den Gruppen 110 Kinder zwischen null und sechs Jahren betreut.

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